Ein Sommer ohne Regen, die Gießkanne wird zum Dauerbegleiter, und die Wasseruhr dreht sich fröhlich weiter. Dabei fällt der beste Gartenhelfer buchstäblich vom Himmel und läuft bei den meisten ungenutzt in die Kanalisation: Regenwasser. Wer es auffängt, gießt weicher, kalkfreier und kostenlos. Die Frage ist nur, wie viel dein Dach hergibt und ob dafür eine Tonne reicht oder sich eine Zisterne lohnt. Rechnen wir das in Ruhe durch.
Auf einen Blick
- Faustregel: 1 mm Niederschlag bringt 1 Liter Wasser pro Quadratmeter Dachfläche. Bei 700 mm Jahresniederschlag und 50 m² Dach sind das grob 28.000 Liter im Jahr.
- Rechne mit dem Abflussbeiwert: Ziegel- und Metalldächer liefern rund 80 bis 90 Prozent, Gründächer nur 30 bis 50 Prozent.
- Eine Regentonne (200 bis 500 Liter) ist der günstige Einstieg für Balkon, Hochbeet und kleine Beete. Für 40 bis 80 Euro bist du dabei.
- Eine Zisterne (2.000 bis 10.000 Liter) überbrückt echte Trockenphasen und amortisiert sich über Jahre, kostet aber 1.500 bis 5.000 Euro eingebaut.
- Regensammler am Fallrohr, ein Überlauf und ein Deckel gegen Mücken sind Pflicht. Im Winter Tonne entleeren, sonst sprengt der Frost sie.
Wie viel Wasser bringt dein Dach wirklich?
Die Rechnung ist erfreulich einfach, weil die Natur uns eine runde Zahl schenkt: Ein Millimeter Niederschlag entspricht genau einem Liter Wasser pro Quadratmeter. Fallen also über das Jahr 700 mm Regen, ein typischer Wert für weite Teile Deutschlands, dann trifft jeder Quadratmeter deines Daches im Jahr rund 700 Liter.
Wichtig ist nicht die schräge Dachhaut, sondern die Grundfläche, also die von oben gesehene Fläche, die dein Dach überdeckt. Ein Satteldach mit 8 mal 5 Metern Grundfläche zählt als 40 m², egal wie steil es ist. Der Regen fällt ja senkrecht, und ein steileres Dach fängt nicht mehr davon ab.
Ein Teil des Wassers verdunstet allerdings oder bleibt in der Dachrinne hängen. Diesen Verlust bildet der Abflussbeiwert ab, ein Faktor zwischen 0 und 1. Die vollständige Formel lautet also:
Jahresertrag in Litern = Dachfläche (m²) mal Jahresniederschlag (mm) mal Abflussbeiwert.
Merksatz fürs Gartenbuch
Rechne deinen Ertrag in drei Schritten
Dachfläche bestimmen
Miss die Grundfläche, die dein Dach überdeckt, nicht die geneigte Dachhaut. Bei einem Satteldach: Länge mal halbe Gebäudetiefe pro Seite, oder einfach Länge mal Tiefe für das ganze Gebäude. Für die Regentonne zählt nur die Fläche, die zu dem einen Fallrohr entwässert, an dem du sammelst. Oft ist das ein Viertel oder die Hälfte des Daches.
Niederschlag deiner Region nachschlagen
Den regionalen Jahresniederschlag findest du beim Deutschen Wetterdienst. Grobe Anhaltspunkte: Berlin und Brandenburg um 560 mm, Rheinland und Norddeutschland um 750 mm, Schwarzwald und Alpenrand über 1.200 mm. Nimm im Zweifel 650 mm, dann rechnest du eher vorsichtig.
Mit dem Abflussbeiwert multiplizieren
Ziegel, Schiefer und Metall: Faktor 0,8. Bitumen und Flachdach mit Kies: 0,5 bis 0,6. Extensives Gründach: 0,3 bis 0,5, weil die Substratschicht viel Wasser speichert. Multipliziere alle drei Zahlen, und du hast deinen groben Jahresertrag.
Ein konkretes Beispiel: Du sammelst an einem Fallrohr, das eine Dachhälfte von 25 m² entwässert. Dein Ort bekommt 700 mm Regen, das Dach ist mit Tonziegeln gedeckt (Faktor 0,8). Rechnung: 25 mal 700 mal 0,8 ergibt 14.000 Liter im Jahr. Das sind 14 Kubikmeter, die sonst im Gully verschwinden. Bei rund 4 Euro je Kubikmeter für Frisch- und Abwasser könntest du damit etwa 56 Euro im Jahr auffangen, und die Pflanzen danken dir zusätzlich mit besserem Wachstum.
Der Ertrag verteilt sich nicht gleichmäßig übers Jahr. Im nassen November läuft jede Tonne binnen Stunden über, im trockenen Juli ist sie nach zwei Gießrunden leer. Genau deshalb geht es beim Sammeln nicht um den Jahresertrag, sondern um Speichervolumen für die Dürrewochen dazwischen. Das ist der Kern der Entscheidung Tonne gegen Zisterne.
Der Abflussbeiwert nach Dachtyp
- Ziegel, Schiefer, Blech: 0,8 bis 0,9
Harte, glatte Oberflächen mit ordentlichem Gefälle. Hier landet fast alles in der Rinne. Metalldächer liegen am oberen Ende, weil sie kaum Wasser aufsaugen.
- Flachdach mit Kies oder Bitumen: 0,5 bis 0,6
Das flache Gefälle und die raue Oberfläche halten Wasser zurück, ein Teil verdunstet direkt wieder. Immer noch ein brauchbarer Sammler.
- Extensives Gründach: 0,3 bis 0,5
Die Substrat- und Pflanzschicht ist ein Schwamm. Für die Regenrückhaltung im Klimawandel großartig, fürs Sammeln in der Tonne eher schwach. Was ankommt, ist dafür schon vorgefiltert.
- Gewächshaus und Gartenhaus zählen mit
Vergiss die kleinen Dächer nicht. Ein 3 mal 4 Meter großes Gartenhausdach liefert bei 700 mm rund 6.700 Liter im Jahr, oft genau dort, wo du sie brauchst.
Vom Speicher ins Beet gelangt das Wasser am sparsamsten über eine gezielte Tröpfchenbewässerung, die direkt an die Wurzel dosiert statt breitflächig zu verdunsten.
Tonne oder Zisterne: die ehrliche Gegenüberstellung
Die Regentonne
Die Regentonne steht sichtbar am Fallrohr, fasst meist 200 bis 500 Liter und ist in einer halben Stunde angeschlossen. Du brauchst keinen Bagger, keine Genehmigung und kein großes Budget: 40 bis 80 Euro für eine solide Tonne, ein Regensammler dazu für 20 bis 30 Euro. Der Nachteil liegt im Volumen. Eine 300-Liter-Tonne ist nach zwei bis drei gründlichen Gießrunden leer und in einer trockenen Woche nutzlos. Wer mehr will, koppelt zwei oder drei Tonnen zu einer Kaskade. Der beste Einstieg für Balkon, Terrasse, Kleingarten und kleine bis mittlere Beete.
Die Zisterne
Die Zisterne liegt im Erdreich, frostsicher und lichtgeschützt, und fasst je nach Modell 2.000 bis 10.000 Liter. Damit überbrückst du echte Trockenphasen von mehreren Wochen und versorgst auch einen großen Gemüsegarten, den Rasen oder eine automatische Bewässerung. Der Preis hat es in sich: 1.500 bis 3.000 Euro für den Tank, plus Erdarbeiten, Pumpe und Filter, sodass eingebaut schnell 3.000 bis 5.000 Euro zusammenkommen. Dafür hält so ein Tank Jahrzehnte und amortisiert sich bei großem Wasserbedarf über die Jahre. Die Baugrube planst du am besten gleich beim Terrassen- oder Neubau mit ein.
Welche Größe passt zu deinem Garten?
Als grobe Orientierung: Ein Gemüsebeet braucht in der Hauptsaison rund 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter und Woche. Ein 20 m² großes Beet zieht also 400 bis 600 Liter wöchentlich. Rechne, wie viele Tage du eine Trockenphase überbrücken willst, und du hast dein Wunschvolumen. Bei der Bewässerung selbst sparst du am meisten, wenn du gezielt an die Wurzel gießt, wie im Beitrag zum wassersparenden Gießen im Sommer beschrieben.
- Balkon und Hochbeet: 200 bis 300 Liter
Eine einzelne Tonne reicht. Sie füllt sich nach jedem Schauer neu, und mehr Vorrat brauchst du auf kleiner Fläche selten.
- Kleingarten und Reihenhausgarten: 500 bis 1.000 Liter
Zwei bis drei gekoppelte Tonnen oder ein größerer Erdtank. Damit kommst du durch die meisten Sommerwochen, wenn zwischendurch etwas Regen fällt.
- Großer Nutzgarten mit Rasen: ab 3.000 Liter
Jetzt lohnt die Zisterne. Wer Rasen, Obstbäume und ein großes Gemüsefeld versorgt, ist mit 5.000 Litern und einer Pumpe gut aufgestellt. Als Faustregel planst du etwa 5 Prozent deines Jahresertrags als Speichervolumen ein.
Der richtige Anschluss ans Fallrohr
Egal ob Tonne oder Zisterne, ohne die passende Technik am Fallrohr wird das nichts Dauerhaftes. Drei Bauteile gehören dazu:
Regensammler einsetzen
Der Regensammler (auch Fallrohrfilter genannt) wird ins Fallrohr geschnitten und leitet Wasser in die Tonne, bis diese voll ist. Danach läuft der Überschuss automatisch im Fallrohr weiter. Er filtert zugleich grobe Blätter heraus. Einbauhöhe knapp unter dem gewünschten Wasserstand der Tonne.
Ersten Schwung ableiten
Der erste Regen nach einer Trockenphase spült Staub, Pollen und Vogelkot vom Dach. Ein Vorfilter oder eine kleine Ableitung dieses ersten Schwungs hält das Wasser sauberer. Bei Zisternen übernimmt das ein eingebauter Filterkorb.
Überlauf sicher führen
Läuft die Tonne über, muss das Wasser kontrolliert weg, sonst steht es an der Hauswand. Führe den Überlauf zurück ins Fallrohr, in ein Beet oder eine Versickerungsmulde. Bei der Zisterne ist ein Überlauf mit Geruchsverschluss und Rückstauklappe Standard.
Warum Regenwasser das bessere Gießwasser ist
Regenwasser ist weich, also kalkarm, und leicht sauer. Genau das lieben viele Pflanzen, die auf hartes Leitungswasser mit Kalk empfindlich reagieren, während sie mit Regenwasser aufblühen.
Hydrangea macrophylla
- Standort
- Halbschatten, geschützt
- Saison
- Blüte Juni bis September
- Wasserbedarf
- hoch, kalkfrei gießen
- Frosthärte
- bis etwa minus 18 Grad, je nach Sorte
Die Bauernhortensie ist das Paradebeispiel: Mit kalkfreiem Regenwasser bleiben blaue Sorten wie Hortensie ‚Endless Summer' farbtreu, während Kalk sie ins Rosa kippen lässt. Auch Rhododendron, Azalee, Heidelbeere und Zitruspflanzen im Kübel danken dir das weiche Wasser.
Zum Gießen im Garten ist gesammeltes Regenwasser bedenkenlos. Trinkwasser ist es nicht, und für Salate und Kräuter, die roh gegessen werden, gieße besser über die Wurzel statt über die Blätter. Als Faustregel: an die Wurzel darf Regenwasser überall, aufs erntereife Blatt lieber Leitungswasser.
Denk an den Frost. Eine volle Tonne aus Kunststoff kann im Winter aufplatzen, wenn das Eis sich ausdehnt. Entleere Tonnen im Spätherbst, etwa ab Mitte November · KW 46, dreh den Regensammler auf Winterstellung oder klapp den Deckel offen. Zisternen im Erdreich sind unterhalb der Frostgrenze sicher und bleiben in Betrieb.
Offene Wasserbehälter sind eine ernste Gefahr für kleine Kinder: Schon in wenigen Zentimetern Wasser kann ein Kleinkind ertrinken. Sichere jede Tonne mit einem festen, kindersicheren Deckel und decke Zisternen-Schächte mit einer verschraubten, tragfähigen Abdeckung ab. Das ist kein Komfortthema, sondern Pflicht.
Gegen Mücken und Algen hilft dasselbe Bauteil: ein dicht schließender, blickdichter Deckel. Er hält Mückenweibchen von der Eiablage ab und lässt kein Licht ins Innere, also auch keine Algen. Zeigen sich doch Larven, wirkt ein biologisches Mittel mit dem Wirkstoff aus Bacillus thuringiensis israelensis gezielt gegen sie und verschont Pflanzen, Igel und Vögel.
Häufige Fragen zum Regenwasser sammeln
Häufige Fragen
Wie viel Regenwasser kann ich von meinem Dach sammeln?
Die Faustformel lautet: Dachgrundfläche in Quadratmetern mal Jahresniederschlag in Millimetern mal Abflussbeiwert. Bei 50 m² Dachfläche, 700 mm Niederschlag und einem Ziegeldach (Faktor 0,8) sind das rund 28.000 Liter im Jahr. Entscheidend ist die von oben gesehene Grundfläche, nicht die schräge Dachhaut, und der Abflussbeiwert deines Dachtyps: Ziegel und Metall liefern 0,8 bis 0,9, Gründächer nur 0,3 bis 0,5.
Lohnt sich eine Zisterne oder reicht eine Regentonne?
Das hängt an deinem Wasserbedarf und der Fläche. Für Balkon, Hochbeet und kleine Beete reicht eine Tonne mit 200 bis 500 Litern für 40 bis 80 Euro völlig. Sobald du einen großen Gemüsegarten, Rasen oder eine automatische Bewässerung versorgst und mehrwöchige Trockenphasen überbrücken willst, lohnt die Zisterne mit 2.000 bis 10.000 Litern. Sie kostet eingebaut 3.000 bis 5.000 Euro, hält aber Jahrzehnte und amortisiert sich über die eingesparten Wasserkosten.
Ist Regenwasser gut für alle Pflanzen?
Zum Gießen ist Regenwasser ideal, weil es weich und kalkarm ist. Kalkempfindliche Pflanzen wie Hortensie, Rhododendron, Azalee, Heidelbeere und Zitruspflanzen im Kübel bevorzugen es sogar deutlich gegenüber hartem Leitungswasser. Für den Garten kannst du es überall bedenkenlos einsetzen. Bei roh verzehrtem Blattgemüse wie Salat gießt du besser an die Wurzel statt über die Blätter. Trinkwasser ist gesammeltes Regenwasser nicht.
Wie halte ich Mücken aus der Regentonne fern?
Ein dicht schließender Deckel ist die wirksamste Maßnahme, denn er verhindert die Eiablage der Mückenweibchen. Eine dunkle, blickdichte Tonne bleibt zudem algenfrei, weil kein Licht hineinfällt. Zeigen sich doch Larven, hilft ein biologisches Mittel mit Bacillus thuringiensis israelensis, das nur Mückenlarven trifft und für Pflanzen und Tiere unbedenklich ist. Auch ein paar Wasserflöhe halten die Oberfläche in Schach.
Muss ich die Regentonne im Winter leeren?
Ja. Eine volle Kunststofftonne kann bei starkem Frost aufplatzen, weil sich gefrierendes Wasser ausdehnt. Entleere sie im Spätherbst, etwa ab Mitte November · KW 46, und stelle den Regensammler auf Winterstellung oder klappe den Deckel offen, damit sich kein Wasser sammelt. Erdverlegte Zisternen liegen unterhalb der Frostgrenze und bleiben das ganze Jahr in Betrieb.
Ist dir ein Fehler aufgefallen?

