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Magazin28. Juli 2026 · 17 Min. Lesezeit

Der Mondkalender im Garten: ehrlich eingeordnet

Wurzeltage, Blatttage, zunehmender und aufsteigender Mond: was in den Mondkalendern wirklich steht, was kontrollierte Aussaatversuche dazu gefunden haben und warum sich die Regeln trotzdem halten.

Das Gartenkern-Team
Garten & Redaktion
Zunehmende Mondsichel über einer Baumreihe im Abendhimmel mit rosa Wolkenbändern
Der Mond ist ein verlässlicher Taktgeber am Himmel. Ob er auch im Beet den Takt vorgibt, ist eine andere Frage. · Foto: W.carter, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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Es gibt diesen Satz, den fast jeder schon einmal über den Zaun gehört hat: „Kein Wunder, du hast am falschen Tag gesät.“ Meistens fällt er, wenn die Radieschen holzig geworden sind oder die Reihe Möhren nur halb aufgegangen ist. Und meistens hat der Nachbar einen kleinen Kalender in der Schublade, in dem für jeden Tag steht, ob er ein Wurzeltag, ein Blatttag, ein Blütentag oder ein Fruchttag ist.

Diese Kalender sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitet. Sie hängen in Gartenlauben, liegen in Küchenschubladen, stecken als App auf dem Handy. Manche Gärtner richten ihr halbes Jahr danach aus, andere halten es für Unsinn. Beide Gruppen reden selten miteinander, und beide bekommen selten eine ordentliche Antwort.

Der Reihe nach: was in den Kalendern eigentlich steht, was kontrollierte Versuche dazu gefunden haben, warum der beliebte Gezeiten-Vergleich physikalisch nicht trägt und warum sich diese Regeln trotzdem so hartnäckig halten. Am Ende steht ein Vorschlag, wie du die Frage in deinem eigenen Beet klären kannst, ohne dich mit irgendwem zu streiten.

Auf einen Blick

  • Es sind zwei Mondrhythmen, nicht einer. Zunehmend und abnehmend folgt dem synodischen Monat mit 29,5 Tagen, aufsteigend und absteigend dem siderischen Umlauf mit 27,3 Tagen. Die beiden laufen auseinander und widersprechen sich regelmäßig.
  • Kontrollierte Versuche finden keinen stabilen Effekt. Auf Keimrate, Wuchs und Ertrag lässt sich in wiederholten Aussaatversuchen kein reproduzierbarer Mondeinfluss zeigen. Einzeljahre zeigen mal etwas, das Folgejahr nimmt es zurück.
  • Der Gezeiten-Vergleich trägt nicht. Gezeiten entstehen, weil ein riesiger Wasserkörper ungleich angezogen wird. Wie hoch sie ausfallen, entscheidet dann das Becken: die westliche Ostsee kommt auf etwa 30 cm Tidenhub, die Bay of Fundy auf bis zu 15 Meter. Ein Beet hat keinen messbaren.
  • Bodentemperatur und Feuchte erklären fast alles. Ob Saatgut keimt, entscheiden Wärme im Boden, gleichmäßiges Wasser und die richtige Saattiefe. Das sind Größen, die du messen kannst.
  • Der Kalender darf trotzdem bleiben. Er erzwingt Regelmäßigkeit, Hingehen und Notieren. Das wirkt, nur eben nicht über den Mond.

Was in einem Mondkalender eigentlich steht

Die bekannteste Fassung geht auf Maria Thun zurück, die ab 1963 jährlich Aussaattage veröffentlichte. Ihre Grundidee: Der Mond wandert vor den zwölf Sternbildern des Tierkreises vorbei, und je nachdem, vor welchem er gerade steht, wird ein Pflanzenteil besonders gefördert. Die Zuordnung läuft über die vier klassischen Elemente.

Die vier Tagesarten

  • WurzeltageMond vor den Erd-Sternbildern Stier, Jungfrau und Steinbock. Empfohlen für alles, was unter der Erde wächst: Möhren, Radieschen, Rote Bete, Knollensellerie, Kartoffeln.
  • BlatttageMond vor den Wasser-Sternbildern Krebs, Skorpion und Fische. Für Salat, Spinat, Kohlarten und Kräuter, alles Blattige. Nicht empfohlen für die Ernte von Lagergut.
  • BlütentageMond vor den Luft-Sternbildern Zwillinge, Waage und Wassermann. Für Blumen, Brokkoli, Blumenkohl und alles, was wegen der Blüte gezogen wird.
  • FruchttageMond vor den Feuer-Sternbildern Widder, Löwe und Schütze. Für Tomaten, Buschbohnen, Kürbis, Getreide, Obst. Gelten in vielen Kalendern auch als beste Erntetage.

Dazu kommen Nebenregeln, die je nach Kalender variieren. Bei abnehmendem Mond soll man ernten, was gelagert wird, und mähen, wenn der Rasen langsamer nachwachsen soll. Bei zunehmendem Mond soll gepflanzt, gegossen und gedüngt werden. Bei absteigendem Mond soll die Kraft in die Wurzel gehen, weshalb Umpflanzen und das Ausbringen von Kompost auf diese Tage gelegt werden. Und es gibt Sperrtage, an denen man am besten gar nichts macht.

Fotoreihe des Mondes über einen ganzen Monat, von der schmalen Sichel über den Vollmond bis zur abnehmenden Sichel
Ein voller Zyklus von Neumond zu Neumond dauert 29,5 Tage. Der siderische Umlauf durch die Sternbilder dauert nur 27,3 Tage. · Foto: Gurtu13, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Vier Begriffe, zwei verschiedene Uhren

Zunehmend und abnehmend ist das, was du am Himmel siehst: der Weg von Neumond über Vollmond zurück zum Neumond. Das ist der synodische Monat, er dauert 29,5 Tage. Aufsteigend und absteigend ist etwas völlig anderes. Damit ist gemeint, ob der Mond bei seinem Lauf durch die Sternbilder täglich höher oder tiefer über dem Horizont kulminiert. Dieser Umlauf dauert 27,3 Tage und entspricht dem siderischen Monat, dem Weg des Mondes vor den Sternen.

Weil beide Uhren unterschiedlich schnell gehen, verschieben sie sich gegeneinander. Zunehmender Mond kann absteigend sein, abnehmender aufsteigend, in jeder Kombination. Wer beide Regelwerke gleichzeitig befolgen will, landet spätestens im zweiten Monat im Widerspruch.

Warum sich zwei Mondkalender am selben Tag widersprechen

Es gibt nämlich zwei verschiedene Tierkreise, und dieser Punkt kommt in der Diskussion fast nie vor. Der siderische Tierkreis ist an die Sterne gekoppelt, er wandert also mit den Sternbildern mit. Wo genau seine Grenzen liegen, ist damit noch nicht gesagt: Die siderische Astrologie teilt ihn in zwölf gleich große Abschnitte von je 30 Grad, Maria Thun arbeitet dagegen mit den tatsächlichen, ungleich breiten Sternbildgrenzen. Der tropische Tierkreis, mit dem die klassische Astrologie und viele populäre Mondkalender arbeiten, richtet sich gar nicht nach Sternen, sondern nach den Jahrespunkten, also nach Frühlingsbeginn und Sonnenwenden.

Und die echten Sternbilder am Himmel sind eben nicht gleich breit. Der Skorpion nimmt auf der Bahn der Sonne nur rund 7 Grad ein, die Jungfrau rund 44. Astronomisch sind es auf der Sonnenbahn außerdem dreizehn Sternbilder, weil der Schlangenträger dazugehört, den kein Mondkalender führt. Der Mond selbst streift wegen seiner um fünf Grad geneigten Bahn noch weitere, bis in den Orion hinein. Wo ein Kalender die Grenze zwischen zwei Zeichen zieht, ist damit immer auch eine Entscheidung des Herausgebers.

Die beiden Tierkreise lagen in der Antike ungefähr übereinander. Seither hat sich die Erdachse weitergedreht, ein Effekt namens Präzession, der einen vollen Umlauf in etwa 25.800 Jahren macht. Inzwischen liegen sie rund 24 Grad auseinander, also gut drei Viertel eines Zeichens. Wo bei Thun der Mond im Stier steht, führt ein astrologisch gerechneter Kalender denselben Mond schon in den Zwillingen. Aus einem Wurzeltag wird auf diesem Weg ein Blütentag.

Praktisch heißt das: Kaufst du zwei Mondkalender verschiedener Herausgeber, kann derselbe Tag im einen ein Wurzeltag sein und im anderen ein Blütentag. Beide berufen sich auf den Mond. Beide können nicht gleichzeitig recht haben. Das ist kein Detail für Sternenfreunde, das ist ein handfestes Problem für jede Regel, die sich auf das Sternbild beruft.

Der Mond bringt keinen Frostschutz

Keine Regel im Kalender ersetzt den Blick auf die Wettervorhersage. Die kalten Nächte um die Eisheiligen, 11. bis 15. Mai · KW 20, treffen jede Tomate gleich hart, egal an welchem Tag sie gepflanzt wurde. Verlass dich aber auch auf dieses Datum nicht: In milden Lagen ist die Frostgefahr Anfang Mai meist vorbei, in den Mittelgebirgen und im Alpenraum sind Frostnächte bis Anfang Juni normal. Maßgeblich ist die Vorhersage für die nächsten Nächte. Umgekehrt gilt jetzt im Sommer: Wer Ende Juli · KW 31 Feldsalat oder Radieschen nachsät, kämpft mit Hitze und trockenem Saatbeet, nicht mit dem Mond.

Was die Versuche zeigen

Die Frage wird seit über hundert Jahren untersucht, und sie lässt sich gut prüfen. Aussaatdatum ist eine saubere Variable: gleiche Sorte, gleiches Saatgut, gleicher Boden, gleiche Saattiefe, nur der Tag unterscheidet sich. Genau so hat man es gemacht.

Bereits 1946 wertete der Forstentomologe C. F. C. Beeson in Nature die damals verfügbare Literatur zum Mondeinfluss auf Pflanzenwachstum aus und fand keinen belastbaren Zusammenhang. Seither sind viele Versuche dazugekommen, in Gärtnereien, an Hochschulen und im biologisch-dynamischen Umfeld selbst. Am ausdauerndsten hat das Darmstädter Institut für Biologisch-Dynamische Forschung gesät und gezählt. Hartmut Spieß säte über mehrere Jahre Winterroggen und Radieschen und fand dabei durchaus Rhythmen, nur nicht die erwarteten. Zusammenhänge zeigten sich im synodischen Zyklus, also beim Zu- und Abnehmen, und bei der Erdnähe des Mondes, und auch die nur teilweise statistisch signifikant. Ausgerechnet die siderischen Trigon-Stellungen, auf denen die Aussaattage beruhen, ließen sich in seinen Versuchen nicht bestätigen. Das ist der bemerkenswerteste Punkt an dieser Arbeit: Die Prüfung kommt aus dem biologisch-dynamischen Umfeld selbst. Was an Effekten bleibt, ist klein, wechselt zwischen Jahren und Kulturen und wird von Bodentemperatur, Feuchte und Sorte überlagert. Genau dieses Muster erwartet man, wenn man Zufallsschwankungen vor sich hat und keinen stabilen Effekt.

Eine Übersichtsarbeit von Mayoral und Kollegen in der Zeitschrift Agronomy (2020) hat die Physik und die Biologie hinter den Behauptungen systematisch geprüft und kommt zum gleichen Ergebnis: Für die Aussaat- und Ertragsregeln fehlt jede reproduzierbare Grundlage. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Regeln in Fachbüchern und Beratungsliteratur trotzdem weitergegeben werden.

Ehrlich dazu gehört auch die andere Seite. Es gibt Messreihen, die feine, mondsynchrone Schwankungen in Pflanzen zeigen, etwa in Blattbewegungen oder im Stammdurchmesser von Bäumen. Peter Barlow hat solche lunisolaren Rhythmen über Jahre dokumentiert, und in der Holzforschung wird über mondabhängige Unterschiede im Wassergehalt bis heute diskutiert. Das ist nicht dasselbe wie ein Ertragsunterschied im Beet. Zwischen „feine Sensoren sehen an einem Baumstamm ein Signal im Bereich von Mikrometern“ und „deine Radieschen werden dicker, wenn du am Dienstag säst“ liegen mehrere Größenordnungen.

Der Mond ist ein wunderbarer Taktgeber für den Blick nach oben. Über den Erfolg im Beet entscheiden Bodentemperatur, Wasser und Saattiefe.

Die Kernregel

Warum der Gezeiten-Vergleich nicht trägt

Das häufigste Argument lautet: Der Mond bewegt die Weltmeere, also bewegt er auch das Wasser im Boden und den Saft in der Pflanze. Das klingt zwingend und ist doch falsch, und zwar aus einem Grund, der sich in einem Satz sagen lässt. Gezeiten entstehen nicht daraus, dass der Mond an Wasser zieht. Sie entstehen daraus, dass er an einem sehr großen Wasserkörper an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark zieht.

Diese Differenz ist winzig. Die Gezeitenbeschleunigung des Mondes an der Erdoberfläche liegt bei etwa einem Zehnmillionstel der Erdanziehung. Dass daraus überhaupt sichtbare Tiden werden, liegt allein daran, dass ein Ozean tausende Kilometer weit reicht und in seinem Becken mitschwingen kann.

Der Beweis dafür steht in jedem Gezeitenatlas. Über der Ostsee steht derselbe Mond wie über Kanada. Die westliche Ostsee kommt auf etwa 30 cm Tidenhub, das Mittelmeer meist auf weniger als einen halben Meter, die Nordsee an der deutschen Küste auf zwei bis drei Meter und die Bay of Fundy in Kanada auf bis zu 15 Meter. Das ist ein Faktor von rund fünfzig zwischen Ostsee und Fundy, bei genau demselben Mond. Nicht der Mond ist dort anders, das Becken ist es.

Ein Gartenbeet ist 30 cm tief und ein paar Meter breit. Es hat keinen messbaren Tidenhub. Die Erdgezeiten heben den Boden zwar mit, um einige Dezimeter, aber sie heben Erde, Bodenwasser und Pflanze im selben Takt und um denselben Betrag. Damit entsteht im Beet kein Gefälle, das Wasser bewegen könnte, so wie ein Wasserglas im Aufzug innen glatt bleibt.

Ähnlich steht es mit dem Mondlicht. Vollmond bringt es auf etwa 0,1 bis 0,3 Lux. Ein trüber Regentag draußen liegt bei einigen hundert bis zweitausend Lux, ein heller bedeckter Tag bei über zehntausend, direkte Sommersonne bei bis zu 100.000. Für Photosynthese ist Mondlicht damit ohne Bedeutung. Es hat Wirkung auf Tiere, auf nachtaktive Falter etwa, und darüber indirekt auf Bestäubung. Der Keimling im dunklen Boden merkt davon nichts.

Gemüsegarten hinter einer alten Ziegelmauer mit Holz-Hochbeeten, Bohnenreihen und Rankgerüsten aus Ästen
Ein Garten, der über Jahre trägt, lebt von Notizen und Wiederholung. Der Kalender an der Wand ist dabei Beiwerk.· Foto: Acabashi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum sich die Regeln trotzdem halten

Wenn nichts dran ist, warum funktioniert es dann für so viele Leute? Weil es tatsächlich funktioniert, nur nicht aus dem angegebenen Grund. Dafür gibt es mehrere gute Erklärungen, und keine davon macht jemanden dumm, der nach dem Mond gärtnert.

Der Kalender kann kaum falsch liegen. An jedem einzelnen Tag im Jahr ist irgendetwas günstig. Wer am Blatttag Salat sät und Erfolg hat, hat den Beweis. Wer am Blatttag Salat sät und keinen Erfolg hat, findet im Kleingedruckten einen Sperrtag, einen unpassenden Mondknoten oder die Empfehlung, es beim nächsten Mal drei Tage später zu versuchen. Ein Regelwerk, das für jeden Ausgang eine Erklärung hat, kann durch Erfahrung nicht widerlegt werden.

Der Bestätigungsfehler tut den Rest, und der trifft uns alle. Treffer bleiben im Gedächtnis, Fehlschläge verschwinden. Die Ernte, die nach dem Wurzeltag prächtig war, erzählt man weiter. Die drei Reihen, die im selben Jahr am selben Tag mickrig blieben, gelten als Pech mit dem Saatgut. Nach ein paar Jahren steht eine feste Überzeugung, gebaut aus einer sorgfältig gefilterten Erinnerung.

Und dann ist da der wirksame Teil, über den zu wenig gesprochen wird.

Hochbeet in einer Kleingartenanlage mit Radieschen und Möhren unter einem Kulturschutznetz auf Bambusbögen
Was hier über den Erfolg entscheidet: Bodentemperatur, gleichmäßige Feuchte und das Netz gegen die Erdflöhe. · Foto: Acabashi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Kalender erzwingt Aufmerksamkeit

Wer nach dem Mond gärtnert, geht an bestimmten Tagen ins Beet, ob er Lust hat oder nicht. Er schaut vorher nach, was heute dran ist. Er notiert, was er gesät hat. Er sät in Etappen statt alles an einem Wochenende. Und er wiederholt das Jahr für Jahr am gleichen Ort.

Genau diese Gewohnheiten machen Gärtner besser: hingehen, hinschauen, aufschreiben, staffeln, wiederholen. Sie hätten die gleiche Wirkung, wenn im Kalender „jeden zweiten Donnerstag“ stünde. Es ist die Regelmäßigkeit, die trägt, nicht das Sternbild.

Was tatsächlich über die Keimung entscheidet

Die gute Nachricht: Die Größen, die wirklich zählen, kannst du selbst in die Hand nehmen. Sie sind unromantischer als ein Sternbild, aber sie liefern jedes Jahr dasselbe Ergebnis.

  1. Bodentemperatur messen, nicht schätzen

    Ein einfaches Bodenthermometer, 5 cm tief eingesteckt, am Morgen gelesen. Wichtig sind zwei Zahlen pro Kultur: ab wann überhaupt etwas keimt und ab wann es zügig keimt. Salat keimt schon ab etwa 4 °C, Radieschen ab etwa 5 °C, beide laufen ab 10 bis 12 °C in wenigen Tagen auf. Möhren keimen ebenfalls ab etwa 5 °C, brauchen unter 10 °C aber zwei bis drei Wochen und laufen erst bei 15 bis 20 °C gleichmäßig auf. Bohnen wollen mindestens 10 bis 12 °C, Gurken und Kürbis mindestens 15 °C, verlässlich 18 bis 20 °C. Unter der Schwelle liegt das Saatgut nur herum und fault. Nach oben gibt es auch eine Grenze: Salat keimt über etwa 25 °C Bodentemperatur kaum noch, Feldsalat wird über 20 °C unzuverlässig. Das erklärt mehr Fehlschläge als alle Sperrtage zusammen.

  2. Saattiefe an der Samengröße ausrichten

    Bei grobem Saatgut gilt als Anhalt: etwa zwei bis drei Mal so tief wie der Samen lang ist. Buschbohnen kommen damit auf 3 bis 4 cm. Beim flachen Kürbiskern trägt die Regel nicht, dort sind 2 bis 3 cm der bewährte Wert. Bei feinem Saatgut trägt sie erst recht nicht, sonst läge die Möhre bei 3 mm und die Rille wäre bis mittags trocken. Nimm dort feste Werte: Möhre rund 1 cm, Radieschen 1 bis 2 cm, jeweils mit einer feinen Deckschicht, die nicht verkrustet. Lichtkeimer wie Sellerie und Salat werden nur angedrückt. Zu tief gesät ist einer der häufigsten Gründe für lückige Reihen.

  3. Bis zum Auflaufen gleichmäßig feucht halten

    Nicht viel Wasser, sondern verlässlich. Eine Saatrille, die zweimal antrocknet, gibt eine halbe Reihe. Wie lange das dauert, hängt an Kultur und Bodentemperatur. Bei 12 bis 18 °C brauchen Radieschen vier bis sechs Tage, Salat sechs bis zehn, Möhre und Sellerie zwei bis drei Wochen. Bei 5 bis 8 °C im März dauert alles etwa doppelt so lang, das ist normal und kein Grund, die Reihe abzuschreiben. Im Sommer hilft ein Brett oder Vlies über der Rille, bis die Saat aufläuft. Details dazu stehen in unserem Artikel über Aussaat und Vorziehen.

  4. In Etappen säen, statt einen perfekten Tag zu suchen

    Zwei Wochen Abstand zwischen den Portionen. Bei Radieschen und Rettich und beim Salat mit Aussaatstaffel ist das der eigentliche Trick. Eine Staffel schlägt jeden Kalender, weil sie das Wetter mitversichert.

  5. Die eigenen Daten notieren

    Datum, Sorte, Bodentemperatur, Saattiefe, Ergebnis. Nach zwei Jahren hast du für deinen Boden bessere Termine, als jeder gedruckte Kalender sie liefern kann, weil sie aus deinem Garten stammen.

Wenn du nach dem Mond gärtnern willst

Dann tu es. Es kostet nichts, es schadet nichts, und es bringt Struktur in ein Gartenjahr. Nur zwei Bitten. Erstens: Lass den Mond nie das Wetter überstimmen. Wenn der Fruchttag auf eine Nacht mit 2 °C fällt, bleiben die Tomaten im Haus. Wenn der Boden nach drei Regentagen klebt, wird nicht umgegraben, egal was im Kalender steht.

Zweitens: Wenn dich die Frage wirklich interessiert, kläre sie für dich selbst. Das ist erstaunlich einfach, weil eine Aussaat sich hervorragend halbieren lässt.

Der Halb-Beet-Versuch

Nimm eine Sorte, zum Beispiel Radieschen ‚Eiszapfen‘, und ein Beet, das über die ganze Länge gleich gut ist. Säe am empfohlenen Wurzeltag drei kurze Reihen, und drei bis vier Tage später, an einem Tag, den der Kalender für ungünstig hält, drei weitere. Verteile die Reihen abwechselnd über das Beet, damit kein Gefälle im Boden das Ergebnis bestimmt. Gleiche Tiefe, gleiche Bewässerung, gleiche Sorte. Notiere an beiden Tagen die Bodentemperatur. Bei der Ernte zählst du die Knollen und wiegst sie, Reihe für Reihe. Wiederhole das drei Jahre lang. Ein großer Effekt wird so sichtbar. Ein kleiner nicht, dafür bräuchte es mehr Beete, als wir haben. Und rechne mit, dass zwischen den beiden Terminen auch anderes Wetter liegt. Falls kein Unterschied bleibt, hast du drei Jahre lang sehr aufmerksam gegärtnert, und das war ohnehin der Gewinn.

Ein Hinweis noch zu den Regeln, die über die Aussaat hinausgehen. Beim Obstbaumschnitt heißt es oft, man solle bei abnehmendem Mond schneiden. Was hier wirklich zählt, ist die Wachstumsruhe des Baumes, ein frostfreier Tag und trockenes Wetter, damit die Wunden abtrocknen. Der gleiche Grundsatz gilt beim Möhrensäen: Wann die erste Generation der Möhrenfliege schlüpft, hängt an der Bodentemperatur im Frühjahr. In milden Lagen ist sie ab Ende April · KW 18 unterwegs, sonst ab Anfang Mai · KW 19. Das Netz gehört also vor den ersten warmen Tagen im Mai auf das Beet, nicht danach. Das Zeitfenster steht damit im Kalenderjahr, nicht im Mondlauf.

Am Ende bleibt eine Beobachtung, die alle Gärtner teilen: Wer sich Termine notiert, wird besser. Genau dafür ist unser Gartentagebuch gebaut. Ein Eintrag mit Datum, Sorte, Bodentemperatur und dem, was daraus geworden ist, ist nach drei Jahren mehr wert als jeder gedruckte Kalender. Und wenn du dabei notierst, welche Mondphase gerade war, umso besser. Dann hast du irgendwann deine eigene Antwort, aus deinem eigenen Beet.

Häufige Fragen zum Mondkalender

Bringt Säen bei zunehmendem Mond mehr Ertrag?

In kontrollierten Aussaatversuchen ist das nicht reproduzierbar, weder über die Jahre noch über die Kulturen. Wo Unterschiede gemessen wurden, waren sie klein, teils nur knapp signifikant und im Folgejahr nicht wiederholbar. Was den Ertrag wirklich hebt: Bodentemperatur über der Keimschwelle, gleichmäßige Feuchte bis zum Auflaufen, richtige Saattiefe und Nährstoffversorgung passend zum Bedarf der Kultur.

Was ist der Unterschied zwischen aufsteigendem und zunehmendem Mond?

Zunehmend heißt, dass die beleuchtete Fläche wächst, von Neumond zu Vollmond. Dieser Zyklus dauert 29,5 Tage und ist der, den du am Himmel siehst. Aufsteigend heißt, dass der Mond bei seinem Lauf durch die Sternbilder jeden Tag höher über den Horizont steigt. Dieser Zyklus dauert 27,3 Tage. Beide laufen unabhängig voneinander, deshalb kann ein Tag gleichzeitig zunehmend und absteigend sein.

Warum steht in zwei Mondkalendern für denselben Tag etwas anderes?

Weil sie verschiedene Tierkreise verwenden. Ein Teil der Kalender richtet sich nach den echten Sternbildern, ein anderer Teil nach den astrologischen Zeichen, die durch die Präzession der Erdachse inzwischen rund 24 Grad davon abweichen, also gut drei Viertel eines Zeichens. Dadurch fällt derselbe Tag im einen Kalender auf einen Wurzeltag und im anderen auf einen Blütentag.

Wann soll ich Rasen mähen, damit er langsamer nachwächst?

Die Mondregel dazu hält keiner Prüfung stand. Was das Nachwachsen tatsächlich bremst, sind wenig Stickstoff, Trockenheit, Schatten und eine langsam wachsende Mischung, also Rotschwingel statt Weidelgras. Im Hochsommer wächst Rasen von selbst langsamer, weil ihm Wasser fehlt. Höher mähen, 5 bis 6 cm, macht ihn nicht langsamer, aber es hilft ihm über die Trockenheit und hält Unkraut klein. Mähe am späten Nachmittag oder frühen Abend, wenn das Gras trocken ist, nicht in der Mittagshitze und nicht auf taunassem Gras. Und innerhalb der Ruhezeiten: In deutschen Wohngebieten darf der Rasenmäher montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr laufen, sonn- und feiertags gar nicht (32. BImSchV). In Österreich und der Schweiz gelten ähnliche Fenster, dort oft zusätzlich mit Mittagsruhe.

Wann sollte ich Radieschen säen?

Immer wenn der Boden mindestens etwa 5 °C hat und du gleichmäßig wässern kannst, also im Freiland üblicherweise ab Mitte März · KW 12 bis Anfang September · KW 36. Zügig keimen sie ab 10 °C. Säe alle zwei bis drei Wochen eine kurze Reihe nach. Im Hochsommer bei Hitze werden Radieschen leicht scharf und pelzig, ein halbschattiger Platz und verlässliches Wasser helfen mehr als die Wahl des Tages.

Schadet es, wenn ich nach dem Mondkalender gärtnere?

Nein, solange der Kalender nicht die Wettervorhersage überstimmt. Problematisch wird es nur, wenn ein günstiger Termin dazu führt, dass Jungpflanzen vor der letzten Frostnacht ins Freie kommen, oder wenn du wegen eines Sperrtags eine Aussaat um zwei Wochen verschiebst und damit das Zeitfenster der Kultur verpasst. Der Kalender darf den Rhythmus vorgeben, nicht die Grenzen.

Quellen und weiterführende Artikel

  • C. F. C. Beeson: The Moon and Plant Growth. In: Nature 158, 1946, Seite 572 bis 573.
  • O. Mayoral, J. Solbes, J. Cantó, T. Pina: What has been thought and taught on the lunar influence on plants in agriculture? In: Agronomy 10 (7), 2020, Artikel 955.
  • H. Spieß: Chronobiological investigations of crops grown under biodynamic management. I. Experiments with seeding dates to ascertain the effects of lunar rhythms on the growth of winter rye. In: Biological Agriculture & Horticulture 7 (2), 1990, Seite 165 bis 178.
  • H. Spieß: Chronobiological investigations of crops grown under biodynamic management. II. Experiments with seeding dates to ascertain the effects of lunar rhythms on the growth of little radish. In: Biological Agriculture & Horticulture 7 (2), 1990, Seite 179 bis 189.
  • P. W. Barlow, J. Fisahn: Lunisolar tidal force and the growth of plant roots, and some other of its effects on plant movements. In: Annals of Botany 110 (2), 2012, Seite 301 bis 318.
  • Aussaat und Vorziehen auf dem Fensterbrett
  • Radieschen und Rettich knackig ziehen
  • Salat durchgehend ernten mit Aussaatstaffel
  • Möhren säen ohne Möhrenfliege
  • Obstbaumschnitt: Grundlagen des Winterschnitts
  • Pflanzenporträts: Radieschen, Salat, Möhre, Tomate, Kartoffel

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