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Magazin24. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

Steinobst schneiden: Süßkirsche, Aprikose und Mirabelle nach der Ernte

Warum Kirsche, Aprikose und Mirabelle im Sommer geschnitten werden, an welchem Holz sie tragen und wie du Gummifluss und Silberglanz vermeidest.

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Garten & Redaktion
Süßkirschbaum in einer Kirschanlage mit angelehnten Holz- und Aluleitern zur Ernte
Kirschbaum in der Fränkischen Schweiz zur Erntezeit: geschnitten wird direkt danach. · Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Inhalt

Auf einen Blick

  • Steinobst schneidest du direkt nach der Ernte: Süßkirsche Ende Juni bis Ende Juli · KW 26 bis 30, Aprikose und Mirabelle Ende Juli bis Ende August · KW 30 bis 35.
  • Im Winter heilen Wunden an Kirsche, Pflaume und Aprikose schlecht. Silberglanz, Bakterienbrand und Gummifluss nutzen genau diese Schwäche.
  • Jede Art trägt an anderem Holz: die Süßkirsche an Bukettzweigen, die Aprikose an einjährigen Trieben und kurzen Spießen, die Mirabelle an zwei- bis dreijährigem Holz.
  • Große Äste an Steinobst möglichst jung entfernen, solange die Wunde klein bleibt. Ein Ast über Armdicke ist beim Steinobst ein Risiko.
  • Die Faustregel von höchstens einem Viertel der Blattmasse pro Jahr gilt beim Sommerschnitt besonders streng, weil der Baum mit jedem Blatt auch Zucker für den Winter verliert.

Das Steinobst ist die Familie, bei der der Winterschnitt am meisten Schaden anrichtet. Viele Gärtner schneiden Kirschen, Pflaumen und Aprikosen im Februar zusammen mit den Äpfeln, einfach weil die Säge gerade in der Hand liegt. Das Ergebnis sieht man oft erst Jahre später: ein Ast mit silbrig schimmernden Blättern, harzverklebte Wunden, eine Aprikose, die im Mai plötzlich welkt.

In diesem Beitrag geht es um drei Steinobstarten, die im Magazin bisher zu kurz kamen: die Süßkirsche, die Aprikose und die Mirabelle samt ihrer Schwester, der Reneklode. Für Sauerkirsche, Zwetschge und Pfirsich gibt es eigene Anleitungen.

Warum Steinobst den Sommer braucht

Ein Obstbaum schottet Wunden ab, statt sie zu heilen. Das Kambium unter der Rinde schiebt einen Wulst über die Schnittfläche, und im Holz entstehen Sperrschichten gegen Pilze. Im Juli geschieht das in wenigen Wochen, im Januar gar nicht.

Beim Steinobst kommen zwei Gegner dazu, die genau in der kalten Jahreszeit aktiv sind. Der Silberglanz (Chondrostereum purpureum) ist ein Pilz, der seine Sporen bei feuchtem Wetter von Herbst bis Frühjahr verbreitet und über frische Wunden eindringt. Befallene Äste bekommen silbrig glänzende Blätter und sterben nach und nach ab. Der Bakterienbrand (Pseudomonas syringae) nutzt ebenfalls Wunden und Frostrisse im Winter und lässt Rinde einsinken und Äste welken.

Ast eines Kirschbaums mit mehreren bernsteinfarbenen Harztropfen
Gummifluss an der Kirsche: so reagiert Steinobst auf große Wunden im Winter. · Foto: Тарас Самборський, CC BY-SA 4.0

Gummifluss ist ein Symptom

Die bernsteinfarbenen Tropfen am Stamm heißen Gummifluss. Das ist keine eigene Krankheit, sondern die Antwort des Baums auf Stress: große Wunden, Frostrisse, nasser Boden, Bakterien oder Pilze.

Einzelne Tropfen an einer frischen Schnittstelle sind harmlos. Tritt ständig Harz aus derselben Stelle, und sinkt die Rinde darunter ein, steckt meist eine Infektion dahinter. Dann schneidest du den Ast bis ins gesunde Holz zurück, im Sommer und bei trockenem Wetter.

Süßkirsche: Bukettzweige schonen

Die Süßkirsche (Prunus avium) ist der wüchsigste Baum im Obstgarten. Auf einer Sämlingsunterlage wird sie zehn bis fünfzehn Meter hoch, und sie hat eine starke Spitzenförderung. Ohne Schnitt stehen die Früchte nach zehn Jahren in einer Höhe, die nur noch die Stare erreichen.

Die Kirschen sitzen an Bukettzweigen: kleinen, gedrungenen Kurztrieben an zwei- und mehrjährigem Holz, an denen die Blütenknospen dicht wie ein Strauß stehen. Diese Bukettzweige tragen mehrere Jahre. Du erhältst sie, indem du Leitäste nicht ständig einkürzt, sondern ganze Äste herausnimmst oder ableitest.

  1. Direkt nach der Ernte schneiden

    Sobald die letzten Kirschen gepflückt sind, siehst du genau, welche Äste getragen haben und welche nur Laub bringen. Das Fenster liegt je nach Sorte Ende Juni bis Ende Juli.

  2. Höhe begrenzen durch Ableiten

    Ist der Baum zu hoch, leitest du den Mitteltrieb und die höchsten Leitäste auf einen tiefer sitzenden, nach außen wachsenden Seitenast ab. Kappen ohne Zugast bringt nur einen Besen aus Wasserschossen.

  3. Konkurrenztriebe und Steiles heraus

    Triebe, die parallel zum Leitast oder steil ins Innere wachsen, entfernst du an der Basis. Die Krone soll offen und in Etagen aufgebaut sein.

  4. Hängendes, abgetragenes Holz verjüngen

    Äste, die nach vielen Jahren nach unten hängen und kaum noch Bukettzweige haben, nimmst du auf einen jüngeren, gut stehenden Trieb zurück.

Süßkirsche ‚Hedelfinger‘ ist ein Beispiel für eine alte, stark wachsende Sorte, die auf Sämlingsunterlage ohne regelmäßigen Sommerschnitt schnell über das Dach wächst. Auf schwachen Unterlagen wie GiSelA 5 bleibt dieselbe Sorte bei drei bis vier Metern. Wie Unterlage und Befruchter zusammenhängen, steht in Süßkirsche pflanzen, und wie Ernte und Sommerschnitt ineinandergreifen, in Kirschernte und Sommerschnitt.

Familie
Rosengewächse (Rosaceae)
Standort
Sonnig, luftig, tiefgründiger Boden
Saison
Schnitt nach der Ernte, KW 26 bis 30
Wasserbedarf
Mäßig, keine Staunässe
Frosthärte
Winterhart, Blüte spätfrostgefährdet

Wer nur Platz für einen schmalen Baum hat, fährt mit einer Säulenkirsche gut. Sie trägt an kurzen Trieben direkt am Stamm, und ihr Schnitt beschränkt sich darauf, nach der Ernte zu lange Seitentriebe auf eine Handbreite zu kürzen.

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Aprikose: das empfindlichste Steinobst

Die Aprikose (Prunus armeniaca) trägt an einjährigen Langtrieben und an kurzen Spießen, die zwei bis drei Jahre fruchten und dann vergreisen. Ihr Schnitt muss also beides tun: jedes Jahr neue Triebe anregen und altes Fruchtholz ersetzen.

Gleichzeitig ist sie das empfindlichste Steinobst. Das gefürchtete Aprikosensterben, bei dem ganze Äste im Frühsommer plötzlich welken, hat viele Ursachen, aber große Wunden und Frostrisse gehören zu den wichtigsten Eintrittspforten. Große Schnitte an der Aprikose machst du deshalb nur nach der Ernte, bei trockenem Wetter, und nie mehr als zwei, drei auf einmal.

Aprikosenbaum voller orangefarbener Früchte zwischen dichtem Laub
Aprikosen tragen am einjährigen Holz und an kurzen Spießen. Ein Schnitt nach der Ernte hält beides jung. · Foto: Chris Light, CC BY-SA 4.0

So schneidest du die Aprikose

Nach der Ernte, Ende Juli bis Mitte August · KW 30 bis 33, nimmst du abgetragene Fruchtäste, die kaum noch neue Triebe bilden, auf einen jungen Seitentrieb zurück. Zu dichte einjährige Triebe dünnst du aus, sodass alle 15 bis 20 Zentimeter einer bleibt.

Alternativ schneidest du während oder kurz nach der Blüte. Dann siehst du, welche Triebe Blüten tragen, und der Baum ist voll im Saft. An einer warmen Wand gezogene Spaliere schneidest du genauso. Warum die Aprikose überhaupt so gern an der Hauswand steht, erklärt Aprikose in Deutschland.

Spätfrost, nicht Schnitt

Welkt eine Aprikose im April nach einer Frostnacht, ist oft der Frost und nicht der Schnitt schuld. Erfrorene Blüten werden braun, die Blätter treiben trotzdem aus. Warte bis Ende Mai, bevor du scheinbar tote Äste entfernst. Was dann noch kein Laub trägt, darf raus.

Mirabelle und Reneklode: auslichten, nicht einkürzen

Mirabellen (Prunus domestica subsp. syriaca) und Renekloden (Prunus domestica subsp. italica) sind Pflaumenverwandte und tragen wie diese an zwei- bis dreijährigem Holz und an kurzen Fruchtspießen. Beide bilden von Natur aus eine runde, eher lockere Krone und brauchen weniger Schnitt als die Zwetschge.

Die Mirabelle ist dabei die genügsamste. Ein Auslichtungsschnitt alle zwei Jahre nach der Ernte reicht: sich kreuzende und nach innen wachsende Äste heraus, zu dichte Partien lichten. Renekloden wachsen buschiger und dichter. Hier lichtest du jedes Jahr aus, sonst bleibt die Krone nach Regen lange nass, und die Moniliafäule hat leichtes Spiel.

Einzelner Mirabellenbaum auf einem Hügel über weiten Feldern
Ein Mirabellenbaum in Lothringen: Mirabellen brauchen den wenigsten Schnitt der Pflaumenverwandtschaft.· Foto: Musicaline, CC BY-SA 4.0

Mirabelle ‚Nancy‘ gilt als die klassische Sorte mit dem feinsten Aroma. Ihre kleinen Früchte sitzen dicht an kurzen Trieben, die du beim Auslichten stehen lässt. Wer zwischen Mirabelle, Reneklode, Pflaume und Zwetschge noch unsicher ist, findet die Unterschiede in Zwetschge, Pflaume, Mirabelle, Reneklode: wer ist wer.

Mirabelle ‚Nancy‘

Prunus domestica subsp. syriaca

Familie
Rosengewächse (Rosaceae)
Standort
Sonnig, warm
Saison
Auslichten nach der Ernte, KW 33 bis 35
Wasserbedarf
Mäßig
Frosthärte
Winterhart

Große Wunden vermeiden

Beim Steinobst gilt stärker als bei jedem anderen Obst: Schneide Äste, solange sie jung sind. Ein Trieb, den du im zweiten Jahr als Konkurrenz erkennst und entfernst, hinterlässt eine Wunde von einem Zentimeter. Derselbe Ast zehn Jahre später hinterlässt eine Wunde von zehn Zentimetern, und die heilt an einer Kirsche nie ganz.

Musst du doch einen dicken Ast entfernen, dann im Hochsommer, bei trockenem Wetter, sauber auf Astring und im dreiteiligen Schnitt, damit die Rinde nicht einreißt. Wie das geht, zeigt Werkzeug für den Obstbaumschnitt.

Früh schneiden, klein schneiden, im Sommer schneiden.

Die Steinobst-Regel

Trag dir das Ernteende als Erinnerung für den Schnitt ein. Im Gartenkern-Tagebuch wird die Kirschernte so jedes Jahr zum Startsignal für die Säge, und du siehst über die Jahre, welcher Ast wie geantwortet hat.

Häufige Fragen

Wann schneidet man einen Süßkirschbaum?

Direkt nach der Ernte, je nach Sorte von Ende Juni bis Ende Juli. Dann heilen die Wunden schnell, und Silberglanz sowie Bakterienbrand haben kaum eine Chance. Im Winter solltest du Kirschen nicht schneiden.

Wie schneide ich einen zu hohen Kirschbaum kleiner?

Über mehrere Sommer durch Ableiten. Du schneidest den Mitteltrieb und die höchsten Äste jeweils direkt über einem tiefer sitzenden, nach außen wachsenden Seitenast ab. Nimm pro Jahr höchstens ein Viertel der Krone heraus, sonst treibt der Baum massenhaft Wasserschosse.

Wann schneidet man einen Aprikosenbaum?

Nach der Ernte von Ende Juli bis Mitte August oder während der Blüte im Frühjahr. Große Schnitte an der Aprikose nur bei trockenem Wetter und nicht mehr als zwei oder drei auf einmal, weil sie empfindlich auf Wunden reagiert.

Muss man einen Mirabellenbaum schneiden?

Nur wenig. Ein Auslichtungsschnitt alle zwei Jahre nach der Ernte genügt. Dabei entfernst du sich kreuzende, nach innen wachsende und abgestorbene Äste. Die kurzen Fruchttriebe lässt du stehen.

Was hilft gegen Harzfluss am Kirschbaum?

Harzfluss ist eine Stressreaktion. Vermeide große Wunden und Winterschnitt, sorge für einen durchlässigen Boden und schütze den Stamm im Winter mit einem Weißanstrich gegen Frostrisse. Tritt an einer Stelle dauerhaft Harz aus und sinkt die Rinde ein, schneide den Ast im Sommer bis ins gesunde Holz zurück.

Quellen und weiterlesen

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