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Magazin12. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Rhabarber: ziehen statt schneiden und bis Johanni ernten

Rhabarber ist eine Staude fürs Leben. So pflanzt du ihn richtig, erntest von April bis Johanni durch Ziehen statt Schneiden und verjüngst den alten Horst durchs Teilen.

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Garten & Redaktion
Geerntete Rhabarberstangen mit rot-grüner Färbung und großen Blättern
Frisch geerntete Rhabarberstangen: rot am Grund, grün nach oben, die Blätter kommen weg. · Foto: Evan-Amos, Wikimedia Commons
Inhalt

Auf einen Blick

  • Rhabarber ist eine Staude fürs Leben: einmal gut gepflanzt, liefert ein Horst 15 bis 20 Jahre lang Stangen.
  • Geerntet wird von etwa KW 14 bis KW 26, also von Anfang April bis zum 24. Juni (Johanni).
  • Stangen immer ziehen und drehen, nie schneiden. Ein sauberer Ausriss heilt schneller als eine Schnittwunde.
  • Ab Johanni ist Erntestopp: Danach steigt der Oxalsäuregehalt, und die Pflanze braucht Kraft für den Winter.
  • Alle 8 bis 12 Jahre den Wurzelstock im Herbst oder zeitigen Frühjahr teilen, das verjüngt und vermehrt zugleich.

Es gibt wenige Pflanzen im Garten, die so wenig verlangen und so viel geben wie Rhabarber. Du setzt ihn ein einziges Mal, gibst ihm eine Handvoll Kompost im Frühjahr, und dafür schiebt er Jahr für Jahr seine dicken, säuerlichen Stangen aus dem Boden, oft noch, wenn der Gärtner, der ihn gepflanzt hat, längst nicht mehr im Garten steht. Ein alter Horst in der Beetecke ist kein Zufall, sondern ein Erbstück. Und damit er das bleibt, lohnt es sich, drei Dinge richtig zu machen: richtig pflanzen, richtig ernten und rechtzeitig teilen.

Warum Rhabarber eine Staude fürs Leben ist

Botanisch ist Rhabarber, Rheum rhabarbarum, eng mit dem Sauerampfer verwandt und gehört zu den Knöterichgewächsen. Was du erntest, sind die Blattstiele, nicht die Blätter, und genau das macht ihn zu einer der langlebigsten Kulturen im Nutzgarten. Er treibt aus einem kräftigen, holzigen Wurzelstock, der von Jahr zu Jahr breiter wird und sich tief in den Boden gräbt.

Diese Ausdauer hat einen Preis: Rhabarber ist ein Starkzehrer und braucht Platz. Ein ausgewachsener Horst nimmt gut 80 bis 100 cm im Quadrat ein, und wer ihn zu eng an Beetnachbarn setzt, ärgert sich in fünf Jahren. Plane großzügig, dann hast du lange Ruhe.

Kräftige Rhabarberpflanze mit großen Blättern in einem Gartenbeet
Ein etablierter Rhabarberhorst braucht viel Platz, gut 80 bis 100 cm im Quadrat. · Foto: DeFacto, Wikimedia Commons

Weil er so lange am selben Fleck steht, ist die Standortwahl die wichtigste Entscheidung überhaupt. Ein halbschattiger bis sonniger Platz mit tiefgründigem, humusreichem Boden ist ideal. Staunässe mag er nicht, dauerhafte Trockenheit ebenso wenig. Wenn du ein neues Beet ohnehin frisch anlegst, ist das der Moment, den Boden ordentlich mit reifem Kompost anzureichern, denn später kommst du an die Tiefe nicht mehr heran.

Standort und Pflanzung: einmal richtig, dann jahrzehntelang

Die beste Pflanzzeit ist der Herbst, etwa von Ende September bis Oktober, oder alternativ das zeitige Frühjahr im März, bevor der Austrieb losgeht. Du bekommst Rhabarber entweder als Topfware oder, klassischer, als Teilstück von einem Nachbargarten. Beides funktioniert, das Teilstück ist der ehrlichere Weg, weil du die Sorte kennst.

  1. Pflanzloch großzügig ausheben

    Grabe ein Loch von mindestens 40 cm Breite und Tiefe. Lockere den Boden am Grund gut auf, damit die kräftige Wurzel nach unten wachsen kann.

  2. Kompost einarbeiten

    Mische reifen Kompost und eine Handvoll Hornspäne unter den Aushub. Rhabarber ist hungrig, dieser Vorrat trägt ihn durch die ersten Jahre.

  3. Knospe knapp unter die Oberfläche setzen

    Die dicke Triebknospe (das Auge) gehört auf Bodenniveau oder höchstens 2 bis 3 cm darunter. Zu tief gepflanzt fault der Kronansatz, zu hoch trocknet er aus.

  4. Angießen und mulchen

    Kräftig wässern, dann eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh auflegen. Das hält die Feuchtigkeit und füttert beim Verrotten nach.

  5. Im ersten Jahr nicht ernten

    So schwer es fällt: Lass die Stangen im Pflanzjahr stehen. Die Pflanze muss erst einwurzeln. Ab dem zweiten Jahr nimmst du behutsam die ersten, ab dem dritten Jahr kannst du zugreifen.

Rhabarber ist absolut winterhart und übersteht Fröste bis etwa minus 20 Grad ohne Schutz. Das Laub stirbt im Herbst ab, der Wurzelstock ruht und treibt im Frühjahr neu aus. Nur junge Pflanzen im ersten Standjahr deckst du locker mit Laub oder Reisig ab. Kübel-Rhabarber ist frostempfindlicher an den Wurzeln und gehört geschützt an die Hauswand.

Ernten mit der Hand: ziehen statt schneiden

Hier trennt sich der Kleingärtner vom Supermarkt. Rhabarberstangen werden nicht abgeschnitten, sondern gezogen. Du greifst die Stange möglichst weit unten, dicht am Boden, und ziehst sie mit einer leichten Drehung zur Seite heraus. Sie löst sich sauber aus der Blattscheide, mit einem kleinen, weißen Fuß am Ende.

Warum das besser ist als das Messer? Ein Schnitt hinterlässt einen Stummel, der in der feuchten Krone stehen bleibt, verfault und Fäulnis in den Wurzelstock trägt. Der saubere Ausriss dagegen heilt schnell und trocken ab. Nimm nie mehr als die Hälfte der Stangen einer Pflanze auf einmal, damit ihr genug Blattmasse für die Photosynthese bleibt.

Was du am Rhabarber schneidest, das nimmst du ihm. Was du ziehst, das gibt er dir.

Alte Gärtnerregel

Die Blätter kommen weg, und zwar sofort. Sie enthalten deutlich mehr Oxalsäure als die Stangen und gehören nicht auf den Teller. Auf den Kompost dürfen sie aber bedenkenlos, dort baut sich die Säure problemlos ab. Manche Gärtner legen die großen Blätter auch als Mulch zwischen die Beetreihen, wo sie Schnecken eine Weile den Weg verstellen.

Rhabarberblätter sind wegen ihres hohen Oxalsäuregehalts nicht zum Verzehr geeignet und können in Mengen zu Übelkeit führen. Verwende ausschließlich die geschälten oder ungeschälten Blattstiele, niemals die Blattspreite. Für Kinder gilt: die Stange ja, das Blatt nie.

Die Johanni-Regel: warum am 24. Juni Schluss ist

Die wichtigste Zahl im Rhabarberjahr ist der 24. Juni, der Johannistag. Er fällt je nach Jahr in KW 25 oder KW 26 und markiert das Ende der Ernte. Diese Regel ist kein Aberglaube, sondern hat zwei handfeste Gründe.

Erstens steigt der Oxalsäuregehalt in den Stangen mit fortschreitender Saison spürbar an. Was im April mild-säuerlich schmeckt, wird im Hochsommer scharf und für empfindliche Mägen unangenehm. Zweitens, und das ist der eigentliche Punkt, braucht die Pflanze die zweite Jahreshälfte für sich selbst. Ab Johanni sammelt sie über die Blätter Kraft im Wurzelstock, legt neue Knospen an und bereitet sich auf den Winter und den kräftigen Austrieb im nächsten Frühjahr vor. Wer über Johanni hinaus erntet, schwächt den Horst und wird es an dünneren Stangen im Folgejahr merken.

Frisch austreibende Rhabarberknospen im zeitigen Frühjahr mit roten Trieben
Der Austrieb im März: rote Knospen schieben aus dem Wurzelstock. Jetzt ist Teilzeit. · Foto: Amada44, Wikimedia Commons

Nach Johanni darfst du die Pflanze also in Ruhe wachsen lassen. Die verbleibenden Blätter sind jetzt ihre Nahrungsfabrik. Gib ihr nach der letzten Ernte eine zweite Portion Kompost oder gut verrotteten Mist, flach auf die Oberfläche verteilt, nicht eingegraben, denn die Wurzeln liegen dicht unter der Erde. Diese Sommergabe ist der Schlüssel zu einem kräftigen Frühjahr.

Den Horst teilen: Verjüngung und Vermehrung in einem

Nach etwa 8 bis 12 Jahren lässt die Wüchsigkeit nach. Die Stangen werden dünner, die Mitte des Horsts verholzt und treibt kaum noch. Das ist kein Grund zum Wegwerfen, sondern das Signal zum Teilen. Die Wurzelteilung ist zugleich die zuverlässigste Art, Rhabarber zu vermehren, denn nur so bleibt die Sorte sortenecht.

  1. Zeitpunkt wählen

    Am besten im Herbst, sobald die Blätter vergilben (Ende September bis Oktober), oder im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb im März.

  2. Wurzelstock ausgraben

    Steche rundherum großzügig ab und hebe den ganzen Ballen mit der Grabegabel aus dem Boden. Schüttele grobe Erde ab, damit du die Knospen siehst.

  3. In faustgroße Stücke teilen

    Mit einem scharfen Spaten den Stock in Teilstücke zerlegen. Jedes Stück braucht mindestens eine kräftige Triebknospe und ein gutes Stück Wurzel. Den verholzten, knospenlosen Kern in der Mitte wirfst du weg.

  4. Frisch einpflanzen

    Setze die Teilstücke wie eine Neupflanzung an einen neuen Platz, Knospe knapp unter die Oberfläche, angießen, mulchen. Im ersten Jahr nach der Teilung wieder nicht ernten.

Pflege übers Jahr im Überblick

  • Frühjahr: Kompost geben

    Sobald die ersten Knospen treiben (etwa März), reifen Kompost und Hornspäne flach auf die Oberfläche verteilen. Nicht eingraben, die Wurzeln liegen dicht unter der Erde.

  • Blütenstände ausbrechen

    Schiebt der Horst einen dicken Blütenstiel hoch, brichst du ihn früh und tief heraus. Blüht die Pflanze aus, steckt sie ihre Kraft in Samen statt in Stangen.

  • Sommer: gleichmäßig wässern

    Rhabarber hat einen hohen Wasserbedarf. In Trockenphasen durchdringend gießen, lieber selten und viel als oft und wenig. Mulch hält die Feuchtigkeit.

  • Winter: einfach stehen lassen

    Das abgestorbene Laub schneidest du erst vor dem Austrieb im Frühjahr zurück, nicht schon im Herbst. Der Horst übersteht den Winter ohne Schutz.

Sorten und was in die Küche kommt

Grün oder rot ist keine Frage der Reife, sondern der Sorte. Grünstielige Sorten wie Rhabarber 'Goliath' sind besonders ertragreich und kräftig im Geschmack. Rotstielige und rotfleischige Sorten wie Rhabarber 'Holsteiner Blut' schmecken milder, weniger sauer und färben Kompott und Kuchen schön rosa. Wer die Wahl hat, pflanzt beides: die grüne für die Menge, die rote für die Optik.

In der Küche ist Rhabarber ein Verwandlungskünstler. Klassisch als Kompott, im Streuselkuchen, als Sirup für Sommerlimonade oder herzhaft zu Fleisch. Ein alter Trick gegen zu viel Säure: eine Prise Natron ins Kochwasser, das bindet einen Teil der Oxalsäure und spart Zucker.

Rhabarber

Rheum rhabarbarum

Familie
Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Standort
Halbschatten bis sonnig, tiefgründig, humusreich
Saison
Ernte April bis 24. Juni · KW 14 bis 26
Wasserbedarf
Hoch, gleichmäßig feucht
Frosthärte
Winterhart bis etwa minus 20 Grad

Häufige Fragen zu Rhabarber

Häufige Fragen zu Rhabarber

Warum soll man Rhabarber ziehen statt schneiden?

Beim Ziehen löst sich die Stange sauber aus der Blattscheide und hinterlässt eine trockene, schnell heilende Wunde. Ein Schnitt lässt einen Stummel in der Krone zurück, der verfaulen und Fäulnis in den Wurzelstock tragen kann. Greif die Stange dicht am Boden und zieh sie mit einer leichten Drehung zur Seite heraus.

Bis wann darf ich Rhabarber ernten?

Bis zum 24. Juni, dem Johannistag, das ist etwa KW 25 bis 26. Danach steigt der Oxalsäuregehalt an, und die Pflanze braucht die zweite Jahreshälfte, um über die Blätter Kraft im Wurzelstock zu sammeln. Wer länger erntet, schwächt den Horst und bekommt im nächsten Jahr dünnere Stangen.

Sind Rhabarberblätter giftig?

Die Blätter enthalten deutlich mehr Oxalsäure als die Stangen und sind nicht zum Verzehr geeignet. In größeren Mengen können sie Übelkeit auslösen. Iss ausschließlich die Blattstiele, niemals die Blattspreite. Auf den Kompost dürfen die Blätter aber bedenkenlos.

Wann und wie teile ich einen alten Rhabarberhorst?

Wenn die Stangen nach 8 bis 12 Jahren dünner werden und die Mitte verholzt, ist es Zeit. Grabe den Wurzelstock im Herbst (Ende September bis Oktober) oder im zeitigen Frühjahr (März) aus und teile ihn mit dem Spaten in faustgroße Stücke. Jedes Stück braucht mindestens eine kräftige Knospe. Den verholzten Kern wirfst du weg.

Kann ich schon im Pflanzjahr ernten?

Nein. Im ersten Jahr muss die Pflanze einwurzeln, deshalb lässt du alle Stangen stehen. Ab dem zweiten Jahr nimmst du behutsam die ersten, ab dem dritten Jahr kannst du normal ernten. Diese Geduld zahlt sich mit einem kräftigen, langlebigen Horst aus.

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