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Magazin4. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Johannisbeeren: rot, weiß und schwarz richtig anbauen und schneiden

Rote, weiße und schwarze Johannisbeeren sind pflegeleicht, robust und tragen reich. Nur beim Schnitt gehen rote und schwarze getrennte Wege. Wir zeigen dir, was jede Farbe braucht.

Das Gartenkern-Team
Garten & Redaktion
Leuchtend rote, durchscheinende Johannisbeeren in Trauben an einem sonnigen Strauch
Leuchtend rot und durchscheinend: die klassische rote Johannisbeere. · Foto: Нацку, CC BY-SA 3.0
Inhalt

Kaum eine Beere gehört so selbstverständlich in den deutschen Garten wie die Johannisbeere. Sie ist robust, wird sehr alt und trägt Jahr für Jahr reich, fast ohne dass man etwas tun muss. Und doch lohnt der zweite Blick, denn hinter dem vertrauten Namen stecken drei recht unterschiedliche Beeren, und eine davon will anders geschnitten werden als die anderen.

Drei Beeren in einer Familie

Rote und weiße Johannisbeeren sind botanisch dieselbe Art (Ribes rubrum), die weiße ist eine Farbvariante der roten. Die schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) ist eine eigene Art mit ganz eigenem, kräftigem Aroma.

Trauben reifer roter Johannisbeeren
Rot: frisch-säuerlich.· Foto: Angela Huster, CC0
Trauben durchscheinend weiß-gelblicher Johannisbeeren am Strauch
Weiß: mild und süß.· Foto: Rasbak, CC BY-SA 3.0
Nahaufnahme reifer, glänzend schwarzer Johannisbeeren am Zweig
Schwarz: kräftig und herb.· Foto: Rhetos, CC0

Die rote schmeckt frisch-säuerlich und ist der Klassiker für Gelee, Saft und Kuchen. Die weiße ist milder und süßer, ideal zum Naschen für alle, denen Rot zu sauer ist. Die schwarze ist die kräftigste und herbste, unverwechselbar im Geschmack (die Grundlage von Cassis) und besonders reich an Vitamin C. Alle drei sind gesund, robust und viele Jahre lang treue Ertragslieferanten.

Anspruchslos beim Standort

Johannisbeeren sind unkompliziert. Ein normaler, humoser und gleichmäßig feuchter Gartenboden genügt ihnen, saures Spezialsubstrat wie bei der Heidelbeere brauchen sie nicht. Rote und weiße stehen gern sonnig, die schwarze verträgt sogar Halbschatten. Eine Mulchschicht aus Kompost oder Laub hält den Boden feucht und versorgt die flachen Wurzeln.

Gepflanzt wird im Herbst oder zeitigen Frühjahr, mit etwa 1,5 m Abstand. Für kleine Gärten gibt es Johannisbeeren auch als Hochstämmchen, das spart Platz und macht die Ernte rückenschonend.

Der Schnitt: rot und weiß anders als schwarz

Hier liegt der eine Punkt, der über eine gute oder magere Ernte entscheidet. Denn rote und schwarze Johannisbeeren tragen an unterschiedlichem Holz.

Bei der roten und weißen Johannisbeere ziehst du einen lockeren Strauch aus acht bis zwölf Haupttrieben verschiedenen Alters. Im Winter oder nach der Ernte (etwa KW 6 bis 9) nimmst du nur die ältesten, dunklen Triebe bodennah heraus und lässt einige kräftige junge nachrücken. Mehr braucht es nicht.

Die schwarze Johannisbeere schneidest du beherzter:

  1. Ab dem dritten Jahr beginnen

    Die ersten beiden Jahre lässt du den Strauch aufbauen. Danach wird jährlich geschnitten.

  2. Ein Drittel der Ältesten entfernen

    Nimm jedes Jahr etwa ein Drittel der ältesten, dunklen Triebe komplett bodennah heraus.

  3. Junges Holz stehen lassen

    Die kräftigen einjährigen Triebe bleiben, denn sie tragen im nächsten Jahr die meisten Beeren.

  4. Luftig halten

    Ziel ist ein Strauch, der sich alle drei bis vier Jahre komplett verjüngt und immer neues Fruchtholz nachschiebt.

Wer den Unterschied zwischen rotem und schwarzem Holz einmal verstanden hat, erntet bei beiden Farben Jahr für Jahr voll.

Ernten mit dem richtigen Timing

Von Ende Juni bis August ist Erntezeit. Ein häufiger Fehler: zu früh pflücken. Rote und weiße Johannisbeeren sind erst richtig süß, wenn sie einige Tage nach dem Ausfärben durchgereift sind. Ernte sie ganze Traube für ganze Traube (Rispe), dann bleiben die zarten Beeren heil. Die schwarze pflückst du einzeln oder rispenweise, je nachdem wie gleichmäßig sie reift.

Vermehren und gesund halten

Johannisbeeren lassen sich, wie ihre Verwandte die Jostabeere, kinderleicht über Steckhölzer vermehren.

Krankheiten und Schädlinge bleiben meist im Rahmen. Am ehesten begegnet dir die Johannisbeergallmilbe, vor allem an schwarzen Sorten: Sie lässt einzelne Knospen im Winter auffällig dick und rund anschwellen. Solche Knospen brichst du aus und entsorgst sie über den Restmüll. Rote Blasen auf den Blättern der roten Johannisbeere stammen von der Blasenlaus, sehen unschön aus, schaden dem Strauch aber kaum.

Johannisbeeren in Kürze

  • Drei FarbenRot (säuerlich), weiß (mild-süß) und schwarz (kräftig, vitaminreich).
  • Eine reichtMeist selbstfruchtbar, ein einzelner Strauch trägt zuverlässig.
  • AnspruchslosNormaler Gartenboden, sonnig bis halbschattig, kein Spezialsubstrat.
  • Schnitt beachtenRot und weiß nur leicht auslichten, Schwarz kräftig verjüngen.
  • Leicht vermehrbarSteckhölzer im Herbst bewurzeln fast von allein.
  • Netz zur ErnteReife Beeren vor Vögeln schützen, besonders die roten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen roten, weißen und schwarzen Johannisbeeren?

Rote und weiße sind dieselbe Art (Ribes rubrum), die weiße ist eine mildere, süßere Farbvariante. Die schwarze (Ribes nigrum) ist eine eigene Art mit kräftigem, herbem Aroma und besonders viel Vitamin C. Beim Anbau unterscheiden sie sich vor allem im Schnitt.

Brauche ich mehrere Johannisbeersträucher?

Nein. Die meisten Sorten sind selbstfruchtbar, ein einzelner Strauch trägt zuverlässig. Ein zweiter kann den Ertrag leicht steigern, nötig ist er aber nicht.

Wie schneide ich rote und schwarze Johannisbeeren unterschiedlich?

Rote und weiße tragen am mehrjährigen Holz und werden nur leicht ausgelichtet, die ältesten Triebe kommen bodennah heraus. Die schwarze trägt am einjährigen Holz und wird kräftiger verjüngt: jährlich etwa ein Drittel der ältesten Triebe entfernen.

Warum hat meine schwarze Johannisbeere dicke, runde Knospen?

Das ist meist die Johannisbeergallmilbe. Die befallenen, auffällig geschwollenen Knospen brichst du im Winter aus und entsorgst sie über den Restmüll, nicht auf den Kompost. So hältst du den Befall klein.

Auf einen Blick

Johannisbeeren sind ein Grundpfeiler des Beerengartens: robust, langlebig, selbstfruchtbar und in drei Farben zu haben. Merk dir vor allem die eine Regel beim Schnitt, dann tragen rote, weiße und schwarze gleichermaßen reich. Der Rest ist Genuss, ob frisch, als Gelee oder im Kuchen.

In Gartenkern kannst du dir den jährlichen Schnitt je nach Farbe und den Erntezeitpunkt als wiederkehrende Aufgaben anlegen und festhalten, welche Sorte bei dir am besten trägt. Im nächsten Sommer weißt du dann genau, wann deine Johannisbeere 'Rovada' reif war und aus welchem Steckholz die kräftigste Jungpflanze wurde.

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