Auf einen Blick
- Melonen sind Starkzehrer und lieben Wärme. Unter 5 °C nehmen sie Schaden, darum starten sie bei uns erst nach den Eisheiligen ins Freie.
- Anzucht im Warmen ab Mitte April · KW 16 bis 18, auspflanzen ab Mitte Mai · KW 20, Ernte meist im August und September.
- Ein Gewächshaus oder Folientunnel macht in vielen Regionen den Unterschied zwischen grünen Kugeln und süßen Früchten.
- Zuckermelonen lösen sich reif von selbst vom Stiel, Wassermelonen erkennst du am hohlen Klopfton und der vertrockneten Ranke.
- Pro Pflanze reichen zwei bis vier Früchte. Weniger Ansatz bedeutet mehr Zucker in jeder einzelnen Melone.
Melonen im eigenen Garten klingen nach Südfrankreich, nach Hitze und langen Sommern. Und lange galten sie bei uns als Sache für Profis mit beheiztem Gewächshaus. Das hat sich geändert. Die Sommer sind wärmer geworden, die Zuchtsorten früher, und mit ein bisschen Vorsprung bei der Anzucht bekommst du selbst in einem Berliner Kleingarten oder auf einer sonnigen Terrasse eigene, warm geerntete Melonen. Sie schmecken anders als die aus dem Supermarkt: dichter, aromatischer, weil sie ausreifen dürfen statt grün um die halbe Welt zu reisen.
Warum Melonen Wärmegärtner brauchen
Melonen gehören zu den Kürbisgewächsen, genau wie Gurke, Zucchini und Kürbis. Und wie ihre Verwandtschaft sind sie durch und durch frostempfindlich. Schon Temperaturen um 5 °C bremsen das Wachstum, echter Frost bedeutet das Ende. Ihr eigentlicher Motor ist Wärme: Erst ab etwa 18 °C Bodentemperatur legen die Wurzeln richtig los, und für süße Früchte brauchen sie über Wochen viel Sonne und warme Nächte.
Das ist der Grund, warum du Melonen nicht einfach im April ins Beet säst. Sie brauchen einen Vorsprung im Warmen und danach den wärmsten, geschütztesten Platz, den dein Garten zu bieten hat. Eine Hauswand nach Süden, ein Gewächshaus, ein Folientunnel oder ein warmer Kübel auf dem Balkon sind ideal. Je kühler und rauer deine Lage, desto wichtiger wird die Kultur unter Glas oder Folie.
Cucumis melo
- Familie
- Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
- Standort
- Vollsonne, warm, windgeschützt
- Saison
- Anzucht KW 16 bis 18 · Ernte August bis September
- Wasserbedarf
- gleichmäßig feucht, in der Reife zurücknehmen
- Frosthärte
- frostempfindlich, Schäden schon unter 5 °C
Zuckermelone oder Wassermelone
Im Alltag werfen wir alles in einen Topf, botanisch sind es zwei verschiedene Pflanzen. Die Zuckermelone (Cucumis melo), zu der Cantaloupe, Charentais und die glatte Honigmelone gehören, ist mit der Gurke näher verwandt und in unserem Klima die dankbarere Wahl. Ihre Früchte bleiben handlich, reifen schneller und verzeihen einen kühleren Sommer eher.
Die Wassermelone (Citrullus lanatus) stammt aus dem südlichen Afrika und ist noch wärmehungriger. Sie braucht mehr Platz, mehr Zeit und wirklich heiße Wochen, um die großen Früchte süß zu bekommen. Im Freiland gelingt sie bei uns nur in sehr guten Sommern, im Gewächshaus mit frühen Sorten dagegen erstaunlich zuverlässig.
- Zuckermelone: der sichere Einstieg
Früchte von 0,8 bis 2 kg, Reife nach rund 80 bis 100 Tagen. Cantaloupe- und Charentais-Typen gelingen im Tunnel oder an der warmen Wand. Empfehlenswert für das erste Melonenjahr.
- Wassermelone: die Sonnenanbeterin
Braucht die längste, heißeste Saison und viel Platz. Frühe, kleinfruchtige Sorten unter Glas sind der beste Weg zu gelingender Ernte in kühleren Regionen.
- Platz und Standort
Beide ranken kräftig. Rechne im Beet mit rund einem Quadratmeter je Pflanze, oder ziehe sie an einer Schnur in die Höhe, um Platz zu sparen.
- Kübel und Balkon
Ein Gefäß ab 20 Litern, dunkel und in der prallen Sonne, funktioniert für eine Zuckermelone mit zwei bis drei Früchten gut. Regelmäßig gießen ist hier Pflicht.
Anzucht: der Vorsprung entscheidet
Melonen brauchen einen warmen Start im Haus, weil die Saison bei uns sonst zu kurz ist. Säh sie nicht zu früh: Aus einer im März gezogenen Pflanze wird bis zum Auspflanztermin ein vergeilter, wurzelgebundener Stress-Sämling. Mitte bis Ende April · KW 16 bis 18 ist für die meisten Regionen der richtige Moment.
Aussaat ins Warme
Einzeln in Töpfe von 8 bis 10 cm, das Korn etwa 1 cm tief und hochkant stecken. Bei 24 bis 28 °C keimen Melonen in wenigen Tagen. Eine warme Fensterbank über der Heizung oder ein Zimmergewächshaus mit Heizmatte ist ideal.
Hell und warm weiterziehen
Nach dem Keimen kühler stellen, aber nie unter 18 °C, und so hell wie möglich. Zu dunkel gezogene Pflanzen werden lang und schwach.
Abhärten vor dem Auspflanzen
Rund eine Woche vor dem Umzug ins Freie die Jungpflanzen stundenweise nach draußen stellen, damit sie sich an Sonne und Wind gewöhnen. Wie das Schritt für Schritt geht, steht im Beitrag zum Abhärten von Jungpflanzen.
Auspflanzen nach den Eisheiligen
Ins Freie erst ab Mitte Mai · KW 20, wenn keine Nachtfröste mehr drohen. Im Gewächshaus oder Tunnel geht es ein bis zwei Wochen früher.
Der einfachste Trick für mehr Wärme heißt Folie. Ein niedriger Folientunnel über der Reihe oder ein Vlies in den ersten Wochen hebt die Temperatur um mehrere Grad und schützt gleichzeitig vor kaltem Wind. Sobald die Pflanzen blühen, muss der Tunnel tagsüber offen sein, damit Insekten an die Blüten kommen. In einem kühlen Frühsommer entscheidet oft genau dieser Wärmevorsprung darüber, ob die Früchte noch ausreifen.
Ein später Kälteeinbruch im Mai ist kein Drama, wenn du vorbereitet bist. Halte Vlies bereit und decke die frisch gepflanzten Melonen über kühle Nächte ab. Zurücknehmen kannst du den Schutz jederzeit, ein verlorener Sämling dagegen kostet dich Wochen.
Pflanzen, ranken und gießen
Melonen sind Starkzehrer. Ein Pflanzloch, gefüllt mit reifem Kompost oder gut verrottetem Mist, gibt ihnen die Grundlage für die kräftige Rankenbildung. Pflanze etwas erhaben auf einem kleinen Hügel, dann steht der empfindliche Wurzelhals nie im Nassen und Stockfäule hat weniger Chancen.
Beim Gießen gilt: gleichmäßig und immer an die Wurzel, nie über die Blätter. Nasse Blätter sind die Einladung für Mehltau. In der Wachstumsphase brauchen die Pflanzen viel Wasser, doch sobald die Früchte ihre Endgröße erreichen und zu reifen beginnen, nimmst du das Gießen bewusst zurück. Etwas Trockenstress in den letzten zwei bis drei Wochen konzentriert den Zucker in der Frucht. Zu viel Wasser kurz vor der Ernte macht sie wässrig und fad.
Wer alle Früchte an der Pflanze lässt, erntet viele mittelmäßige. Wer zurückschneidet, erntet wenige richtig gute.
Gärtnerweisheit
Ziehst du die Zuckermelone in die Höhe, etwa an einer Schnur im Gewächshaus, spart das Platz und die Früchte bleiben sauber und gut belüftet. Schwere Früchte brauchen dann ein Netz oder einen alten Nylonstrumpf als Hängematte, sonst reißen sie unter ihrem Gewicht ab. Am Boden gezogene Melonen legst du am besten auf ein Brett, eine Ziegelplatte oder etwas Stroh, damit sie nicht auf der feuchten Erde faulen.
Blüten, Bestäubung und der richtige Fruchtansatz
Melonen tragen getrennte männliche und weibliche Blüten an derselben Pflanze. Die weiblichen erkennst du am kleinen Fruchtansatz, einer winzigen Melone direkt hinter der Blüte. Damit daraus etwas wird, muss Pollen von den männlichen zu den weiblichen Blüten wandern, und das erledigen im Normalfall Bienen und Hummeln.
Im geschlossenen Gewächshaus fehlen die Bestäuber oft. Dann hilfst du am besten selbst nach: Zupfe an einem trockenen, sonnigen Vormittag eine offene männliche Blüte, entferne die Blütenblätter und tupfe den Pollen direkt in mehrere weibliche Blüten. Klingt fummelig, dauert aber nur Minuten und entscheidet über deine Ernte. Setzt eine Frucht erst einmal an und wächst sichtbar, ist die Bestäubung geglückt.
Sobald zwei bis vier Früchte je Pflanze gut angesetzt haben, darfst du konsequent sein: Kneife weitere Fruchtansätze und die Triebspitzen aus. Die Pflanze steckt ihre ganze Kraft dann in die verbliebenen Melonen, und die werden deutlich größer und süßer. Lässt du alles hängen, was ansetzt, bekommst du am Ende viele kleine, wenig aromatische Kugeln, die vielleicht gar nicht mehr rechtzeitig reif werden.
Der Klopftest: wann ist die Melone reif
Die große Frage jedes Melonenjahrs. Anders als beim Apfel reift eine geerntete Melone nicht mehr richtig nach, darum lohnt sich das Warten auf den richtigen Moment. Die gute Nachricht: Beide Melonenarten geben dir deutliche Signale.
Bei der Zuckermelone ist der Duft der beste Verbündete. Eine reife Cantaloupe oder Charentais riecht am Blütenende intensiv süß und blumig. Dazu kommt die sogenannte Ablösung: Reif lösen sich viele Zuckermelonen fast von selbst vom Stiel, ein kleiner Riss ringsum zeigt sich, und ein leichter Druck genügt. Auch die Grundfarbe wechselt von grünlich zu cremig oder gelblich.
Bei der Wassermelone hilft der klassische Klopftest. Klopfst du mit den Fingerknöcheln auf eine reife Frucht, klingt sie tief und hohl, fast wie eine gedämpfte Trommel. Eine unreife Melone klingt hell und hart. Zwei weitere sichere Zeichen: Die kleine Ranke direkt am Fruchtstiel ist vertrocknet und braun, und der Bodenfleck, auf dem die Melone lag, hat sich von weiß zu cremig-gelb verfärbt.
Notiere dir das Datum der Bestäubung oder hänge ein kleines Schild an die Ranke. Die meisten Sorten brauchen ab dem Fruchtansatz etwa 35 bis 45 Tage bis zur Reife. Zusammen mit Klopfton, Duft und vertrockneter Ranke triffst du den Erntezeitpunkt dann fast immer.
Wenn es doch mal klemmt
Melonen sind robust, wenn Wärme und Wasser stimmen. Die häufigsten Probleme hängen fast alle mit Kälte oder Nässe zusammen. Gelbe, stehenbleibende Pflanzen im Frühsommer leiden meist schlicht unter zu kühlen Nächten, hier hilft nur Geduld und Wärmeschutz. Fault eine junge Frucht am Ende schwarz weg, war die Bestäubung unvollständig, und die Pflanze stößt den Ansatz ab. Das ist normal, solange genug andere Früchte sitzen.
Echter Mehltau, ein weißer, mehliger Belag auf den Blättern, ist der häufigste ernste Gegner der Melone, besonders im Gewächshaus bei schwüler Luft. Gieße nur an die Wurzel, sorge für Luftbewegung und entferne befallene Blätter früh. Stehende Nässe am Wurzelhals führt zu Stockfäule, die eine ganze Pflanze kippen lassen kann. Beuge beidem mit dem Pflanzhügel und trockenem Laub unter den Früchten vor.
Ein guter letzter Ratschlag fürs erste Melonenjahr: Fang klein an. Zwei, drei Zuckermelonen an der warmen Wand oder im Tunnel bringen dir mehr Erfolgserlebnis als ein halbes Beet voller Wassermelonen, das im kühlen August grün bleibt. Ist das erste eigene, sonnenwarme Stück einmal geschnitten, weißt du, warum sich der Aufwand lohnt.
Häufige Fragen zu Melonen im Garten
Kann ich Melonen bei uns im Freiland ohne Gewächshaus anbauen?
Zuckermelonen ja, in einem normalen bis warmen Sommer an einem vollsonnigen, windgeschützten Platz, gern an einer Südwand und mit Folientunnel im Frühjahr. Wassermelonen brauchen mehr Wärme und gelingen im Freiland nur in sehr guten Sommern zuverlässig. Im kühleren Norden oder in Höhenlagen ist ein Gewächshaus oder Tunnel fast immer die bessere Wahl.
Wann säh ich Melonen aus und wann pflanze ich sie ins Beet?
Ausgesät wird im Warmen ab Mitte April · KW 16 bis 18, nicht früher, sonst werden die Jungpflanzen zu groß und schwach. Ins Freie kommen sie erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai · KW 20, wenn keine Nachtfröste mehr drohen. Im Gewächshaus darfst du ein bis zwei Wochen früher pflanzen.
Woran erkenne ich, dass eine Melone reif ist?
Die Zuckermelone riecht am Blütenende deutlich süß und löst sich reif fast von selbst vom Stiel, oft mit einem kleinen Riss ringsum. Die Wassermelone klingt beim Klopfen tief und hohl, die Ranke am Stiel ist vertrocknet und der Bodenfleck cremig-gelb. Geerntete Melonen reifen kaum nach, darum lohnt sich das Warten auf diese Zeichen.
Wie viele Früchte trägt eine Melonenpflanze?
Sinnvoll sind zwei bis vier Früchte je Pflanze. Technisch setzt sie mehr an, doch dann bleiben alle klein und wenig süß. Wenn zwei bis vier Melonen gut angewachsen sind, kneifst du weitere Ansätze und die Triebspitzen aus, damit die Pflanze ihre Kraft bündelt.
Muss ich Melonen im Gewächshaus von Hand bestäuben?
Oft ja. Im geschlossenen Gewächshaus fehlen Bienen und Hummeln. Tupfe an einem trockenen Vormittag mit einer offenen männlichen Blüte den Pollen in mehrere weibliche Blüten, erkennbar am kleinen Fruchtansatz dahinter. Steht das Haus tagsüber offen und Insekten kommen herein, erledigt sich die Bestäubung meist von selbst.
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