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Magazin4. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Beerensträucher vermehren und pflanzen: aus einem Strauch werden viele

Fast alle Beerensträucher lassen sich kostenlos vermehren: über Steckhölzer, Absenker oder Ausläufer. Wir zeigen dir, welche Beere welchen Weg mag, wann du pflanzt und wie dein junger Strauch sicher anwächst.

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Garten & Redaktion
Sonniger Gemeinschaftsgarten mit angelegten Beeten, jungem Baum und Holzzaun unter blauem Himmel
Ein Garten wächst über Jahre. Beerensträucher gehören zu den dankbarsten Bewohnern, weil aus einem Strauch schnell viele werden. · Foto: Ciara Ní Riain / Wikimedia Commons
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Es gibt einen Moment, den jeder Beerengärtner kennt: Du stehst vor deinem Johannisbeerstrauch, er hängt voll, und du denkst, davon hätte ich gern noch drei mehr. Die gute Nachricht ist, dass genau das der einfachste Weg zu neuen Sträuchern ist. Du brauchst keinen gekauften Nachschub. Der beste Nachwuchs steht schon im Beet.

Beerensträucher gehören zu den dankbarsten Pflanzen im Garten, wenn es ums Vermehren geht. Ein bleistiftdicker Trieb, ein zum Boden gebogener Zweig oder ein Ausläufer reicht, und aus einer Pflanze werden viele. Und wenn du sie dann richtig setzt, tragen sie 15 bis 20 Jahre lang. In diesem Ratgeber zeigen wir dir beide Hälften: erst vermehren, dann pflanzen.

Aus eins mach viele: die drei Wege

Fast alle Beerensträucher vermehrst du vegetativ, also über einen Pflanzenteil statt über Samen. Das hat einen guten Grund: Nur so bleibt die Sorte erhalten. Ein aus Kernen gezogener Strauch ist ein Überraschungspaket, meist mit kleineren, saureren Früchten. Wer eine bestimmte Sorte will, nimmt einen Trieb der Mutterpflanze.

Welcher Weg zu welcher Beere passt, hängt vom Wuchs ab. Ribes-Arten bewurzeln über Steckhölzer, biegsame Sträucher legst du ab, und alles, was von selbst wandert, gibt dir fertige Jungpflanzen fast geschenkt.

Welche Beere vermehrt sich wie

  • SteckhölzerRote, weiße und schwarze Johannisbeere, Jostabeere und Aronia. Verholzte Triebe im Herbst, der einfachste Weg von allen.
  • AbsenkerStachelbeere und alles, dessen Zweige sich zum Boden biegen lassen. Der Zweig wurzelt, während er noch an der Mutter hängt.
  • Ausläufer und KindelHimbeere und Brombeere schicken Wurzelausläufer, die Erdbeere legt Kindel an ihren Ranken an. Abtrennen, umsetzen, fertig.
  • Nicht über SamenAus Kernen wächst selten sortenechtes Obst. Für die Ernte, die du kennst und magst, vermehre immer vegetativ.

Steckhölzer: der einfachste Weg

Ein Steckholz ist nichts weiter als ein Stück verholzter Trieb, das du in die Erde steckst und Wurzeln schlagen lässt. Bei den Johannisbeeren, der Jostabeere und der Aronia klappt das so zuverlässig, dass es fast unheimlich ist. Die beste Zeit ist der Spätherbst nach dem Laubfall, etwa KW 42 bis 46, wenn der Trieb voll ausgereift ist.

  1. Trieb auswählen

    Nimm einen kräftigen, diesjährigen Trieb, ungefähr bleistiftdick und gesund. Von einer Mutterpflanze, die reich und ohne Krankheiten trägt.
  2. Auf 20 cm schneiden

    Oben gerade knapp über einer Knospe, unten schräg dicht unter einer Knospe. Der schräge Schnitt zeigt dir später, wo unten ist.
  3. Untere Knospen entfernen

    Die zwei bis drei untersten Knospen abstreifen, damit dort keine Triebe unter der Erde wachsen. Oben drei Knospen stehen lassen.
  4. Zwei Drittel tief stecken

    In lockere, feuchte Erde am Beetrand oder in einen Topf, sodass nur die oberen zwei bis drei Knospen herausschauen.
  5. Über Winter feucht halten

    Nicht düngen, nur nie ganz austrocknen lassen. Im Frühjahr treibt das Steckholz aus, im Herbst darauf setzt du den fertigen jungen Strauch an seinen Platz.
Rispe noch grüner Johannisbeeren an einem beblätterten Zweig
Ein bleistiftdicker Trieb im Herbst genügt für einen neuen Strauch. · Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons

Warum gerade Johannisbeeren so leicht gehen

Alle drei Farben gehören zur Gattung Ribes und bewurzeln bereitwillig aus verholztem Holz. Deshalb ist die Johannisbeere die Pflanze, an der die meisten Gärtner das Steckholz zum ersten Mal ausprobieren. Sie verzeiht Anfängerfehler.

Wie du rote, weiße und schwarze richtig schneidest und pflegst, steht ausführlich in unserem Ratgeber zu den Johannisbeeren. Für die Vermehrung reicht: gesunder Trieb, Herbst, ab in die Erde.

Absenker: für alles, was sich biegen lässt

Manche Sträucher machen dir das Steckholz schwer. Die Stachelbeere zum Beispiel ist dornig, und ihre Steckhölzer bewurzeln eher zäh. Für sie ist der Absenker der bessere Weg: Du biegst einen tiefen, biegsamen Zweig zum Boden, ritzt ihn an der Auflagestelle leicht an, legst ihn in eine flache Rille und beschwerst ihn mit einem Stein oder einer Drahtklammer. Die Zweigspitze schaut oben heraus.

Der Zweig wurzelt in Ruhe, während er noch von der Mutterpflanze versorgt wird. Angelegt wird im Frühjahr bis Frühsommer, etwa KW 16 bis 26. Im Herbst darauf, wenn sich Wurzeln gebildet haben, trennst du den jungen Strauch mit dem Spaten ab und setzt ihn um.

Dornige Triebe einer Stachelbeere mit gelappten Blättern und einer grünen Frucht, eine behandschuhte Hand hält einen Zweig beiseite
Bei der dornigen Stachelbeere ist der Absenker bequemer als das Steckholz. · Foto: Dirk Ingo Franke / Wikimedia Commons

Ein Zweig, der noch versorgt wird

Der Absenker hat einen unschlagbaren Vorteil: Solange der Zweig an der Mutter hängt, kann beim Bewurzeln kaum etwas schiefgehen. Er bekommt Wasser und Nährstoffe, bis er auf eigenen Wurzeln steht.

Das macht ihn zur sichersten Methode für alle, die es zum ersten Mal versuchen. Auch die Jostabeere lässt sich so vermehren.

Ausläufer und Kindel: geschenkte Pflanzen

Bei manchen Beeren musst du gar nichts schneiden. Die Himbeere und die Brombeere schicken Wurzelausläufer durch das Beet und tauchen im Frühjahr ein Stück weiter als fertige Jungpflanze wieder auf. Gräbst du so einen bewurzelten Ausläufer im Herbst (KW 40 bis 46) oder zeitigen Frühjahr aus und trennst ihn von der Mutter, hast du einen neuen Strauch. Bei der Himbeere ist das eher ein Bändigen als ein Vermehren, denn sie wandert von allein. Mehr dazu in unserem Himbeer-Ratgeber.

Am allerleichtesten macht es die Erdbeere. Sie bildet im Sommer Ranken, an deren Enden sich kleine Tochterpflanzen bilden, die Kindel. Lass die kräftigsten an Ort und Stelle in kleine Töpfe wurzeln (KW 28 bis 34), trenne sie dann ab und setze sie an ihren neuen Platz.

Erdbeerpflanze mit reifen roten Früchten, von der Ranken mit kleinen Tochterpflanzen ins Gras auslaufen
Die Erdbeere erledigt die Vermehrung fast allein: An ihren Ranken hängen fertig bewurzelte Kindel.· Foto: James McNally / Wikimedia Commons
Der günstigste Beerenstrauch ist der, den du dir aus einem einzigen Trieb selbst gezogen hast.

Die richtige Pflanzzeit

Ob selbst gezogen oder gekauft, irgendwann kommt der junge Strauch an seinen Platz. Die mit Abstand beste Zeit dafür ist der Herbst, etwa KW 40 bis 46. Der Boden ist noch warm, es fällt genug Regen, und die Wurzeln wachsen ein, bevor der Frost kommt. Im nächsten Frühjahr startet der Strauch dann mit Vorsprung. Das zeitige Frühjahr (KW 10 bis 16) geht auch, dann musst du im ersten Sommer aber öfter gießen.

Beim Kauf triffst du auf zwei Formen. Wurzelnackte Sträucher werden ohne Topf in der Ruhezeit verkauft, sind günstig und wachsen erfahrungsgemäß hervorragend an, aber es gibt sie nur von Herbst bis zeitigem Frühjahr. Containerware steht im Topf und lässt sich fast das ganze Jahr pflanzen, außer bei strengem Frost oder in der Sommerhitze.

So pflanzt du einen Beerenstrauch

  1. Standort und Boden vorbereiten

    Sonnig bis halbschattig. Den Boden tief lockern und reifen Kompost einarbeiten. Die Heidelbeere ist die Ausnahme: Sie braucht saures Substrat, niemals Kalk.
  2. Wurzeln wässern

    Wurzelnackte Sträucher ein bis zwei Stunden ins Wasser stellen. Einen Containerballen so lange tauchen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
  3. Pflanzloch ausheben

    Doppelt so breit wie der Wurzelballen, damit die Wurzeln in lockere Erde wachsen. Nicht tiefer als nötig.
  4. Richtig tief einsetzen

    Johannisbeere, Josta und Stachelbeere ruhig 3 bis 5 cm tiefer als zuvor, das regt neue Bodentriebe an. Himbeere und Heidelbeere dagegen flach, die Wurzeln liegen dicht unter der Oberfläche.
  5. Auffüllen und antreten

    Erde einfüllen und rundum leicht andrücken, damit keine Hohlräume bleiben, in denen die Wurzeln vertrocknen.
  6. Gründlich einschlämmen

    Einen kleinen Gießrand formen und mit rund 10 Litern angießen, bis die Erde sackt und sich um die Wurzeln legt. Das ist wichtiger als jedes Düngen.
  7. Mulchen

    Eine Handbreit Laub, angetrockneter Rasenschnitt oder Rindenkompost hält die flachen Wurzeln feucht und spart dir Gießwasser.

Nach der Pflanzung: die ersten Wochen

Der erste Sommer entscheidet, ob der Strauch stark anwächst. Halte die Wurzeln gleichmäßig feucht, ohne sie zu ertränken, und erneuere die Mulchschicht, wenn sie sich zersetzt hat. Gedüngt wird im ersten Jahr kaum, der Kompost aus dem Pflanzloch reicht.

Ein kräftiger Pflanzschnitt lohnt sich: Kürze die Triebe von Johannisbeere und Josta auf drei bis vier starke ein, die Himbeerrute auf etwa 30 cm. Das klingt hart, aber der Strauch steckt seine Kraft dann in die Wurzeln und verzweigt sich im nächsten Jahr umso buschiger.

Wenn dir das Timing wichtig ist: Trag dir den Pflanztermin und den ersten Rückschnitt in dein Gartenkern-Tagebuch ein. So weißt du im zweiten Jahr genau, wie alt jeder Strauch ist, und im dritten, welcher Steckholz-Jahrgang am besten getragen hat.

Häufige Fragen

Kann ich einen Strauch aus gekauften Supermarkt-Beeren ziehen?
Über die Samen praktisch nicht sortenecht, und viele Beeren stammen von Sorten, deren Nachwuchs enttäuscht. Nimm lieber ein Steckholz oder einen Ausläufer von einem Strauch, den du kennst.
Wie lange dauert es vom Steckholz bis zur ersten Ernte?
Rechne mit zwei bis drei Jahren. Im ersten Jahr bewurzelt das Steckholz, im zweiten wächst der Strauch heran, ab dem dritten trägt er nennenswert.
Darf ich jede Sorte einfach vermehren?
Für den eigenen Garten und zum Verschenken ja. Manche neueren Sorten stehen unter Sortenschutz, dann ist die Vermehrung zum Verkauf nicht erlaubt. Fürs Beet zu Hause musst du dir keine Sorgen machen.
Herbst oder Frühjahr, was ist besser?
Der Herbst (KW 40 bis 46), fast immer. Der Boden ist warm, es regnet, und der Strauch wurzelt bis zum Frost ein. Frühjahr geht auch, kostet dich im ersten Sommer aber mehr Gießen.
Brauche ich zwei Sträucher für die Befruchtung?
Die meisten Beeren sind selbstfruchtbar, ein Strauch reicht. Ausnahmen sind die Maibeere und manche schwarzen Johannisbeeren, die mit einer zweiten Sorte deutlich mehr tragen.

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