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Magazin4. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit

Blütenendfäule: kein Pilz, sondern ein Wasserproblem

Der dunkle Fleck am unteren Ende der Tomate ist keine Krankheit, sondern Kalziummangel durch schwankendes Gießen. Woran du die Blütenendfäule sicher erkennst, warum Kalk streuen selten hilft und wie du ihr mit gleichmäßigem Wässern und Mulch zuverlässig vorbeugst.

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Viele rote Tomaten mit dunklen eingesunkenen Flecken am Blütenende
Blütenendfäule: der dunkle, eingesunkene Fleck sitzt immer am Blütenende, unten an der Frucht · Foto: Fructibus, CC0
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Die erste reife Tomate hängt am Strauch, doch unten sitzt ein hässlicher schwarzer Fleck. Viele denken sofort an Fäulnis oder einen Pilz und greifen zur Spritze. Doch hier hilft kein Fungizid, denn die Blütenendfäule ist gar keine Krankheit.

Sie ist ein Hilferuf der Pflanze. Der Frucht fehlt an einer entscheidenden Stelle Kalzium, und schuld ist fast immer der Wasserhaushalt. Verstehst du diesen Zusammenhang, behebst du die Ursache mit der Gießkanne statt mit Chemie, und die nächsten Früchte bleiben gesund.

Viele rote Tomaten mit dunklen eingesunkenen Flecken am Blütenende
Der Fleck sitzt immer am Blütenende, unten · Foto: Fructibus, CC0

Keine Krankheit, ein Versorgungsproblem

Anders als bei einem echten Pilzbefall steckt hinter der Blütenendfäule kein Erreger, den man bekämpfen könnte. Die Frucht wächst am Blütenende am schnellsten, und genau dorthin muss die Pflanze laufend Kalzium liefern. Kalzium aber wandert nur mit dem Wasserstrom durch die Pflanze. Stockt der Nachschub, bekommt die Fruchtspitze zu wenig, das Gewebe stirbt ab und sinkt ein.

Das Tückische: Meist ist genug Kalzium im Boden. Das Problem ist nicht der Vorrat, sondern der Transport. Deshalb bringt es nichts, einfach Kalk ins Beet zu kippen. Der eigentliche Schlüssel liegt beim Wasser.

So erkennst du die Blütenendfäule

Die Blütenendfäule hat ein sehr eindeutiges Erscheinungsbild, das sie von echten Krankheiten unterscheidet.

Die verräterischen Merkmale

  • Immer am Blütenende

    Der Fleck sitzt stets unten an der Frucht, gegenüber dem Stiel. Das ist das sicherste Zeichen. Sitzt der Fleck woanders, ist es etwas anderes.

  • Ledrig und eingesunken

    Die Stelle ist trocken, hart, ledrig und braun bis schwarz, nicht weich und matschig. Sie fühlt sich fest an, als wäre sie eingetrocknet.

  • Wächst mit der Frucht

    Zuerst erscheint ein kleiner wässriger Punkt, der sich mit der reifenden Frucht zu einem großen, flachen Fleck ausweitet.

  • Nicht mit Braunfäule verwechseln

    Die Kraut- und Braunfäule ist ein Pilz und macht Flecken überall an Frucht und Blatt. Die Blütenendfäule sitzt dagegen nur am Blütenende und ist keine ansteckende Krankheit.

Nahaufnahme einer Tomate mit brauner, lederartig eingesunkener Blütenendfäule
Aus der Nähe erkennst du es gut: Die befallene Zone ist trocken, ledrig und hart, nicht faulig-weich.· Foto: Siltloam, Public domain

Woher sie kommt: Wasser und Kalzium

Die Ursachenkette ist immer ähnlich. Trocknet der Boden aus und wird dann wieder durchdringend gewässert, kommt der Kalziumtransport ins Stocken, während die Frucht weiterwächst. Besonders im Topf passiert das schnell, weil das kleine Erdvolumen rasch austrocknet.

Auch zu viel Stickstoff spielt mit: Er treibt ein üppiges Blattwachstum, das der Frucht das Wasser und damit das Kalzium streitig macht. Und ein Überschuss an Kalium oder Magnesium, etwa durch zu viel Dünger, blockiert die Kalziumaufnahme zusätzlich. Am Ende steht immer dasselbe Bild: zu wenig Kalzium an der Fruchtspitze.

So beugst du vor

  1. Gleichmäßig gießen

    Das A und O. Halte den Boden gleichmäßig feucht, ohne Wechsel aus Staubtrocken und Überschwemmung. Lieber öfter maßvoll als selten viel.

  2. Mulchen

    Eine Mulchschicht aus Stroh, Rasenschnitt oder Laub hält die Feuchtigkeit im Boden und puffert Schwankungen ab. Sie ist die einfachste Versicherung gegen die Blütenendfäule.

  3. Töpfe besonders im Blick behalten

    Kübelpflanzen trocknen am schnellsten aus. Nimm ein ausreichend großes Gefäß, prüfe die Erde täglich und gieße im Hochsommer notfalls zweimal. Mehr dazu in Tomaten im Topf und auf dem Balkon.

  4. Maßvoll düngen

    Vermeide einen Stickstoffüberschuss und überdünge nicht mit Kali. Ein ausgewogener Tomatendünger reicht. Zu viel des Guten fördert die Störung eher, als dass es hilft.

  5. Befallene Früchte entfernen

    Nimm betroffene Früchte ab, sie erholen sich nicht mehr. So steckt die Pflanze ihre Kraft in die nächsten, gesunden Früchte, sobald die Wasserversorgung wieder stimmt.

Kein Pilz, kein Spritzmittel. Blütenendfäule ist ein Wasserproblem, und die Lösung steht in der Gießkanne.

Die Kern-Regel gegen die Blütenendfäule

Häufige Fragen

Ist Blütenendfäule ansteckend?

Nein. Es ist keine Krankheit und kein Erreger, sondern eine Versorgungsstörung der einzelnen Frucht. Sie springt nicht auf andere Pflanzen über. Sobald die Wasserversorgung wieder gleichmäßig ist, bleiben die neuen Früchte gesund.

Kann ich Tomaten mit Blütenendfäule noch essen?

Ja, wenn du die harte, braune Stelle großzügig herausschneidest. Der Rest der Frucht ist unbedenklich. Nur bei bereits weicher Nachfäule oder Schimmel gehört die ganze Frucht weg.

Hilft es, Kalk oder Eierschalen zu geben?

Meist nicht. In den allermeisten Böden ist genug Kalzium vorhanden, es kommt nur wegen des schwankenden Wassers nicht an der Fruchtspitze an. Statt Kalk zu streuen, solltest du gleichmäßiger gießen und mulchen.

Warum trifft es meine Topftomaten stärker?

Weil Töpfe schnell austrocknen und dann oft schlagartig durchgewässert werden. Genau dieser Wechsel löst die Blütenendfäule aus. Ein großes Gefäß, tägliche Kontrolle und Mulch im Topf beugen zuverlässig vor.

Sind manche Sorten anfälliger?

Ja. Längliche Flaschen- und Paprikatomaten sowie viele Fleischtomaten neigen stärker dazu als kleine Cocktailtomaten. Auch Paprika und Zucchini können betroffen sein. Bei anfälligen Sorten ist gleichmäßiges Gießen umso wichtiger.

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