Auf einen Blick
- Die Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata) ist ein robuster Wildobststrauch aus Ostasien, drei bis fünf Meter hoch, mit silbrigem Laub und roten, fein gepunkteten Beeren.
- Geerntet wird von Mitte September bis Ende Oktober · KW 38 bis 44. Erst voll reif schmecken die Früchte süß-säuerlich, vorher sind sie herb.
- Sie bindet mit Hilfe von Wurzelbakterien Stickstoff aus der Luft. Magerer, trockener Boden ist für sie kein Problem, Dünger braucht sie kaum.
- Die Beeren enthalten ein Vielfaches des roten Farbstoffs Lycopin einer Tomate.
- Vögel verbreiten die Samen. In Nordamerika gilt sie deshalb als invasiv. Pflanze sie im Garten, nicht an Waldränder oder in die freie Landschaft.
Im Oktober, wenn die meisten Beerensträucher längst abgeerntet sind, hängt die Korallen-Ölweide noch voll. Die Zweige biegen sich unter Hunderten kleiner, roter Früchte, und jede einzelne sieht aus, als hätte jemand sie mit Silberstaub bestreut. Daher der Name: Korallen-Ölweide, manchmal auch Schirm-Ölweide oder Doldige Ölweide. Im Englischen heißt sie autumn olive, Herbst-Olive.
Mit der Olive hat sie außer den silbrigen Blättern nichts zu tun. Ihre nächste Verwandte im Garten ist der Sanddorn, mit dem sie die Familie der Ölweidengewächse (Elaeagnaceae) teilt. Und wie der Sanddorn ist sie ein Strauch für Gärtner, die wenig pflegen und viel ernten wollen. Einen eigenen Eintrag in unserer Pflanzendatenbank hat sie noch nicht, dieser Beitrag ist ihr Steckbrief.
Korallen-Ölweide
Elaeagnus umbellata
- Familie
- Ölweidengewächse (Elaeagnaceae)
- Standort
- Sonnig, verträgt Wind und Trockenheit
- Saison
- Blüte KW 19 bis 21, Ernte KW 38 bis 44
- Wasserbedarf
- Gering, nach dem Anwachsen kaum gießen
- Frosthärte
- Sehr frosthart, bis unter minus 25 Grad
Ein Strauch, der sich selbst düngt
Das Besondere an der Korallen-Ölweide sitzt unter der Erde. An ihren Wurzeln bilden sich kleine Knöllchen, in denen Bakterien der Gattung Frankia leben. Sie holen Stickstoff aus der Bodenluft und stellen ihn der Pflanze zur Verfügung. Dasselbe Prinzip kennst du von Erbsen und Bohnen, und vom Sanddorn.
Für dich heißt das: Die Ölweide wächst auch auf sandigem, steinigem oder ausgelaugtem Boden, wo Johannisbeeren kümmern würden. Stickstoffdünger braucht sie nicht, er schadet eher, weil er die Knöllchen verdrängt und nur Blattmasse treibt. Im Waldgarten und in gemischten Hecken setzt man sie gern als Nachbarn für hungrigere Obstgehölze. Das Laub, das im Herbst fällt, bringt den Stickstoff in den Boden der Umgebung.
Im Mai duftet die ganze Ecke
Die Ölweide blüht Mitte bis Ende Mai · KW 19 bis 21, mit unzähligen kleinen, cremegelben Röhrenblüten in den Blattachseln. Ihr Duft ist süß und schwer, ein wenig wie Flieder mit Honig, und reicht an warmen Abenden mehrere Meter weit.
Bienen, Hummeln und Schwebfliegen besuchen sie in großer Zahl. Weil die Blüte erst nach den Eisheiligen einsetzt, ist sie kaum spätfrostgefährdet. Das macht die Ernte verlässlicher als bei früh blühendem Obst.
Standort und Pflanzung
Die Korallen-Ölweide will Sonne. Im Halbschatten wächst sie auch, trägt dort aber deutlich weniger. Der Boden darf trocken, sandig und nährstoffarm sein, nur dauerhaft nasse Füße mag sie nicht. Sie verträgt Wind, Streusalz und Hitze, und im Winter hält sie Fröste bis unter minus 25 Grad aus.
Plane genug Platz ein: Ein ausgewachsener Strauch wird drei bis fünf Meter hoch und ebenso breit. Als freiwachsende Hecke setzt du die Pflanzen im Abstand von zwei bis drei Metern. Gepflanzt wird im Herbst, Anfang Oktober bis Mitte November · KW 40 bis 46, oder im zeitigen Frühjahr.
Zwei Pflanzen setzen
Viele Korallen-Ölweiden tragen auch allein, aber mit einem zweiten Strauch einer anderen Sorte in der Nähe steigt der Fruchtansatz deutlich. Die Blüten werden von Insekten bestäubt, zehn bis zwanzig Meter Abstand sind kein Problem.
Pflanzloch ohne Dünger
Grab das Pflanzloch doppelt so breit wie den Topf, lockere die Sohle und füll mit der ausgehobenen Erde wieder auf. Kompost oder Dünger brauchst du nicht.
Im ersten Jahr gießen
Bis der Strauch eingewurzelt ist, gießt du bei Trockenheit einmal pro Woche durchdringend. Ab dem zweiten Jahr versorgt er sich selbst.
Geduld bis zur ersten Ernte
Aus Stecklingen oder veredelten Pflanzen trägt die Ölweide nach zwei bis drei Jahren, aus Samen gezogene Sträucher nach vier bis fünf.
Die Früchte: süß, säuerlich, leicht herb
Die Beeren sind sechs bis neun Millimeter groß, rund bis leicht oval und mit feinen, silbrigen Schuppen gesprenkelt. Sie reifen ab Mitte September, und hier liegt der wichtigste Ernte-Tipp: Warte. Halbreife Früchte sind stark adstringierend, sie ziehen den Mund zusammen wie eine unreife Schlehe. Voll reif werden sie weich, dunkelrot und schmecken süß-säuerlich mit einem Hauch Herbe, irgendwo zwischen Johannisbeere und reifer Hagebutte.
In der Mitte sitzt ein einzelner, länglicher Kern. Er ist weich genug, um beim Naschen mitgegessen zu werden. Für Mus und Saft streichst du die gekochten Früchte durch ein Passiersieb, dann bleibt er zurück.
Neben den roten Wildformen gibt es Sorten mit größeren oder milderen Früchten, darunter gelbfrüchtige wie Korallen-Ölweide ‚Amber‘ oder Korallen-Ölweide ‚Fortunella‘. Wer vor allem naschen will, fährt mit einer ausgelesenen Sorte besser als mit einem Sämling, dessen Geschmack eine Überraschung bleibt.
Lycopin: mehr als in der Tomate
Die rote Farbe der Beeren stammt zu einem großen Teil von Lycopin, demselben Farbstoff, der die Tomate rot macht. Untersuchungen des US-Landwirtschaftsministeriums fanden in Korallen-Ölweiden ein Vielfaches des Lycopingehalts frischer Tomaten. Wie viel genau, schwankt stark mit Pflanze, Sorte und Reife.
Lycopin ist fettlöslich und wird beim Erhitzen besser vom Körper aufgenommen. Ein Mus, das du kochst und etwa zu Quark, Joghurt oder einer Käseplatte isst, nutzt den Farbstoff also besser als die rohe Beere. Ein Wundermittel ist die Ölweide trotzdem nicht, sondern schlicht ein sehr farbstoffreiches Wildobst.
Wenn alles andere abgeerntet ist, hängt die Ölweide noch voll.
Aus dem Obstgarten im Oktober
Ernten und verarbeiten
Ein ausgewachsener Strauch kann zehn Kilogramm und mehr tragen, und die Früchte einzeln zu pflücken, wird mühsam. Einfacher geht es so: Leg ein altes Laken oder eine Plane unter den Strauch und schüttle die Zweige kräftig. Voll reife Beeren fallen, halbreife bleiben hängen. So erntest du automatisch nur die süßen. Wiederhol das alle paar Tage über drei bis vier Wochen.
Die Beeren sind weich und platzen leicht. Verarbeite sie noch am selben Tag oder friere sie ein.
Was aus der Ernte wird
- Fruchtmus
Beeren mit wenig Wasser zehn Minuten köcheln, durch ein Passiersieb streichen, nach Geschmack süßen. Das Mus hält sich im Kühlschrank eine Woche und lässt sich einfrieren.
- Fruchtleder
Das Mus dünn auf Backpapier streichen und bei 50 bis 60 Grad trocknen. Das säuerliche Leder ist ein Wintersnack für Kinder. Wie das Dörren geht, steht in Dörren und Trocknen.
- Marmelade und Gelee
Die Beeren haben wenig eigenes Pektin. Mit einem Drittel Äpfeln oder einem Gelierzucker für pektinarme Früchte wird es fest.
- Soße zu herzhaften Gerichten
Säuerliches, eingekochtes Mus mit etwas Zwiebel, Essig und Gewürzen ersetzt Preiselbeeren zu Wild oder Käse.
Mehr Ideen zum Haltbarmachen findest du in Beerenernte haltbar machen.
Schnitt: wenig und von unten
Die Korallen-Ölweide braucht kaum Schnitt. Lass sie in den ersten Jahren frei wachsen. Danach lichtest du alle zwei bis drei Jahre im Spätwinter, Mitte Februar bis Ende März · KW 7 bis 13, oder direkt nach der Ernte aus: Nimm ein bis zwei der ältesten Triebe bodennah heraus und entferne Äste, die sich kreuzen oder in den Weg wachsen.
Sie verträgt auch einen kräftigen Rückschnitt und treibt danach willig wieder aus. Zieh beim Schneiden feste Handschuhe an. Viele Pflanzen tragen an den Kurztrieben spitze Dornen.
Invasiv? Ehrlich betrachtet
Die Korallen-Ölweide hat einen zweiten Ruf, und der gehört in diesen Beitrag. In den USA wurde sie ab den 1950er-Jahren großflächig als Windschutz und zur Rekultivierung von Bergbauflächen gepflanzt. Vögel fraßen die Beeren und verbreiteten die Samen, und heute gilt sie im Osten der USA als eine der problematischsten eingewanderten Gehölzarten. Sie überwächst offene Wiesen, und ihr Stickstoff verändert magere Standorte, auf die heimische Pflanzen angewiesen sind.
In Mitteleuropa steht sie bisher nicht auf der EU-Liste invasiver Arten und verwildert nur vereinzelt. Das kann sich mit wärmeren Wintern ändern. Du kannst sie trotzdem mit gutem Gewissen im Garten ziehen, wenn du drei Dinge beachtest.
So bleibt die Ölweide im Garten
Pflanze sie nicht an Waldränder, auf Magerrasen oder in die Nähe von Schutzgebieten, wo verbreitete Samen den meisten Schaden anrichten. Ernte gründlich, denn jede Beere, die du erntest, trägt kein Vogel weg. Und reiß Sämlinge aus, die im Garten auftauchen, solange sie klein sind. In der freien Landschaft ist das Ausbringen gebietsfremder Gehölze nach dem Bundesnaturschutzgesetz ohnehin genehmigungspflichtig.
Wer ganz auf heimische Arten setzen will, findet im Sanddorn, in der Kornelkirsche oder der Hagebutte ähnlich robustes Wildobst.
Die Verwandtschaft: drei andere Ölweiden
Unter dem Namen Ölweide werden mehrere Arten gehandelt, und nicht alle tragen gleich gute Früchte.
- Vielblütige Ölweide (Elaeagnus multiflora), auch Goumi genannt: reift schon im Juni und Juli, mit größeren, länglichen Früchten an langen Stielen. Sie bleibt mit zwei bis drei Metern kleiner.
- Schmalblättrige Ölweide (Elaeagnus angustifolia): ein kleiner Baum mit auffallend silbrigen Blättern. Ihre Früchte sind mehlig und trocken, sie wird vor allem als Zierpflanze gesetzt.
- Immergrüne Ölweide (Elaeagnus × ebbingei): eine immergrüne Hybride, die im Oktober und November duftend blüht. Ihre kleinen, länglichen Früchte reifen im April und Mai und sind essbar, eine der ersten Früchte im Gartenjahr.
Die immergrüne Ölweide ist dabei die Wahl für alle, die eine dichte, schnittverträgliche Hecke suchen, die auch im Winter grün bleibt. Sie wächst langsamer als die Korallen-Ölweide, lässt sich auf eineinhalb bis zwei Meter halten und bringt als Bonus im Frühjahr eine kleine Ernte.
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Wie du mehrere Fruchtsträucher zu einer gemischten, essbaren Hecke kombinierst, zeigt Beerenobst-Naschhecke anlegen. Die Korallen-Ölweide passt dort gut in die hintere Reihe, neben Felsenbirne und Aronia.
Leg dir für die Ölweide eine wiederkehrende Aufgabe Mitte September an. Im Gartenkern-Tagebuch siehst du über die Jahre, wann sie bei dir wirklich reif war, und du verpasst das Fenster nicht, bevor die Amseln es entdecken.
Häufige Fragen
Ist die Korallen-Ölweide essbar?
Ja. Die roten, silbrig gepunkteten Beeren sind roh und gekocht essbar. Voll reif schmecken sie süß-säuerlich mit einer leichten Herbe. Unreife Früchte sind stark adstringierend, deshalb erntest du erst, wenn die Beeren weich und dunkelrot sind.
Wann sind die Früchte der Korallen-Ölweide reif?
Von Mitte September bis Ende Oktober. Reife Beeren sind weich, dunkelrot und fallen beim Schütteln des Strauchs ab. Wer etwas länger wartet, erntet süßere Früchte.
Braucht die Korallen-Ölweide einen Befruchter?
Viele Pflanzen tragen auch allein, aber mit einer zweiten Pflanze einer anderen Sorte in der Nähe steigt der Ertrag deutlich. Die Blüten werden von Bienen und Hummeln bestäubt.
Ist die Korallen-Ölweide invasiv?
In Nordamerika ja, dort hat sie sich über Vögel in offene Landschaften ausgebreitet. In Mitteleuropa steht sie nicht auf der EU-Liste invasiver Arten und verwildert nur vereinzelt. Pflanze sie im Garten, nicht an Waldränder oder in die Nähe von Schutzgebieten, ernte gründlich und entferne Sämlinge.
Wie groß wird eine Korallen-Ölweide?
Drei bis fünf Meter hoch und ungefähr ebenso breit. Sie wächst als lockerer, mehrstämmiger Strauch und lässt sich durch Auslichten von unten gut in Form halten.
Was ist der Unterschied zwischen Korallen-Ölweide und Goumi?
Die Goumi oder Vielblütige Ölweide (Elaeagnus multiflora) reift schon im Juni und Juli und trägt größere, längliche Früchte an langen Stielen. Die Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata) reift im September und Oktober mit kleinen, runden Beeren und wird deutlich größer.
Quellen und weiterlesen
- Fordham, I. M. et al. (2001): Fruit of autumn olive: a rich source of lycopene. HortScience 36 (6), S. 1136 bis 1137.
- Bundesamt für Naturschutz: Neobiota und die Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten. neobiota.bfn.de
- Bundesnaturschutzgesetz § 40: Ausbringen gebietsfremder Arten. gesetze-im-internet.de
- Im Magazin: Sanddorn, Beerenobst-Naschhecke anlegen, Goji-Beere ehrlich: Superfood oder Wucherstrauch?
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