Die Süßkartoffel erobert deutsche Gärten, und das völlig zu Recht: Sie ist robust, wuchsfreudig und liefert Knollen, die im eigenen Beet erstaunlich gut gedeihen. Nur eines muss man verstehen, sonst wundert man sich über fahle, staubige Knollen: Sie ist mit unserer Kartoffel nicht verwandt und will ganz anders behandelt werden.
Statt eines Nachtschattengewächses hast du hier eine wärmeliebende Winde vor dir. Das erklärt, warum sie über Stecklinge vermehrt wird und warum sie nach der Ernte noch ein Geheimnis braucht, um süß zu werden. Der Reihe nach.
Keine Kartoffel, eine Winde
Die Süßkartoffel gehört zu den Windengewächsen, genau wie die Prunkwinde im Ziergarten. Ihre herzförmigen Blätter und die langen, kriechenden Ranken verraten die Verwandtschaft sofort. Mit der Kartoffel (Solanum tuberosum) hat sie botanisch nichts zu tun.
Das hat zwei praktische Folgen. Erstens sind ihre Blätter essbar und schmecken wie mildes Blattgemüse, während Kartoffellaub giftig ist. Zweitens vermehrt sie sich nicht über Saatknollen, sondern über bewurzelte Triebe. Genau die ziehst du dir selbst.
So baust du Süßkartoffeln an
Schlips vortreiben
Leg eine Knolle ab Februar warm und hell in feuchte Erde oder halb ins Wasser. Nach einigen Wochen treibt sie Ranken, die sogenannten Schlips. Alternativ kaufst du fertige Jungpflanzen.
Triebe bewurzeln
Trenne die Triebe bei etwa 15 cm ab und stell sie ins Wasserglas. In ein bis zwei Wochen bilden sie Wurzeln und sind pflanzfertig.
Warm und spät auspflanzen
Setz die Stecklinge erst nach den Eisheiligen ins Beet, etwa KW 19 bis 22. Ein kleiner Damm mit schwarzer Mulchfolie speichert Wärme und bringt die besten Erträge.
Ranken lassen und mäßig gießen
Die Ranken breiten sich weit aus und beschatten den Boden. Gieße in Trockenphasen, aber halte die Pflanze nicht dauernass, sonst faulen die Knollen.
Vor dem Frost ernten
Grabe die Knollen vor dem ersten Frost aus, meist im Oktober (KW 40 bis 42). Geh vorsichtig zu Werke: Die dünne Schale ist empfindlich und Druckstellen faulen leicht.
Das Geheimnis der Süße: Nachreife
Frisch aus der Erde schmeckt die Süßkartoffel eher fad und mehlig. Ihre berühmte Süße bekommt sie erst durch einen letzten Schritt, den viele überspringen.
Eine Winde, kein Nachtschatten. Warm pflanzen, warm nachreifen, aber niemals kalt lagern.
Die Kern-Regel für Süßkartoffeln
Häufige Fragen
Ist die Süßkartoffel mit der Kartoffel verwandt?
Nein. Sie ist eine Winde (Ipomoea batatas), verwandt mit der Prunk- und Ackerwinde. Die Kartoffel dagegen ist ein Nachtschattengewächs. Nur der Name und die Knollenform ähneln sich.
Wie ziehe ich Stecklinge selbst?
Treib eine Knolle ab Februar warm und hell in feuchter Erde oder halb im Wasser vor. Trenne die entstehenden Triebe ab und bewurzle sie im Wasserglas. Nach ein bis zwei Wochen sind sie pflanzfertig.
Warum schmeckt meine Ernte gar nicht süß?
Weil die Nachreife fehlt. Frisch geerntet ist die Süßkartoffel mehlig. Lass sie ein bis zwei Wochen warm und feucht schwitzen, dann wandelt sich die Stärke in Zucker und sie wird süß.
Darf die Süßkartoffel in den Kühlschrank?
Nein. Unter etwa 10 Grad bekommt sie Kälteschaden, wird hart und verliert Aroma. Lagere sie trocken und kühl bei 13 bis 15 Grad, zum Beispiel in einem frostfreien Vorratsraum.
Kann ich die Blätter essen?
Ja, und das ist ein schöner Nebeneffekt. Anders als das giftige Kartoffellaub sind die jungen Süßkartoffelblätter essbar und schmecken wie mildes Blattgemüse, kurz gedünstet wie Spinat.

