Auf einen Blick
- Knollensellerie und Stangensellerie sind dieselbe Art, gezüchtet auf zwei Ziele: dicke Knolle oder saftige Stangen.
- Beide sind Lichtkeimer und werden ab Mitte Februar auf der Fensterbank vorgezogen. Selbermachen lohnt, Jungpflanzen sind oft knapp.
- Auspflanzen erst nach den Eisheiligen, Mitte Mai · KW 19 bis 22. Kälte im Jungpflanzenstadium lässt Sellerie später schossen.
- Knollensellerie wird flach gepflanzt, nie tief. Sonst treibt er Seitenwurzeln statt einer runden Knolle.
- Gleichmäßig feucht halten ist der halbe Erfolg. Trockenstress und Blattfleckenkrankheit sind die häufigsten Sorgen.
Sellerie ist ein Gemüse für geduldige Leute. Von der Aussaat im Februar bis zur Ernte im Oktober vergehen gut acht Monate, und ein Großteil davon passiert scheinbar nichts. Dann, im Spätsommer, legt die Pflanze los und die Knolle schwillt Woche für Woche. Wer einmal einen selbst gezogenen Knollensellerie aus der Erde gehoben hat, riecht diesen würzigen Duft und versteht, warum sich das lange Warten lohnt. In diesem Beet steckt das Aroma für die gesamte Suppensaison.
Zwei Pflanzen, ein Name
Wenn im Gartenkatalog "Sellerie" steht, sind eigentlich zwei verschiedene Kulturen gemeint, die botanisch dieselbe Art sind: Apium graveolens. Der Knollensellerie (var. rapaceum) bildet die dicke, runde Knolle, die du aus der Gemüsesuppe kennst. Der Stangensellerie (var. dulce), auch Stauden- oder Bleichsellerie genannt, wächst dagegen in die Höhe und liefert dicke, saftige Blattstiele zum Rohessen und Dünsten.
Der Anbau läuft bei beiden fast gleich: gleiche Aussaatzeit, gleiche Ansprüche an Boden und Wasser, gleiche Empfindlichkeit gegen Kälte. Der große Unterschied liegt am Ende, bei Ernte und Pflege. Beim Knollensellerie geht es um die Wurzel, beim Stangensellerie um die Stiele. Wer beides anbaut, hat mit einer einzigen Anzucht die halbe Küche abgedeckt.
Apium graveolens var. rapaceum
- Familie
- Doldenblütler
- Standort
- Volle Sonne
- Saison
- Aussaat Feb bis März · Ernte Okt bis Nov
- Wasserbedarf
- Hoch, gleichmäßig feucht
- Frosthärte
- Frostempfindlich, bis etwa -3 °C
Vorziehen ab Februar: der Lichtkeimer auf der Fensterbank
Sellerie braucht einen langen Vorlauf, deshalb beginnt seine Saison früher als bei den meisten Gemüsen: ab Mitte Februar bis Anfang März. Das ist wichtig zu wissen, denn Sellerie ist ein Lichtkeimer. Die winzigen Samen werden nur auf die feuchte Anzuchterde gedrückt und nicht mit Erde bedeckt, höchstens hauchdünn mit Sand. Bei rund 20 °C keimen sie langsam, oft erst nach zwei bis drei Wochen. Nicht ungeduldig werden, das gehört dazu.
Sobald die Keimlinge das erste echte Blattpaar zeigen, pikierst du sie in Einzeltöpfe. Danach kommt der häufigste Anzuchtfehler: Sellerie zu kühl stellen. Zieht er längere Zeit unter etwa 12 bis 15 °C auf, wirkt das wie ein Winter. Die Pflanze glaubt, ein Jahr sei vergangen, und schießt später im Beet ins Kraut, statt eine Knolle oder dicke Stangen zu bilden. Halte die Jungpflanzen also hell und mäßig warm, weder verzärtelt noch verfroren.
Bewährte Knollensellerie-Sorten für den Hausgarten sind 'Prinz' und 'Monarch', beide mit weißem, wenig verholzendem Fleisch. Beim Stangensellerie liefert 'Tango' zuverlässig zarte Stangen, die kaum Fäden ziehen. Wenn dir die Anzucht auf der Fensterbank zu früh oder zu fummelig ist, kannst du im Mai auch fertige Jungpflanzen kaufen. Sie sind allerdings oft schnell vergriffen, weil viele Gärtner genau davor zurückschrecken.
Auspflanzen Mitte Mai: bloß nicht zu tief
Sellerie ist frostempfindlich und darf erst nach den Eisheiligen ins Freiland, also Mitte Mai · KW 19 bis 22. Der Boden sollte tiefgründig, humos und gut mit reifem Kompost versorgt sein, denn Sellerie ist ein Starkzehrer mit hohem Wasserbedarf. Ein sonniger Platz ist Pflicht.
Beet vorbereiten
Arbeite ein bis zwei Wochen vor dem Pflanzen reifen Kompost und eine Handvoll Hornspäne flach in den Boden ein. Auf schweren Böden lockerst du gründlich, auf sandigen hilft extra Kompost gegen das schnelle Austrocknen.
Jungpflanzen abhärten
Stelle die Töpfe eine Woche vor dem Auspflanzen tagsüber nach draußen an einen geschützten Platz. So gewöhnen sich die Pflanzen an Sonne und Wind und wachsen nach dem Umzug zügiger an.
Flach setzen
Setze Knollensellerie so, dass der Wurzelhals knapp über der Erde bleibt. Wird die spätere Knolle mit Erde bedeckt, treibt sie viele Seitenwurzeln und bleibt klein und zerklüftet. Der Abstand liegt bei etwa 40 bis 50 cm in jede Richtung.
Angießen
Gieße die frisch gesetzten Pflanzen kräftig an und halte den Boden in den ersten Wochen konstant feucht. Jetzt entscheidet sich, ob die Wurzeln gut Anschluss finden.
Drohen nach dem Pflanzen noch kalte Nächte unter etwa 10 °C, deck die Jungpflanzen mit Vlies ab. Ein später Kältereiz kann das Schossen auslösen, obwohl die Anzucht bis dahin tadellos lief. Das ist kein Drama, nur eine Vorsichtsmaßnahme für die kühle zweite Maihälfte.
Der ganze Sommer dreht sich ums Wasser
Sellerie stammt ursprünglich von salzigen Küstenwiesen und Sumpfrändern. Diese Herkunft merkt man ihm im Beet an: Er will es gleichmäßig feucht, den ganzen Sommer über. Trockenstress ist der häufigste Grund für kleine, bittere Knollen und für hohl werdende Stangen. Wer im Juli und August konsequent wässert, hat die wichtigste Arbeit schon getan.
- Gleichmäßig gießen
Lieber seltener und durchdringend als täglich ein bisschen. Der Boden soll nie ganz austrocknen. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit und spart Gießwasser.
- Nachdüngen im Juli
Als Starkzehrer freut sich Sellerie über eine zweite Portion. Verdünnte Brennnessel- oder Beinwelljauche alle zwei bis drei Wochen deckt den Hunger. Ab Ende August keinen Stickstoff mehr geben, damit die Knolle ausreift.
- Knolle freilegen
Ab September schiebst du beim Knollensellerie die Erde und die äußeren, liegenden Blätter von der Knolle weg. So bekommt sie Licht, wird runder und die Schale glatter. Die inneren Herzblätter bleiben stehen.
- Stangen bleichen
Wer besonders milde, helle Stangen will, bindet den Stangensellerie im September locker zusammen und häufelt ihn an oder umwickelt ihn mit Papier. Moderne Sorten schmecken aber auch ungebleicht zart.
Sellerie ist ein dankbarer Nachbar. Er verträgt sich gut mit Porree, Buschbohnen, Gurken und Spinat, und Knollensellerie gilt als klassischer Partner neben Kohl, weil sein Duft den Kohlweißling irritiert. Meide dagegen die direkte Nachbarschaft von Kartoffeln, Möhren und Petersilie. Und halte die Fruchtfolge ein: Nach Doldenblütlern wie Möhre oder Pastinake sollten vier Jahre Pause liegen, sonst sammeln sich Bodenpilze an.
Sellerie darf im Sommer nie durstig sein und im Herbst nie frieren.
Alte Gärtnerregel
Wenn Flecken auf den Blättern erscheinen
Die häufigste echte Sorge beim Sellerie ist die Blattfleckenkrankheit (Septoria). Sie zeigt sich als kleine, runde, braune Flecken mit hellem Zentrum, oft schon ab Hochsommer, und breitet sich bei feuchtwarmer Witterung rasch aus. Sie schwächt die Pflanze und bremst das Knollenwachstum.
Entferne befallene Blätter sofort und wirf sie in den Restmüll, nicht auf den Kompost, sonst überdauert der Pilz. Gieße immer an die Wurzel, nie über das Laub, und halte großzügige Pflanzabstände für gute Durchlüftung. Der Erreger sitzt oft schon im Saatgut, deshalb lohnt bei wiederkehrendem Befall zertifiziertes, gebeiztes Saatgut.
Zwei kleinere Sorgen kommen dazu. Die Selleriefliege legt ihre Eier ins Laub, ihre Larven fressen Gänge in die Blätter. Ein Kulturschutznetz von Anfang an hält sie zuverlässig fern. Und Herzfäule, ein brauner, fauliger Kern der Knolle, ist meist ein Zeichen von Bormangel: Sie tritt auf leichten, trockenen Böden auf und lässt sich durch gleichmäßige Feuchte und eine Handvoll Algenkalk im Frühjahr vermeiden.
Ernte und Lagerung ab Oktober
Sellerie hat Zeit. Du erntest ihn spät, meist im Oktober oder November, kurz bevor der erste stärkere Frost kommt. Leichte Nachtfröste bis etwa -3 °C stecken die Knollen im Boden noch weg, dauerhafter Frost aber macht sie matschig. Grabe die Knollen mit der Grabegabel vorsichtig aus, damit sie nicht anreißen.
Rechtzeitig ernten
Hol die Knollen vor dem ersten starken Frost aus dem Beet. Bei angekündigten Kahlfrösten lieber einen Tag zu früh als zu spät.
Laub kappen, Wurzeln lassen
Schneide das Laub knapp über der Knolle ab. Die feinen Wurzeln lässt du für die Lagerung dran, das hält die Knolle länger frisch.
Kühl und feucht einlagern
Schlage die Knollen mit anhaftender Erde in feuchten Sand ein und stelle sie in einen dunklen, frostfreien Keller bei knapp über 0 °C. So halten sie den ganzen Winter.
Stangensellerie wird laufend geerntet, sobald die Stangen kräftig genug sind, meist ab August. Du brichst einzelne äußere Stangen heraus oder schneidest die ganze Pflanze knapp über dem Boden ab. Anders als der Knollensellerie lässt er sich kaum lange lagern, er will frisch verbraucht werden. Ein paar Wochen im Gemüsefach, in ein feuchtes Tuch gewickelt, sind das Höchste.
Häufige Fragen zum Sellerie
Warum bildet mein Knollensellerie keine Knolle, sondern nur viele Wurzeln?
Meist wurde er zu tief gepflanzt. Der Wurzelhals muss knapp über der Erde sitzen. Wird die spätere Knolle mit Boden bedeckt, treibt sie überall Seitenwurzeln statt einer glatten Kugel. Beim nächsten Mal flacher setzen und im September die Erde von der Knolle wegschieben.
Warum schießt mein Sellerie ins Kraut, statt eine Knolle zu bilden?
Fast immer wegen Kälte in der Jugend. Standen die Jungpflanzen längere Zeit unter etwa 12 bis 15 °C, hält die Pflanze das für einen überstandenen Winter und blüht im ersten Jahr. Zieh die Anzucht warm und pflanze erst nach den Eisheiligen aus, geschützt mit Vlies bei kalten Nächten.
Kann ich Sellerie direkt ins Beet säen?
Davon ist im DACH-Raum abzuraten. Die Kulturdauer ist zu lang und die Keimung zu langsam und wärmebedürftig. Bis Direktsaaten groß genug sind, reicht die Saison für eine ordentliche Knolle nicht. Vorziehen ab Mitte Februar auf der Fensterbank ist der sichere Weg.
Was tun gegen braune Flecken auf den Sellerieblättern?
Das ist meist Blattfleckenkrankheit. Entferne befallene Blätter und entsorge sie im Restmüll, gieße nur an die Wurzel und sorge für luftige Abstände. Bei wiederkehrendem Befall im Folgejahr zertifiziertes, gebeiztes Saatgut verwenden und die Fruchtfolge einhalten.
Verträgt Sellerie leichten Frost im Herbst?
Kurze, leichte Nachtfröste bis etwa -3 °C übersteht die Knolle im Boden, besonders unter einer Abdeckung aus Laub oder Vlies. Dauerhafter oder stärkerer Frost lässt sie faulen. Ernte deshalb vor dem ersten angekündigten Kahlfrost und lagere die Knollen kühl in feuchtem Sand.
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