Kaum ein Obstbaum wird so oft falsch geschnitten wie die Sauerkirsche. Viele behandeln sie wie einen Apfelbaum und wundern sich, warum sie von Jahr zu Jahr weniger und nur noch an den Astspitzen trägt. Der Grund liegt in einer Besonderheit, die alles über den richtigen Schnitt verrät.
Die Sauerkirsche fruchtet am einjährigen Holz. Was einmal getragen hat, verkahlt und trägt nie wieder. Deshalb braucht sie keinen zaghaften Formschnitt, sondern eine beherzte Verjüngung. Verstehst du dieses Prinzip, hast du jahrzehntelang volle Ernten.
Warum die Sauerkirsche verjüngt werden will
Die Sauerkirsche (Prunus cerasus) bildet ihre Früchte an den langen, peitschenartigen Trieben, die im Vorjahr gewachsen sind. Nach der Ernte hängen diese Ruten schlaff herunter und sind auf ihrer ganzen Länge kahl, nur an der Spitze wächst neues Holz.
Lässt du das so, verlagert sich die Ernte jedes Jahr weiter nach außen und oben, während das Kroneninnere verkahlt. Deshalb schneidest du die abgetragenen Ruten zurück und lenkst die Kraft in frischen, jungen Nachwuchs. Dieses ständige Erneuern hält den Baum kompakt und ertragreich.
So verjüngst du die Sauerkirsche
Direkt nach der Ernte schneiden
Greif zur Schere, sobald die Kirschen gepflückt sind, etwa KW 27 bis 32. Der belaubte Baum verschließt die Wunden schnell, das beugt Krankheiten vor.
Abgetragene Peitschen erkennen
Such die langen Ruten, die getragen haben und jetzt kahl herabhängen. Frisches Wachstum sitzt nur noch an ihrer Spitze.
Auf jungen Trieb ableiten
Schneide die abgetragene Rute bis zu einem gut stehenden, jungen Seitentrieb zurück. Dieses Ableiten ist der eigentliche Verjüngungsschnitt: Der junge Trieb übernimmt und trägt im nächsten Jahr.
Die Krone auslichten
Nimm zu dicht stehende, sich kreuzende und nach innen wachsende Triebe heraus. Licht und Luft in der Krone trocknen das Laub ab und halten die Monilia klein.
Sauber und glatt schneiden
Nutze scharfes, sauberes Werkzeug und schneide dicht am Ansatz. Am warmen, belaubten Baum verschließen sich glatte Schnitte am besten.
Was getragen hat, verkahlt. Leite die alte Rute auf einen jungen Trieb ab, und der Baum bleibt für immer jung.
Die Kern-Regel für die Sauerkirsche
Häufige Fragen
Warum trägt meine Sauerkirsche nur noch außen?
Weil sie am einjährigen Holz fruchtet und du sie nicht verjüngt hast. Das alte Holz verkahlt, die Ernte wandert nach außen. Leite die abgetragenen Ruten auf junge Triebe ab, dann kommt der Ertrag ins Kroneninnere zurück.
Wann schneide ich die Sauerkirsche?
Direkt nach der Ernte im Hochsommer, etwa KW 27 bis 32. Der Winter ist die schlechteste Zeit, weil offene Schnittwunden dann schlecht heilen und Krankheiten eindringen.
Was bedeutet Ableiten?
Du schneidest einen langen, abgetragenen Trieb nicht einfach ab, sondern bis zu einem jüngeren Seitentrieb zurück. Dieser übernimmt die Richtung und die Tracht. So verjüngst du den Ast, ohne ein kahles Ende zu hinterlassen.
Ist die Süßkirsche genauso zu schneiden?
Nein. Die Süßkirsche trägt an mehrjährigen Bouquetzweigen und wird nur ausgelichtet, nicht so stark verjüngt. Beide schneidest du aber im Sommer nach der Ernte, nicht im Winter.
Warum nicht im Winter schneiden?
Steinobst wie die Kirsche neigt bei Winterschnitt zu Gummifluss und schlecht heilenden Wunden. Am belaubten Baum im Sommer verschließen sich die Schnitte schnell, und die Monilia hat weniger Chancen.

