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Magazin4. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Kraut- und Braunfäule an Tomate und Kartoffel: nur Vorbeugen hilft

Ein Erreger, zwei Wirte: Warum die Kraut- und Braunfäule von der Kartoffel auf die Tomate springt, woran du sie an Blatt, Frucht und Knolle erkennst und wie du ihr mit trockenem Laub, Dach und robusten Sorten zuvorkommst.

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Tomatenblatt mit den braunschwarzen Flecken der Kraut- und Braunfäule
Die braunschwarzen Flecken der Kraut- und Braunfäule an der Tomate · Foto: Scot Nelson, CC0
Inhalt

Kaum eine Krankheit macht Gärtnern so viel Kummer wie die Kraut- und Braunfäule. Über Nacht scheint sie eine gesunde Tomatenpflanze zu vernichten, und die Kartoffelernte fault im Boden. Sie ist der Grund, warum die große Hungersnot in Irland im 19. Jahrhundert überhaupt entstand, und sie ist bis heute die gefürchtetste Krankheit im Kartoffel- und Tomatenbeet.

Doch wer ihren einen Schwachpunkt kennt, kann ihr wirksam zuvorkommen. Denn hinter beiden Namen steckt derselbe Erreger, und der braucht zwingend eines: Nässe auf dem Blatt. Genau da setzt der Schutz an. Verstehst du diesen Zusammenhang, hältst du deine Tomaten und Kartoffeln gesund, während im Nachbargarten das Kraut schon schwarz wird.

Tomatenblatt mit den braunschwarzen Flecken der Kraut- und Braunfäule
Braunschwarze Flecken an der Tomate · Foto: Scot Nelson, CC0

Ein Erreger, zwei Wirte

Kraut- und Braunfäule wird von Phytophthora infestans ausgelöst, einem pilzähnlichen Eipilz. Botanisch ist er kein echter Pilz, sondern ein Oomycet, gärtnerisch behandelst du ihn aber wie eine Pilzkrankheit. Beide Wirte, Kartoffel und Tomate, gehören zur Familie der Nachtschattengewächse, und der Erreger nutzt beide.

Meist bricht er zuerst im Kartoffelacker aus, und die Sporen wehen von dort auf die Tomaten. Das erklärt die wichtigste Regel: Pflanze Kartoffel und Tomate nicht nebeneinander. Die abgestorbene, verseuchte Kartoffelstaude ist die häufigste Infektionsquelle für deine Tomaten. Wer beide anbaut, hält bewusst Abstand.

Warum die Krankheit zwei Namen hat

Der Doppelname erzählt ihre Geschichte. An der Kartoffel spricht man von der Krautfäule, weil das oberirdische Kraut zuerst befallen wird und braun abstirbt. An der Tomate heißt sie Braunfäule, weil sie dort vor allem an den Früchten die typischen braunen, harten Stellen macht. Der Erreger ist in beiden Fällen derselbe.

Sein Kreislauf beginnt im Boden. Phytophthora infestans überwintert an infizierten Kartoffelknollen, die im Boden zurückbleiben oder im Lager faulen. Aus solchen Knollen und aus sogenannten Durchwachsern, also im Frühjahr wieder austreibenden Kartoffeln, startet die erste Infektion. Von dort verbreitet sich der Erreger über Sporen, die Wind und Regenspritzer über weite Strecken tragen. Ein einziger feuchtwarmer Schub im Hochsommer kann so einen ganzen Bestand erfassen.

So beugst du der Fäule vor

  1. Das Laub trocken halten

    Gieße immer von unten direkt an die Wurzel, nie über die Blätter. Am besten morgens, damit abtrocknet, was doch nass wird. Trockenes Laub kann der Erreger nicht besiedeln.

  2. Tomaten überdachen

    Ein einfaches Regendach oder ein Tomatenhaus hält den Regen ab und ist der wirksamste Einzelschutz im Freiland. Unter dem Dach bleiben die Blätter auch bei feuchtem Wetter trocken.

  3. Luftig pflanzen und ausgeizen

    Gib den Pflanzen reichlich Abstand und geize die Tomate konsequent aus. Eine luftige, lockere Pflanze trocknet nach Tau und Regen schnell wieder ab.

  4. Die unteren Blätter entfernen

    Nimm die untersten Blätter bis etwa 30 cm Höhe ab, sobald die Pflanze kräftig steht. So kommen keine Sporen durch aufspritzenden Boden ans Laub, und die Luft zieht besser durch.

  5. Abstand zur Kartoffel halten

    Setze Tomaten nie in die Nähe des Kartoffelbeets. Und schneide bei den ersten braunen Flecken das Kartoffelkraut ab, das schützt die Knollen und nimmt dem Erreger die Basis.

  6. Befallenes sofort entfernen

    Schneide erkrankte Blätter und Triebe gleich heraus und gib sie in den Restmüll, nicht auf den Kompost. Jedes befallene Blatt, das hängen bleibt, streut neue Sporen.

An Blatt, Frucht und Knolle erkennen

Die Krankheit zeigt sich je nach Pflanzenteil unterschiedlich. Am Blatt erscheinen zuerst graugrüne, wässrig wirkende Stellen, die schnell braunschwarz werden, oft am Blattrand beginnend. Bei feuchtem Wetter sitzt an der Blattunterseite ein zarter, weißlicher Pilzrasen, das sicherste Erkennungszeichen. An den Stängeln bilden sich dunkle, längliche Streifen.

Tomatenfrucht mit großer brauner, lederartiger Fäulestelle
An der Frucht wird die Braunfäule als harte, lederbraune Stelle sichtbar. Solche Tomaten sind nicht mehr essbar.· Foto: Scot Nelson, CC0

An den Tomatenfrüchten entstehen harte, braune, lederartige Stellen, die oft von der Schulter der Frucht ausgehen. Bei der Kartoffel spielt sich das Drama unter der Erde ab: Befallene Knollen zeigen eine braune, rostige Fäule, die sich von der Schale nach innen zieht.

Aufgeschnittene Kartoffelknolle mit brauner, rostiger Fäule unter der Schale
Die Knollenfäule zieht sich als braune, rostige Zone von der Schale ins Innere. Solche Knollen faulen im Lager weiter.· Foto: Björn Andersson (SLU), CC BY-SA 4.0

Die richtige Sorte nimmt den Druck

Ganz verhindern lässt sich der Erreger nicht, aber du kannst ihm mit robusten Sorten viel entgegensetzen. In den letzten Jahren sind Tomaten gezüchtet worden, die deutlich weniger anfällig sind.

So senkst du das Risiko dauerhaft

  • Tolerante Tomatensorten wählen

    Sorten wie Tomate ‚Phantasia', Tomate ‚Philovita' oder Tomate ‚Primabella' stecken den Befall lange weg. Für das offene Freiland ist das die halbe Miete.

  • Mulchen gegen Spritzwasser

    Eine Mulchschicht verhindert, dass beim Gießen und bei Regen Sporen vom Boden aufs untere Laub spritzen. Das kappt einen wichtigen Infektionsweg.

  • Fruchtfolge einhalten

    Baue Tomate und Kartoffel nicht Jahr für Jahr am selben Platz an. Eine mehrjährige Pause entzieht dem Erreger im Boden die Grundlage.

  • Früh und gesund starten

    Kräftige, gut ernährte Pflanzen wehren sich besser. Achte auf ausgewogene Düngung ohne Stickstoffüberschuss, denn weiches Laub erkrankt leichter.

Am Ende der Saison aufräumen

Die beste Vorbeugung fürs nächste Jahr passiert im Herbst. Weil der Erreger an Knollen im Boden überwintert, entscheidet ein sauberer Herbst über den Befallsdruck der kommenden Saison.

  1. Alle Kartoffeln herausholen

    Grabe das Beet gründlich um und sammle auch kleine Knollen auf. Jede vergessene Knolle kann als Durchwachser im Frühjahr wieder austreiben und zur ersten Infektionsquelle werden.

  2. Befallenes Kraut nicht kompostieren

    Krankes Kartoffel- und Tomatenkraut gehört in den Restmüll oder die Biotonne, nicht auf den offenen Gartenkompost. Dort würde der Erreger überdauern.

  3. Keine kranken Knollen einlagern

    Sortiere befallene Knollen strikt aus. Eine einzige faulende Knolle steckt im Lager rasch die ganze Kiste an.

Die Fäule braucht nasses Laub. Wer die Blätter trocken hält und überdacht, hat sie schon zur Hälfte besiegt.

Die Kern-Regel gegen die Braunfäule

Häufige Fragen

Kann ich befallene Tomaten oder Kartoffeln noch essen?

Früchte und Knollen mit brauner Fäule gehören in den Müll, sie schmecken faulig und verderben schnell. Noch gesunde, feste Tomaten an einer befallenen Pflanze kannst du ernten und rasch verbrauchen. Gesunde Knollen aus einem befallenen Bestand lagern schlechter, iss sie bald auf.

Springt die Krankheit wirklich von der Kartoffel auf die Tomate?

Ja. Beide sind Nachtschattengewächse, und derselbe Erreger befällt beide. Meist beginnt es im Kartoffelacker, von dort tragen Wind und Regen die Sporen auf die Tomaten. Deshalb solltest du beide nicht nebeneinander pflanzen.

Hilft Ausbrechen der befallenen Blätter noch?

Nur ganz am Anfang und nur begleitend. Entfernst du die ersten Flecken sofort, verzögerst du die Ausbreitung. Ist die Pflanze stark befallen, lässt sich die Fäule nicht mehr aufhalten, dann hilft nur noch Vorbeugen im nächsten Jahr.

Warum bricht sie oft nach einem Gewitter aus?

Weil Gewitter genau das liefern, was der Erreger braucht: nasses Laub bei milder Wärme. Bleibt es danach schwül, keimen die Sporen auf den feuchten Blättern. Ein paar feuchtwarme Tage im Hochsommer reichen für den Ausbruch.

Wie unterscheide ich Braunfäule von der Dürrfleckenkrankheit?

Die Braunfäule macht wässrige, braunschwarze Flecken, breitet sich sehr schnell aus und trägt bei Feuchte einen weißlichen Pilzrasen. Die Dürrfleckenkrankheit zeigt trockene, runde Flecken mit konzentrischen Ringen, meist zuerst unten an der Pflanze, und ist weit weniger gefährlich.

Sind manche Tomatensorten wirklich widerstandsfähig?

Ja, es gibt deutlich tolerantere Sorten wie Tomate ‚Phantasia', Tomate ‚Philovita' oder Tomate ‚Primabella'. Sie werden nicht völlig verschont, aber sie erkranken später und milder, gerade im Freiland ein großer Vorteil.

Kann ich Saatgut oder Knollen vom befallenen Bestand nehmen?

Von Kartoffeln besser nicht, denn die Fäule kann in scheinbar gesunden Knollen überdauern. Nimm zertifiziertes Pflanzgut. Tomatensamen aus voll ausgereiften, gesunden Früchten sind dagegen unbedenklich, der Erreger überträgt sich praktisch nicht über das Saatgut.

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