Ein Zaun ist schnell gebaut, aber er bleibt ein Zaun. Eine grüne Wand dagegen lebt: Sie summt im Sommer vor Bienen und färbt sich im Herbst. Wenn du deinen Sitzplatz vor fremden Blicken schützen willst, ohne eine kahle Bretterwand aufzustellen, sind Kletterpflanzen die schönste Lösung. Dieser Artikel zeigt dir, welche Pflanze wie klettert, was sie an Halt braucht und wann du sie in die Erde bringst.
Wie Kletterpflanzen klettern: zwei Typen, ein Ziel
Bevor du zur Gärtnerei fährst, lohnt eine Minute Theorie, denn sie entscheidet über deinen ganzen Materialeinkauf. Kletterpflanzen teilen sich in zwei Lager.
Selbstklimmer brauchen keine Hilfe. Efeu und Kletterhortensie bilden Haftwurzeln, Wilder Wein sogar kleine Haftscheiben, die wie Saugnäpfe an Stein, Putz und Holz kleben. Der Preis dafür: Sie klettern langsam an und lassen sich später kaum spurlos entfernen.
Gerüstkletterer dagegen suchen etwas zum Festhalten. Hopfen und Prunkwinde winden ihre Triebe spiralig um Stäbe und Seile. Clematis und Kapuzinerkresse greifen mit Blattstielen. Und Kletterrosen klettern eigentlich gar nicht, sondern legen ihre langen Triebe nur an und müssen angebunden werden. All diese Pflanzen brauchen eine Rankhilfe: ein Spalier, ein Drahtseil oder ein Gitter.
Die Unterscheidung ist keine Haarspalterei. Setzt du eine Clematis vor eine glatte Wand ohne Gitter, wächst sie am Boden entlang und wird nie zum Sichtschutz. Erst passt du Pflanze und Halt zusammen, dann kaufst du.
Selbstklimmer: die pflegeleichte grüne Wand
Wenn du eine massive Mauer, eine Betonwand oder einen soliden Bretterzaun begrünen willst und wenig basteln magst, sind Selbstklimmer dein Weg.
Efeu (Hedera helix) ist der Klassiker und der einzige Kletterer in dieser Liste, der auch im Januar dicht und grün bleibt. Er wächst im Schatten wie in der Sonne, verträgt Trockenheit und wird mit den Jahren zu einer tragfähigen Wand. Rechne mit zwei bis drei Jahren Geduld, bis er richtig loslegt; danach ist er kaum zu bremsen.
Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata und quinquefolia) ist der schnellere Verwandte. Er wirft im Winter das Laub ab, entschädigt aber mit einer leuchtend roten Herbstfärbung ab Mitte September. Seine Haftscheiben tragen ihn bis in den dritten Stock.
Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris) ist die elegante Lösung für den Schatten. Sie klettert mit Haftwurzeln, blüht im Juni cremeweiß und kommt sogar an der Nordwand zurecht. Ihr einziger Nachteil: Die ersten zwei Jahre passiert oberirdisch fast nichts, weil sie erst Wurzeln aufbaut.
Gerüstkletterer: mehr Aufwand, mehr Auswahl
Sobald du bereit bist, eine Rankhilfe anzubringen, öffnet sich die Vielfalt der blühenden und duftenden Kletterer.
Hopfen (Humulus lupulus) ist der Sprinter unter den mehrjährigen Kletterern. Er stirbt im Winter oberirdisch ab und treibt im Frühjahr komplett neu aus, schafft dann aber bis zum Hochsommer sechs Meter und mehr. Für einen Sichtschutz, der schon in der ersten Saison dicht ist, gibt es kaum etwas Besseres.
Clematis (Waldrebe) bringt die großen Blüten. Sorten wie Clematis ,Jackmanii' oder Clematis ,Nelly Moser' überziehen ein Spalier von Mai bis September mit Farbe. Ihr berühmter Spruch: Kopf in die Sonne, Fuß in den Schatten. Beschatte also den Wurzelbereich mit einer flachen Staude.
Geißblatt (Lonicera) duftet abends betörend und zieht Nachtfalter an. Es windet sich von selbst um Stäbe und Seile und ist einer der pflegeleichteren Gerüstkletterer. Kletterrose, etwa die Sorte Rose ,New Dawn', liefert den romantischen Klassiker, muss aber angebunden werden. Blauregen (Wisteria) ist die spektakulärste und zugleich anspruchsvollste Wahl: Die blauvioletten Blütentrauben im Mai sind atemberaubend, doch die Pflanze wird mit den Jahren armdick und bärenstark.
Einjährige Schnellstarter: dicht schon im ersten Sommer
Soll die grüne Wand nicht in drei Jahren, sondern in drei Monaten stehen? Dann pflanzt du im ersten Jahr zusätzlich einjährige Kletterer vor die noch kahle Rankhilfe. Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) wächst aus einer Direktsaat ab Mitte Mai in wenigen Wochen zwei bis drei Meter, blüht orangerot und liefert essbare Blätter für den Salat. Prunkwinde (Ipomoea) öffnet jeden Morgen neue trichterförmige Blüten in leuchtendem Blau. Beide sind nicht winterhart und machen im Herbst Platz, während im Hintergrund die mehrjährige Pflanze Fahrt aufnimmt.
- In dieser Saison dichtHopfen, Kapuzinerkresse, Prunkwinde: mehrere Meter in wenigen Monaten.
- Nach zwei bis drei Jahren dichtEfeu, Wilder Wein, Kletterhortensie, Clematis, Blauregen: dafür dauerhaft.
- Immergrün im WinterNur Efeu; alle anderen stehen von November bis April kahl.
- Ohne RankhilfeEfeu, Wilder Wein, Kletterhortensie; der Rest braucht Spalier oder Seil.
Die Rankhilfe: was wirklich hält
Für Gerüstkletterer entscheidet die Rankhilfe über Erfolg oder Frust. Als Faustregel gilt: Je schwerer die Pflanze, desto stabiler das Gerüst. Für Clematis und einjährige Kletterer reichen gespannte Drahtseile oder ein leichtes Holzspalier, für Blauregen und alte Kletterrosen brauchst du verzinkte Stahlseile oder ein massives Gerüst. Halte immer sechs bis zehn Zentimeter Abstand zur Wand: Dieser Luftspalt lässt die Fassade nach Regen abtrocknen. Wie du ein solches Spalier selbst baust, liest du im Beitrag Rankhilfe und Spalier selber bauen.
Pflanzen: das richtige Fenster treffen
Fenster wählen: KW 14 bis 20 oder KW 38 bis 44
Frühjahr (Anfang April bis Mitte Mai) und Herbst (Mitte September bis Anfang November) sind ideal: Der Boden ist feucht und mild, die Wurzeln wachsen an, bevor Hitze oder Frost kommen.Pflanzloch mit Abstand graben
Grabe das Loch 30 bis 40 Zentimeter von der Wand entfernt, nicht direkt am Sockel: Unmittelbar an der Mauer ist die Erde trocken (Regenschatten). Das Loch doppelt so breit wie der Ballen ausheben und den Aushub mit Kompost mischen.Schräg zur Wand pflanzen
Setze den Ballen leicht schräg, sodass die Triebe zur Rankhilfe zeigen. Clematis fünf bis zehn Zentimeter tiefer setzen als im Topf, das macht sie widerstandsfähig gegen die Welkekrankheit.Angießen und mulchen
Kräftig einschlämmen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Danach eine Handbreit Rindenmulch oder Laub auflegen, das hält den Wurzelbereich kühl und feucht.Erste Triebe anleiten
Binde die jungen Triebe locker mit weichem Bast an, bis die Pflanze allein Halt findet. Selbstklimmer drückst du sanft an die Wand.
Standort, Boden und die ersten Jahre
Die meisten Kletterpflanzen mögen einen Boden, der Wasser hält, ohne zu vernässen. Sehr sandige Erde verbesserst du mit Kompost, schweren Lehm lockerst du mit etwas Sand. Der Standort richtet sich nach der Pflanze: Blauregen, Kletterrose und Clematis wollen Sonne, Efeu und Kletterhortensie kommen auch mit der Nordwand zurecht.
Im ersten Jahr gilt: gießen, gießen, gießen, solange die Wurzeln flach sind. Ab dem zweiten Jahr sind die meisten Arten selbstständig. Ein Schnitt hält die Wand in Form: Efeu und Wilden Wein schneidest du im Frühjahr zurück, Clematis je nach Gruppe im Februar oder nach der Blüte.
Eine grüne Wand ist kein Sprint. Das erste Jahr baut Wurzeln, das zweite Triebe, das dritte den Sichtschutz. Wer im ersten Sommer Geduld hat, wird im dritten belohnt.
Gärtner-Faustregel
Kletterpflanze oder Hecke?
Beide schirmen ab, lösen aber unterschiedliche Aufgaben. Eine Kletterwand braucht kaum Grundfläche und passt in den schmalsten Streifen zwischen Terrasse und Zaun. Eine Hecke braucht Platz in der Breite, bietet dafür Vögeln Nistraum. Überlegst du, ob nicht doch eine lebende Hecke besser passt, hilft dir der Überblick Hecke pflanzen: Arten und Standort.
Häufige Fragen
Welche Kletterpflanze wächst am schnellsten als Sichtschutz?
Welche Kletterpflanze braucht keine Rankhilfe?
Wann pflanzt man Kletterpflanzen für den Sichtschutz?
Welche Kletterpflanze bleibt im Winter grün?
Beschädigen Kletterpflanzen die Hauswand?
Ist dir ein Fehler aufgefallen?

