Kaum etwas sorgt im Beet für so viel Verwechslung wie der Mehltau. Denn hinter dem einen Namen stecken zwei grundverschiedene Krankheiten, die sich fast gegensätzlich verhalten. Wer sie durcheinanderbringt, bekämpft die falsche und wundert sich, warum nichts hilft.
Dabei lassen sie sich mit einem einzigen Blick unterscheiden, und diese Unterscheidung entscheidet über die richtige Vorbeugung. Der Echte Mehltau ist ein Schönwetterpilz, der Falsche ein Schlechtwetterpilz. Verstehst du diesen Gegensatz, schützt du Zucchini, Gurke und Stachelbeere gezielt, statt blind zu spritzen.
Zwei Krankheiten, ein verwirrender Name
Der Echte Mehltau wird von echten Pilzen aus der Gruppe der Schlauchpilze verursacht. Er lebt auf der Blattoberfläche und bildet dort sein weißes Geflecht, das du wie Mehl abwischen kannst. Weil er nur die Oberfläche besiedelt, ist er leichter zu erwischen.
Der Falsche Mehltau dagegen ist gar kein echter Pilz, sondern ein Eipilz, verwandt mit dem Erreger der Kraut- und Braunfäule. Er dringt ins Blattgewebe ein und schiebt seinen Rasen nur an der Unterseite heraus. Deshalb lässt er sich nicht abwischen und ist von außen schwerer zu bekämpfen.
So erkennst du auf einen Blick, welchen du hast
Die sicherste Unterscheidung ist die Blattunterseite. Dreh ein befallenes Blatt einfach um.
Der schnelle Vergleich
- Echter Mehltau: weiß und oben
Weißer, mehliger Belag auf der Blattoberseite, der sich abwischen lässt. Tritt bei warmem, trockenem Wetter auf. Die Unterseite bleibt meist frei.
- Falscher Mehltau: Flecken oben, Rasen unten
Eckige, von den Blattadern begrenzte gelbe bis braune Flecken oben, darunter ein grauvioletter Pilzrasen. Kommt bei feuchtem, kühlem Wetter und ist nicht abwischbar.
- Das Wetter verrät ihn
Lange Schönwetterperiode mit warmen Tagen und feuchten Nächten spricht für den Echten. Nasskaltes, regnerisches Wetter spricht für den Falschen.
- Die Pflanze gibt Hinweise
Rosen, Äpfel, Stachelbeeren und Getreide bekommen fast immer den Echten. Salat, Zwiebel, Basilikum und Wein leiden oft unter dem Falschen. Gurke und Kürbis kann beides treffen.
Echter Mehltau: der Schönwetterpilz
Der Echte Mehltau überzieht Blätter, Stiele und manchmal Früchte mit einem weißen, wie gepudert wirkenden Belag. Anders als man denkt, braucht er keine Blattnässe. Im Gegenteil, ihm reichen warme Tage und feuchte Nächte mit Tau, während Regen ihn eher bremst. Deshalb tritt er oft im Hoch- und Spätsommer nach längeren Schönwetterphasen auf.
Handelst du früh, hältst du ihn klein. Die ersten kleinen, weißen Flecken sind der beste Zeitpunkt, um befallene Blätter zu entfernen und die Pflanze luftiger zu stellen.
Falscher Mehltau: der Schlechtwetterpilz
Der Falsche Mehltau ist der Gegenspieler: Er braucht Nässe und mildes bis kühles Wetter. Nach regnerischen Perioden bricht er aus und kann sich rasend schnell ausbreiten, gerade an Gurke, Salat und Wein. Weil er im Blatt sitzt, ist Vorbeugen hier noch wichtiger als beim Echten.
So beugst du beiden vor
Robuste Sorten pflanzen
Die wirksamste Maßnahme. Es gibt mehltautolerante Gurken und Zucchini und resistente Stachelbeeren wie Stachelbeere ‚Invicta'. Sie erkranken deutlich später und milder.
Luftig und mit Abstand pflanzen
Gib den Pflanzen Raum, damit Laub nach Tau und Regen schnell abtrocknet. Enge, feuchte Bestände sind für beide Mehltau-Arten ein Paradies.
Gegen den Falschen: Laub trocken halten
Gieße von unten an die Wurzel, nie über die Blätter, und am besten morgens. Trockene Blätter nehmen dem Falschen Mehltau die Grundlage.
Ausgewogen düngen
Vermeide einen Stickstoffüberschuss. Üppiges, weiches Laub ist besonders anfällig. Eine maßvolle Düngung macht die Pflanze widerstandsfähiger.
Befallenes früh entfernen
Schneide die ersten befallenen Blätter sofort heraus und gib sie in den Restmüll, nicht auf den Kompost. So bremst du die Ausbreitung, bevor sie in Fahrt kommt.
Fruchtfolge einhalten
Baue anfällige Kulturen nicht Jahr für Jahr am selben Platz an. Der Falsche Mehltau kann an Pflanzenresten und im Boden überdauern.
So senkst du das Risiko dauerhaft
- Auf das Sortenschild achten
Achte beim Kauf auf Hinweise wie mehltautolerant oder resistent. Bei Gurke, Zucchini, Stachelbeere und Wein macht die Sortenwahl den größten Unterschied.
- Morgens statt abends gießen
Wer morgens gießt, gibt dem Laub den ganzen Tag zum Abtrocknen. Abendliches Gießen hält die Blätter über Nacht feucht, ein Startschuss für den Falschen Mehltau.
- Nicht in der Monokultur denken
Mische Kulturen und halte Abstand zu bereits befallenen Beeten. Jeder Erreger ist auf bestimmte Wirte spezialisiert, Vielfalt bremst ihn aus.
- Die Pflanze stärken
Kräftige, gut versorgte Pflanzen wehren sich besser. Gleichmäßige Wasserversorgung und ein guter Standort sind die halbe Vorbeugung.
Weiß und abwischbar oben ist der Echte, Flecken oben und Rasen unten der Falsche. Erst bestimmen, dann handeln.
Die Kern-Regel zum Mehltau
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Echten und Falschen Mehltau sicher?
Am schnellsten über die Blattunterseite. Echter Mehltau bildet einen weißen, abwischbaren Belag oben, die Unterseite bleibt sauber. Falscher Mehltau macht eckige Flecken oben und einen grauen Pilzrasen unten, der sich nicht abwischen lässt.
Kann ich Gemüse mit Mehltau noch essen?
Ja. Der Mehltau sitzt am Laub, die Früchte bleiben essbar. Wasche Gurken, Zucchini und Co. einfach ab. Nur stark befallene, welke Pflanzen liefern kaum noch Ertrag, dann lohnt der Neustart mehr als die Rettung.
Warum kommt der Echte Mehltau oft erst im Spätsommer?
Weil ihm warme Tage und feuchte, taureiche Nächte am besten passen. Diese Kombination gibt es typisch im Hoch- und Spätsommer. Zucchini und Kürbis erwischt es dann fast jedes Jahr, sobald die Nächte kühler und feuchter werden.
Hilft die Milch-Spritzung wirklich gegen Mehltau?
Nur begrenzt und nur gegen den Echten Mehltau, vorbeugend an noch gesunden Blättern. Als alleinige Rettung eines stark befallenen Bestands taugt sie nicht. Robuste Sorten und luftiger Stand wirken deutlich zuverlässiger.
Muss ich befallene Blätter wegschneiden?
Bei beginnendem Befall ja, das bremst die Ausbreitung spürbar. Entferne die ersten befallenen Blätter und entsorge sie im Restmüll. Bei sehr starkem Befall bringt das Wegschneiden wenig, dann geht es nur noch um die Vorbeugung fürs nächste Jahr.
Gibt es wirklich mehltaufeste Sorten?
Ja, und sie sind der beste Schutz. Bei Gurke und Zucchini sind viele moderne Sorten mehltautolerant, bei der Stachelbeere gibt es resistente Sorten wie Stachelbeere ‚Invicta'. Ganz verschont bleiben sie nicht, aber sie erkranken viel später und milder.

