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Magazin4. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Die Fensterbank wird zur Gärtnerei: dein Garten im Februar

Noch liegt Frost in der Luft, doch im Februar beginnt die Saison im Kleinen: Auf der Fensterbank ziehst du Tomaten und Paprika vor, die Frühkartoffeln keimen vor, und an milden Tagen dürfen die ersten robusten Samen sogar schon ins Freie.

Das Gartenkern-Team
Garten & Redaktion
Blühende Schneeglöckchen recken sich zwischen letzten Schneeresten im Garten
Schneeglöckchen sind das erste Versprechen: Jetzt geht es wieder los. · Foto: Cristi Mitan, CC0
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Der Februar ist ein Monat mit zwei Gesichtern. Draußen kann es noch tief frieren, morgens knirscht der Reif, und über Nacht fällt manchmal Schnee. Drinnen aber beginnt längst die neue Saison: Auf der Fensterbank stehen die ersten Anzuchtschalen, und mit jedem Tag wird das Licht ein Stück länger. Wer jetzt loslegt, hat im Frühjahr kräftige, gut durchgewurzelte Jungpflanzen statt teurer Ware aus dem Baumarkt.

Wir gehen die Aufgaben der Reihe nach durch. Der Februar umfasst grob KW 6 bis 9.

Hände pikieren junge Sämlinge einzeln in kleine Töpfe mit frischer Erde
Pikieren gibt jeder Jungpflanze ihren eigenen Topf und Raum zum Wurzeln. · Foto: peganum, CC BY-SA 2.0

Die Anzucht läuft an

Jetzt kommen die Langsamstarter dran, die eine lange Kulturzeit brauchen: Tomaten, Paprika, Chili, Aubergine und Physalis. Wärmebedürftig, wie sie sind, keimen sie am besten bei rund 22 bis 24 Grad an einem hellen Platz.

Gegen Ende des Monats folgen Sellerie, früher Kopfsalat und die ersten Kohlarten. Wichtig bleibt das Licht: Zu dunkel gezogen, werden die Sämlinge lang und blass. Ein Südfenster hilft, eine Pflanzenlampe ist im Februar aber fast Gold wert.

Sobald die Keimlinge nach den beiden runden Keimblättern ihr erstes Paar echter Blätter zeigen, werden sie pikiert, also einzeln in eigene Töpfe gesetzt. Das klingt heikler, als es ist.

  1. Vorsichtig lösen

    Hebe die Sämlinge mit einem Pikierstab oder einem Teelöffel aus der Erde. Fass sie nur an einem Keimblatt an, nie am zarten Stängel.

  2. Wurzel einkürzen

    Zwick die Spitze der Hauptwurzel mit dem Fingernagel leicht ab. Das regt die Pflanze an, viele feine Seitenwurzeln zu bilden.

  3. Tiefer setzen

    Setz jeden Sämling einzeln in einen kleinen Topf mit nährstoffarmer Anzuchterde, bei Tomaten ruhig bis knapp unter die Keimblätter. Sie bilden am Stängel zusätzliche Wurzeln.

  4. Angießen und kühler stellen

    Vorsichtig angießen und ein paar Grad kühler und hell weiterkultivieren. So werden die Pflanzen gedrungen und stark statt lang und weich.

Frühkartoffeln vorkeimen

Wer im Sommer die ersten eigenen Kartoffeln ausbuddeln will, legt jetzt den Grundstein. Ab Mitte bis Ende Februar holst du die Saatkartoffeln aus dem dunklen Lager und stellst sie ans Licht.

Vorgekeimte Saatkartoffeln mit kurzen kräftigen Trieben in einer Eierschachtel
Kurz und grün ist das Ziel: kräftige Keime statt langer, blasser Triebe.· Foto: Kangarooth, CC BY-SA 4.0

Stell die Knollen mit den meisten Augen nach oben in einen Eierkarton oder eine flache Kiste, an einen hellen, kühlen Ort bei etwa 10 bis 15 Grad. In drei bis vier Wochen bilden sich kurze, kräftige grüne Triebe. Genau die willst du haben. Lange, blasse Triebe zeigen an, dass es zu warm und zu dunkel steht. Vorgekeimt gesetzt, sind die Kartoffeln später zwei bis drei Wochen früher reif.

Der Februar sät keine Ernte, er sät den Vorsprung. Was jetzt am Fenster steht, entscheidet über den Sommer.

Die ersten Samen dürfen ins Freie

Sobald der Boden abgetrocknet und nicht mehr gefroren ist, geht an milden Standorten die Freilandsaison vorsichtig los. Robuste Kulturen vertragen die Kälte erstaunlich gut. Dicke Bohnen, auch Puffbohnen genannt, keimen schon ab etwa fünf Grad und stecken leichten Frost weg. Erbsen folgen kurz darauf. Unter einem Vlies oder im Frühbeet kannst du außerdem Radieschen, Spinat und die ersten Möhren wagen, und Steckzwiebeln sowie Knoblauch dürfen in die Erde.

Beerensträucher und Obst schneiden

Solange die Sträucher noch kahl sind, siehst du ihren Aufbau klar, und der Schnitt fällt leicht. Johannisbeeren und Stachelbeeren werden ausgelichtet: Die ältesten, dunklen Triebe kommen bodennah heraus, ein paar kräftige junge bleiben stehen. So bleibt der Strauch luftig, gesund und trägt an jungem Holz die dicksten Beeren.

Auch der Winterschnitt an Apfel und Birne lässt sich jetzt noch gut zu Ende bringen, an einem trockenen, frostfreien Tag. Steinobst dagegen wartet weiter auf den Sommer.

Der Ziergarten wacht auf

Zwischen den Schneeresten blühen jetzt Schneeglöckchen und Winterlinge, und die ersten Krokusse schieben nach. Gegen Ende des Monats, kurz bevor der Neuaustrieb kommt, schneidest du stehen gebliebene Ziergräser und verblühte Staudenstängel bodennah ab. Bis dahin haben sie Insekten überwintert und den Beeten Struktur gegeben. Mit dem Rosenschnitt wartest du dagegen besser, bis die Forsythie blüht, das ist der verlässliche Zeigerstrauch dafür.

Dein Februar in Kürze

  • VorziehenTomaten, Paprika, Chili und Aubergine am hellen Fenster aussäen, Sämlinge pikieren.
  • Kartoffeln vorkeimenSaatkartoffeln hell und kühl aufstellen, bis kurze grüne Triebe kommen.
  • Erste DirektsaatDicke Bohnen und Erbsen ins Freie, Radieschen und Spinat unter Vlies.
  • Beeren schneidenJohannis- und Stachelbeere auslichten, Herbsthimbeere bodennah abschneiden.
  • SchützenJunge Saaten mit Vlies wärmen, an Spätfrost denken.
  • ZiergartenGräser und Stauden zurückschneiden, bevor der Neuaustrieb beginnt.

Häufige Fragen

Braucht die Anzucht im Februar wirklich eine Pflanzenlampe?

Für die früh gesäten Wärmekulturen wie Paprika und Chili lohnt sie sich sehr. Das Februarlicht ist noch schwach und kurz, und ohne Zusatzlicht vergeilen die Sämlinge leicht. Wer keine Lampe hat, sät diese Kulturen besser erst im März.

Ist es nicht zu früh, schon draußen zu säen?

Für die meisten Kulturen ja. Dicke Bohnen und Erbsen aber sind hart im Nehmen und keimen bei niedrigen Temperaturen. Wichtig ist nur, dass der Boden abgetrocknet und nicht gefroren ist. Ein Vlies gibt zusätzliche Sicherheit.

Warum soll ich Kartoffeln überhaupt vorkeimen?

Vorgekeimte Knollen wachsen nach dem Setzen sofort los und sind zwei bis drei Wochen früher reif. Gerade bei Frühkartoffeln macht das den Unterschied zwischen einer frühen und einer sehr frühen Ernte.

Dein Februar auf einen Blick

Der Februar ist der Monat der kleinen Anfänge. Vieles davon passiert auf wenigen Zentimetern Fensterbank, und doch trägst du damit den ganzen Sommer schon in dir. Lass dir Zeit, der Frühling kommt von allein, und die kräftigsten Jungpflanzen sind selten die am frühesten gesäten, sondern die geduldig und hell gezogenen.

In Gartenkern hältst du fest, was du wann ausgesät hast, und legst dir Erinnerungen fürs Pikieren und Abhärten an. Im nächsten Jahr weißt du dann genau, welche Tomate ‚Berner Rose' zuverlässig gekeimt ist und wann deine Frühkartoffeln so weit waren. So wächst mit jedem Februar auch deine Erfahrung.

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