Auf einen Blick
- Lavendel verkahlt ohne Schnitt. Zwei Schnitte im Jahr halten ihn dicht, kompakt und blühfreudig.
- Schneide nie in das nackte, blattlose Holz. Aus altem Holz treibt Lavendel kaum wieder aus.
- Er braucht wie Thymian und Salbei volle Sonne, mageren, kalkhaltigen und vor allem durchlässigen Boden.
- Echter Lavendel ist bei uns der winterhärteste. Schopflavendel ist hübsch, aber nicht winterhart.
- Die Blüte ist eine Spitzen-Bienenweide und getrocknet ein duftender Vorrat für den Winter.
Lavendel ist der Inbegriff des Sommers: violette Polster, die in der Mittagshitze duften und vor Hummeln summen. Und doch scheitern viele daran, dass ihr Lavendel nach ein paar Jahren auseinanderfällt, unten grau und kahl, oben ein paar spärliche Triebe. Der Grund ist fast immer derselbe, und er ist leicht zu beheben: der fehlende oder falsche Schnitt. Wer den beherrscht, hat einen dichten, langlebigen Lavendel, der Jahr für Jahr üppiger blüht.
Der Schnitt ist alles
Lavendel ist ein Halbstrauch, der von unten verholzt. Aus diesem alten, blattlosen Holz treibt er nur noch sehr widerwillig aus. Schneidest du also nie oder immer zu zaghaft, wächst der Busch nach oben davon, wird oben kopflastig und bricht mit den Jahren auseinander. Die Lösung sind zwei beherzte Schnitte pro Jahr, die ihn immer wieder in eine kompakte Kugel zwingen.
Die goldene Regel
Schneide immer nur in den grünen, belaubten Bereich, niemals tief ins nackte graue Holz. Als Orientierung: Lass über dem Verholzten stets eine Handbreit grüne Triebe mit Blättern stehen. Wer diese eine Regel befolgt, macht beim Lavendelschnitt fast nichts mehr falsch.
Frühjahrsschnitt: der Formschnitt
Im zeitigen Frühjahr, etwa KW 12 bis 16, kürzt du den ganzen Busch um etwa ein Drittel bis zur Hälfte ein und formst ihn zu einer runden Halbkugel. Das ist der wichtigere der beiden Schnitte, er legt die Form fürs ganze Jahr fest.
Immer über dem Grün bleiben
Achte beim Frühjahrsschnitt darauf, überall eine Handbreit grüne Triebe stehen zu lassen. Schneide lieber etwas weniger tief, als versehentlich ins kahle Holz zu geraten.
Sommerschnitt: nach der Blüte
Sind die Blüten im Juli oder August verblüht, schneidest du die abgeblühten Stängel samt einem kleinen Stück Grün heraus. Das hält den Busch ordentlich und regt einen zweiten, kleineren Flor an.
Nichts im Spätherbst schneiden
Verzichte auf einen kräftigen Schnitt kurz vor dem Winter. Der weiche Neuaustrieb würde ungeschützt erfrieren. Wer im Herbst schneidet, riskiert die Pflanze.
Standort und Boden: Sonne, Kalk, Drainage
Lavendel gehört zu den Mittelmeerkräutern und will genau das, was auch Thymian und Salbei mögen: den heißesten, sonnigsten Platz im Garten und einen durchlässigen, eher mageren, kalkhaltigen Boden. Staunässe ist tödlich, besonders im Winter. Auf schwerem Lehm arbeitest du vor dem Pflanzen großzügig Sand und feinen Kies ein oder pflanzt gleich auf eine kleine Erhebung.
Dünger braucht Lavendel kaum. Zu viel Stickstoff macht ihn weich, mastig und weniger winterhart. Karg ist besser als üppig.
Ein Kraut, das die Sonne trinkt
Je heißer und trockener der Platz, desto intensiver duftet der Lavendel. Die ätherischen Öle sind sein Schutz gegen die pralle Sonne.
An einem halbschattigen, feuchten Standort wird er dagegen mickrig, blüht spärlich und duftet kaum. Gib ihm den Platz, an dem sonst nichts so recht gedeihen will.
Lavandula angustifolia
- Familie
- Lippenblütler
- Standort
- Vollsonnig, heiß, durchlässig und kalkhaltig
- Saison
- Pflanzen KW 16 bis 22, Schnitt KW 12 bis 16 und nach der Blüte
- Wasserbedarf
- Sehr gering, verträgt Trockenheit hervorragend
- Frosthärte
- Echter Lavendel winterhart bis etwa minus 15 Grad
Pflanzen
Setze Lavendel am besten im Frühjahr, wenn kein starker Frost mehr kommt, etwa ab KW 16. So hat er den ganzen Sommer, um einzuwurzeln, bevor der erste Winter kommt. Für eine kleine Hecke oder Einfassung planst du 30 bis 40 cm Abstand ein. Gieße frisch Gepflanztes im ersten Sommer regelmäßig an, danach kommt eingewachsener Lavendel fast ohne zusätzliches Wasser aus.
Vermehren ist einfach über Stecklinge: Halbreife, nicht blühende Triebe im Sommer geschnitten und in sandiges Substrat gesteckt, bewurzeln zuverlässig.
Blüte, Bienen und Ernte
Die violetten Blütenähren erscheinen je nach Sorte von Juni bis August und sind eine der besten Bienenweiden überhaupt. Willst du Lavendel trocknen, erntest du ihn, wenn die unteren Blüten der Ähre gerade geöffnet sind, an einem trockenen Vormittag. Dann bündelst du die Stängel und hängst sie kopfüber an einen luftigen, schattigen Ort. So behalten Farbe und Duft am meisten.
Duft, der den ganzen Garten verwandelt
Ein blühender Lavendel spricht mehrere Sinne gleichzeitig an: die violette Farbe, der harzige Duft, das Summen der Insekten.
Pflanze ihn an einen Weg oder eine Sitzecke, wo du im Vorbeigehen mit der Hand über die Blüten streichst. Dann gibt er dir bei jeder Begegnung etwas zurück.
Lavendel braucht magere Erde und einen reichen Himmel voller Sonne.
Provenzalische Weisheit
Sorten: welcher Lavendel für welchen Zweck
Die wichtigsten Lavendel-Arten
- Echter Lavendel
Lavandula angustifolia, kompakt, intensiv duftend und der winterhärteste. Die richtige Wahl für unsere Gärten.
- Lavandin
Lavandula × intermedia wird größer und blüht üppig, ist aber etwas frostempfindlicher. Der Lavendel der großen provenzalischen Felder.
- Schopflavendel
Lavandula stoechas mit den auffälligen Hochblättern über der Blüte. Hübsch, aber nicht winterhart, bei uns eher Kübelpflanze.
- Kompakte Sorten
Formen wie 'Hidcote' und 'Munstead' bleiben klein und dunkelblau und eignen sich gut für niedrige Einfassungen und Töpfe.
Überwintern
Echter Lavendel ist bei uns ausreichend winterhart und übersteht Fröste bis etwa minus 15 Grad. Wichtiger als jeder Schutz ist auch hier die Drainage: Der häufigste Grund für Ausfälle ist nicht Kälte, sondern nasse Füße im Winter. In rauen Lagen und bei Kahlfrost hilft etwas Reisig über der Basis. Im Topf ist der Ballen frostgefährdet, dort stellst du das Gefäß an die Hauswand und packst es in Vlies. Schopflavendel überwintert bei uns am besten frostfrei, hell und kühl im Haus.
Verwenden
Getrockneter Lavendel duftet monatelang und hält in kleinen Säckchen Motten aus dem Kleiderschrank fern. In der Küche verwendest du echten Lavendel sehr sparsam, ein paar Blüten aromatisieren Zucker, Kekse oder ein Kräutersalz, zu viel schmeckt schnell seifig. Die Blüten sind außerdem ein hübscher, essbarer Streu über Desserts.
Trag die beiden Schnitttermine als wiederkehrende Aufgaben in dein Gartentagebuch ein, den Formschnitt im Frühjahr und den Rückschnitt nach der Blüte. Mit diesen zwei Terminen begleitet dich derselbe Lavendel viele Sommer lang, dicht und duftend statt kahl und vergreist.
Häufige Fragen zum Lavendel
Wann und wie schneide ich Lavendel richtig?
Zweimal im Jahr: im Frühjahr, etwa KW 12 bis 16, einen kräftigen Formschnitt um ein Drittel bis zur Hälfte in die runde Kugelform, und nach der Blüte im Sommer einen leichteren Rückschnitt der abgeblühten Stängel. Immer nur ins grüne Laub schneiden, nie ins kahle Holz.
Mein Lavendel ist unten verholzt und kahl, was tun?
Aus altem Holz treibt Lavendel kaum aus, ein stark verkahlter Busch lässt sich selten voll retten. Versuche einen vorsichtigen Rückschnitt bis knapp über die untersten grünen Triebe, oft treibt er dort noch aus. Zur Sicherheit ziehst du parallel aus Stecklingen einen Nachfolger.
Welcher Lavendel ist winterhart?
Der Echte Lavendel Lavandula angustifolia ist bei uns am winterhärtesten und übersteht etwa minus 15 Grad. Schopflavendel dagegen ist nicht winterhart und wird am besten frostfrei überwintert.
Warum blüht mein Lavendel nicht richtig?
Meist fehlt Sonne, der Boden ist zu nass oder zu nährstoffreich, oder es fehlt der Schnitt. Lavendel braucht den heißesten, durchlässigsten Platz, wenig Wasser, kaum Dünger und den jährlichen Formschnitt, um dicht und blühfreudig zu bleiben.
Kann ich Lavendel im Topf halten?
Ja, gut sogar, solange der Standort vollsonnig ist und das Gefäß ein Abzugsloch hat. Nimm durchlässige, sandige Erde, gieße sparsam und stelle den Topf im Winter geschützt an die Hauswand mit Vliesmantel.
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