Frisch vom eigenen Beet ist Zuckermais eine Offenbarung: süß, saftig und meilenweit entfernt von der Dose. Der Anbau ist einfach, wenn du eine einzige Besonderheit verstehst, die viele Gärtner zu spät lernen. Mais bestäubt sich über den Wind, und das ändert alles daran, wie du ihn pflanzt.
Wer Mais in eine hübsche einzelne Reihe setzt, erntet oft enttäuschend lückige Kolben mit halb leeren Spitzen. Wer ihn im Block pflanzt, erntet volle, saftige Kolben. Genau darum geht es zuerst.
Warum du Mais im Block pflanzt
Mais trägt zwei getrennte Blüten. Oben an der Spitze sitzt die männliche Fahne, die den Pollen wie feinen Staub freigibt. Weiter unten sitzt der Kolben, aus dem die feinen Narbenfäden heraushängen. Jeder einzelne Faden führt zu genau einem Korn und muss ein Pollenkorn abbekommen, damit dieses Korn sich füllt.
Der Pollen fliegt aber nicht weit, er fällt einfach nach unten und zur Seite. In einer einzelnen Reihe weht er ins Leere. Stehen die Pflanzen dagegen in einem kompakten Block dicht beieinander, rieselt der Pollen zuverlässig auf die Nachbarkolben. Deshalb die Faustregel: lieber ein Quadrat aus vier mal vier Pflanzen als eine lange Linie.
So baust du Zuckermais an
Warm starten
Mais keimt erst bei warmem Boden. Säe direkt ab Mitte Mai nach den Eisheiligen, oder ziehe ab Ende April in Töpfen vor. Vorgezogene Pflanzen bringen dir zwei bis drei Wochen Vorsprung.
Im Block auspflanzen
Setz die Pflanzen im Abstand von etwa 40 cm in ein quadratisches Beet, mindestens vier mal vier Stück. So klappt die Windbestäubung. Zeitraum: etwa KW 18 bis 22.
Stickstoff geben
Mais ist ein hungriger Starkzehrer. Arbeite reifen Kompost ein und dünge zur Blüte organisch nach. Hellgrüne, blasse Blätter sind ein Hungerzeichen.
Zur Blüte gut wässern
Wenn Fahne und Narbenfäden erscheinen, entscheidet Wasser über die Füllung der Kolben. Halte den Boden in dieser Zeit gleichmäßig feucht.
In der Milchreife ernten
Sind die Narbenfäden braun und trocken, mach die Nagelprobe: Drückst du ein Korn auf und der Saft ist milchig, ist der Kolben reif. Klarer Saft heißt zu früh, teigiger zu spät.
Ein häufiger Fehler steckt in der Sortenwahl direkt neben dem Beet. Verschiedene Maistypen können sich über den Wind kreuzen, und das schmeckst du sofort.
Mais im Block, nicht in der Reihe. Der Wind erledigt den Rest, wenn die Pflanzen eng beieinander stehen.
Die Kern-Regel für volle Kolben
Mais, Bohne und Kürbis: die Drei Schwestern
Mais lässt sich wunderbar mit anderen Kulturen kombinieren. Die bekannteste ist die uralte Milpa oder Drei-Schwestern-Pflanzung.
Der Mais gibt den Stangenbohnen Halt zum Klettern. Die Bohnen sammeln Stickstoff und düngen damit den hungrigen Mais. Der Kürbis beschattet mit seinen großen Blättern den Boden, hält ihn feucht und drängt Unkraut zurück. Drei Kulturen auf einer Fläche, die sich gegenseitig helfen.
Häufige Fragen
Wie viele Maispflanzen brauche ich mindestens?
Für eine verlässliche Bestäubung mindestens sechzehn Pflanzen in einem Block von vier mal vier. Weniger geht, dann werden die Kolben aber oft nur teilweise gefüllt. Mehr ist besser.
Warum sind meine Kolben an der Spitze leer?
Das ist fast immer schlechte Bestäubung, oft weil der Mais zu einzeln stand oder es zur Blüte zu trocken war. Jeder leere Platz ist ein Korn, dessen Narbenfaden keinen Pollen abbekommen hat.
Kann ich per Hand nachhelfen?
Ja. Schüttle an einem trockenen Vormittag die Fahnen, sodass der Pollen auf die Narbenfäden der Nachbarn fällt. Oder streif Pollen in eine Tüte und bestäube die Fäden damit gezielt.
Warum schmeckt gekaufter Mais oft fad?
Weil sich der Zucker nach der Ernte rasch in Stärke umwandelt. Selbst geernteter Mais, der noch am selben Tag im Topf landet, ist deutlich süßer. Supersüße Sorten halten die Süße etwas länger.

