Auf einen Blick
- Speierling, Elsbeere und Eberesche gehören alle zur Gattung Sorbus und sind heimische Wildobstbäume mit essbaren Früchten.
- Der Speierling ist einer der seltensten Bäume Mitteleuropas und wird oft erst nach zehn bis fünfzehn Jahren fruchttragend. Geduld gehört zur Kultur dazu.
- Die Früchte werden roh meist herb bis pelzig und erst nach der Teigreife oder dem ersten Frost mild und aromatisch.
- Die Eberesche 'Edulis' trägt gerbstoffarme, milde Beeren, aus denen du Gelee, Likör und Kompott machst.
- Alle drei Arten sind robuste, hitzefeste Klimabäume, die Trockenheit und magere Böden vertragen und Vögeln reichlich Nahrung liefern.
Es gibt Bäume, die pflanzt man nicht für sich selbst, sondern für die Enkel. Der Speierling gehört dazu. Er wächst langsam, trägt spät und wird dafür Jahrhunderte alt. Wer heute einen setzt, beschenkt vor allem die Menschen, die in fünfzig Jahren in seinem Schatten sitzen. Genau das macht diese drei Wildobstbäume so besonders: Speierling, Elsbeere und Eberesche sind keine Bäume für schnelle Ernten, sondern für Gärtner, die in Jahrzehnten denken und die den Reiz des Seltenen schätzen.
Drei Bäume, eine Verwandtschaft
Alle drei gehören zur Gattung Sorbus aus der Familie der Rosengewächse, also weitläufig verwandt mit Apfel, Birne und Weißdorn. Trotz gemeinsamer Wurzeln sehen sie völlig verschieden aus. Der Speierling trägt gefiederte Blätter und kleine apfel- oder birnenförmige Früchte. Die Elsbeere überrascht mit ahornähnlich gelappten Blättern und braunen, gepunkteten Beeren. Die Eberesche, im Volksmund Vogelbeere, ist von den dreien die bekannteste mit ihren leuchtend orangeroten Fruchtdolden.
Was sie eint: Sie sind heimisch, extrem winterhart, hitze- und trockenheitstolerant und damit echte Klimabäume für die kommenden Jahrzehnte. Und ihre Früchte sind essbar, auch wenn keine davon roh vom Baum ein Genuss ist. Der Umweg über Küche und Zeit gehört bei diesem Wildobst zum Konzept.
- SpeierlingLangsamster und seltenster der drei. Große, apfelförmige Früchte, Baum des Jahres 2011. Braucht Geduld, wird uralt.
- ElsbeereAhornblättrig, wertvollstes heimisches Holz, mediterranes Aroma der Früchte. Baum des Jahres 2011 gemeinsam mit dem Speierling.
- EberescheAnspruchslos, schnellwüchsig, früh fruchtend. Die Sorte 'Edulis' liefert milde, verwertbare Beeren.
- Alle dreiWinterhart bis unter minus 25 Grad, hitzefest, wichtige Vogelnährgehölze und Bienenweide.
Der Speierling: Adel unter den Wildbäumen
Der Speierling Sorbus domestica ist der Aristokrat dieser Runde. In freier Natur ist er in Deutschland so selten geworden, dass einzelne Altbäume mit Namen bekannt sind. Sein Holz ist das schwerste und härteste heimische Nutzholz, früher begehrt für Schraubstöcke, Weberschiffchen und Orgelpfeifen. In Frankfurt und im Rheingau gibt der Speierling dem Apfelwein als Zusatz seine besondere Note. Ein einziger Baum kann problemlos zwei- bis dreihundert Jahre alt werden.
Für den Hausgarten heißt das: Du pflanzt ein Stück lebendige Kulturgeschichte. Rechne mit einer langen Jugendphase, in der er nur wächst und keine Früchte ansetzt. Ein veredelter Baum trägt nach etwa acht bis zehn Jahren, ein Sämling lässt sich gern fünfzehn Jahre oder länger Zeit. Dafür verzeiht er magere, kalkhaltige und trockene Böden, an denen ein Apfelbaum längst aufgäbe.
Sorbus domestica
- Familie
- Rosengewächse (Rosaceae)
- Standort
- Vollsonnig, warm, kalkhaltiger und durchlässiger Boden
- Saison
- Ernte September bis Oktober, Genuss nach Teigreife
- Wasserbedarf
- Gering, sehr trockenheitstolerant nach dem Anwachsen
- Frosthärte
- Sehr winterhart, bis etwa minus 28 Grad
Wichtig ist ein vollsonniger, warmer Platz. Der Speierling ist ein Wärmeliebhaber und dankt eine geschützte Südlage mit früher Fruchtreife und gutem Wuchs. In rauen Höhenlagen bleibt er zwar am Leben, trägt aber unzuverlässig. Ein Baum genügt zur Ernte, denn er ist selbstfruchtbar, auch wenn Fremdbestäubung den Ertrag steigert.
Die Elsbeere: Ahornblatt und Edelholz
Die Elsbeere Sorbus torminalis teilt sich mit dem Speierling den Titel Baum des Jahres 2011 und ist mindestens ebenso selten. Ihr Laub täuscht: Die tief gelappten Blätter erinnern an einen Spitzahorn, mit der gefiederten Verwandtschaft haben sie nichts gemein. Im Herbst färbt sich das Laub in warmen Kupfer- und Purpurtönen, was die Elsbeere zu einem der schönsten heimischen Herbstbäume macht.
Ihr Holz ist noch begehrter als das des Speierlings und zählt zu den teuersten Hölzern Europas, gesucht für Furniere und Musikinstrumente. Die kleinen, ledrig-braunen Früchte schmecken nach der Teigreife überraschend mild, fast nach Marzipan und Dörrobst. In Österreich brennt man daraus den seltenen Adlitzbeer-Schnaps. Die Elsbeere gedeiht an ähnlich warmen, kalkreichen Standorten wie der Speierling und verträgt sogar Halbschatten besser als dieser.
Den besten Baum pflanzt man vor zwanzig Jahren. Den zweitbesten pflanzt man heute.
Alte Gärtnerweisheit
Die Eberesche: die unterschätzte Vogelbeere
Die Eberesche ist der Gegenentwurf zu ihren adeligen Verwandten: anspruchslos, schnellwüchsig und überall zu Hause, von der Küste bis an die Baumgrenze. Genau deshalb ist sie der ideale Einstieg. Sie trägt schon nach wenigen Jahren, verträgt fast jeden Boden und blüht im Mai in großen weißen Doldenschirmen, die Wildbienen magisch anziehen. Ab August leuchten die orangeroten Beerendolden und ernähren mehr als sechzig Vogelarten über den Winter.
Hartnäckig hält sich der Glaube, Vogelbeeren seien giftig. Das stimmt so nicht: Roh enthalten sie Parasorbinsäure, die in größeren Mengen Magen und Darm reizt und zu Übelkeit führen kann. Durch Kochen, Trocknen oder Frost wandelt sich diese in die harmlose Sorbinsäure um. Gekochte Vogelbeeren sind unbedenklich und ergeben ein herrlich herbes, bittersüßes Gelee.
Iss rohe Vogelbeeren nicht in größeren Mengen. Die enthaltene Parasorbinsäure kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Nach dem Kochen, Trocknen oder nach Frost ist die Frucht unbedenklich. Kinder solltest du von rohen Beeren fernhalten.
Wer die Küche nicht bemühen will, greift zur Zuchtform Sorbus aucuparia 'Edulis', auch Mährische Eberesche genannt. Ihre Beeren sind größer, gerbstoffärmer und deutlich milder, sodass sie sich sogar in kleinen Mengen roh naschen lassen. Für Gelee, Kompott und Likör ist sie die erste Wahl.
Von der Teigreife zum Glas: Ernte und Verwertung
Keine dieser Früchte schmeckt frisch vom Baum. Alle brauchen entweder Teigreife oder Frost, bis Gerbstoffe abgebaut sind und die Süße durchkommt. Die Teigreife erkennst du daran, dass die Frucht weich, teigig und leicht bräunlich wird, ähnlich wie bei der Mispel. Erst dann beginnt die Küche.
Zum richtigen Zeitpunkt ernten
Speierling und Elsbeere im September und Oktober pflücken, sobald die Früchte anfangen weich zu werden. Ebereschen nach dem ersten Frost oder du legst sie über Nacht ins Gefrierfach.Nachreifen lassen
Harte Früchte kühl und luftig auf Horden ausbreiten, bis sie teigreif und aromatisch sind. Das dauert je nach Reifegrad einige Tage bis zwei Wochen.Entsaften oder passieren
Früchte weich kochen und durch die Flotte Lotte passieren oder im Dampfentsafter zu klarem Saft verarbeiten. Kerne und Schalen bleiben zurück.Verjus, Gelee oder Likör ansetzen
Aus unreif geernteten Früchten presst du Verjus, den sauren Würzsaft der alten Küche. Aus reifem Saft kochst du Gelee mit Gelierzucker oder setzt Früchte in Korn oder Wodka zu Likör an.
Der herb-säuerliche Geschmack ist gewollt und macht diese Erzeugnisse so eigen. Ein Speierlingsgelee zu Wild, ein Ebereschenlikör als Digestif oder ein paar Tropfen Verjus im Salatdressing sind kulinarische Raritäten, die du im Laden nicht bekommst. Genau darin liegt der Reiz: Du erntest etwas, das kaum jemand kennt.
Pflanzen und Pflegen: Standort, Schnitt, Geduld
Die gute Nachricht für ungeduldige Gärtner: Nach der Pflanzung machen diese Bäume wenig Arbeit. Sie sind robust, brauchen kaum Schnitt und sind gegen die üblichen Obstbaumkrankheiten weitgehend gefeit. Gepflanzt wird am besten als wurzelnackte Ware in der Ruhephase zwischen Oktober und März, an einem frostfreien Tag.
Standort wählen
Vollsonnig und warm für Speierling und Elsbeere, die Eberesche nimmt auch Halbschatten. Genug Abstand einplanen, alle drei können groß werden.Pflanzloch großzügig graben
Doppelt so breit wie der Wurzelballen, die Sohle lockern. Bei schwerem Boden etwas Sand einarbeiten, keinen frischen Mist.Baum setzen und wässern
Veredelungsstelle über dem Boden halten, Erde einschlämmen, einen Gießrand formen und gründlich angießen. Einen Stützpfahl gegen Windwurf setzen.Erste Jahre begleiten
In Trockenperioden der ersten zwei Standjahre wässern, Baumscheibe mulchen. Danach kommen die Bäume allein zurecht.
In milden Wintern und bei Spätfrösten musst du dir um diese Bäume keine Sorgen machen. Alle drei sind heimisch und bis weit unter minus 25 Grad frosthart. Nur frisch gepflanzte Jungbäume schützt du im ersten Winter mit einer Jutebandage am Stamm gegen Frostrisse und mit einer Mulchschicht auf der Baumscheibe.
Ein Erziehungsschnitt in den ersten Jahren formt eine stabile Krone, danach reicht es, totes und sich reibendes Holz herauszunehmen. Weniger ist hier mehr. Wer diesen Bäumen Zeit gibt, wird mit Jahrzehnten der Ernte belohnt, mit Schatten, mit Herbstfärbung und mit dem stillen Stolz, etwas Seltenes zu bewahren.
Häufige Fragen zu Speierling, Elsbeere und Eberesche
Sind Vogelbeeren giftig?
Wie lange dauert es, bis ein Speierling Früchte trägt?
Brauche ich mehrere Bäume zur Befruchtung?
Warum schmecken die Früchte roh so herb?
Welcher der drei Bäume passt in einen kleinen Garten?
Ist dir ein Fehler aufgefallen?

